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04.09.2012

Der Lindenweiher in Finkenkrug: Eisvogel in Falkensee

In Falkensee wurde im Juni bereits das 10. Lindenweiherfest begangen. Dabei fällt auf: Als Gewässer ist der Lindenweiher eigentlich nur den Anwohnern im Stadtteil Finkenkrug bekannt. Das sollte sich schnell ändern, denn der Lindenweiher hat eine spannende Entstehungsgeschichte, kippte in einem ökologischen Drama fast um und wurde schlussendlich durch reine Privatinitiative gerettet. Dieter Rach von der Bürgerinitiative Lindenweiher kennt sich aus und kann so einiges erzählen.

„Die Besiedelung des Gebietes als Randregion des Havelländischen Luches um 1900 erforderte eine umfassende Wasserregulierung. Dazu wurde ein leistungsfähiges Grabensystem zur Wasserführung eingerichtet. Im Zuge dieses Systems erfolgte 1902 auch die Anlage des Lindenweihers – unter Nutzung vorhandener Gräben. Mit einer Fläche von etwa zwei Hektar und einer Länge von gut 600 Metern ist damals ein Wasserkörper geschaffen worden, der auch heute noch dazu in der Lage ist, in Verbindung mit der Straßenentwässerung stärkere Niederschläge zu sammeln und das Grundwasser zu regulieren.“

Der Weiher gliedert sich in vier Bereiche, die miteinander verbunden sind. Der als „runder Teil“ bezeichnete Bereich erstreckt sich von der Rem-brandtstraße bis zur Max-Klinger-Straße, dann folgt der „lange Teil“, der bis zur Leistikowstraße reicht. Weiter geht es mit dem „kurzen Teil“ bis hin zur Karl-Marx-Straße. Hinzu kommt noch der früher ganz zugeschüttete Bereich bis hin zur Feuerbachstraße. Alle Bereiche sind durch Brücken miteinander verbunden. Um das Biotop führt ein etwa 800 Meter langes Wegenetz.

Die Crux: 1989 stand das Gewässer kurz vor dem ökologischen Kollaps. Der Weiher wurde nicht mehr gepflegt. Hinzu kam, dass Bürger das Biotop als Deponie für Abfälle aller Art und für das Laub aus dem eigenen Garten nutzten. Es drohte eine Verlandung und ein Umkippen des Wassers.

Am 28. Januar 1992 gründete sich deswegen eine Bürgerinitiative. Ziel war es, den Weiher zu säubern, zu renaturieren und den ursprünglichen Zustand wieder herzustellen. In den letzten 20 Jahren wurden von den Mitgliedern und Helfern der Initiative sage und schreibe 9.117 Arbeitsstunden investiert. Kein Wunder, dass die Falkenseer stolz auf die eigene Arbeitsleistung und das Erreichte sind – und beim Lindenweiherfest einmal nur an das Feiern denken.

 

Heute präsentiert sich der Lindenweiher als perfekt aufgestelltes biologisches Biotop und friedliches Naherholungsgebiet. Dieter Rach: „Die hier anzutreffende Vielfalt an seltenen Tieren und Pflanzen ist in einem Stadtgebiet mit geschlossener Bebauung als sehr außergewöhnlich und daher erhaltenswert anzusehen. Einige der hier anzutreffenden Tier- und Pflanzenarten gelten nach der Bundesartenschutzverordnung als vom Aussterben bedroht und stehen auch auf der Roten Liste des Landes Brandenburg. Dazu zählen bei den Tieren u.a. der Eisvogel, der Uhu, der Teichmolch, der Grasfrosch und die Ringelnatter. Ähnlich verhält es sich bei den 226 nachgewiesenen Pflanzenarten, von denen rund 50 Arten einer Gefährdungskategorie zuzuordnen sind, darunter einige für Brandenburg stark gefährdete Arten. Zu nennen sind hier vor allem einige Orchideenarten wie z.B. das Rote Waldvögelein.“

Fotos: Babette Menge

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