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22.12.2016

Dallgow-Döberitz: Unsere Heuschrecken

Raimund Klatt (48) ist Biologie- und Chemielehrer in Potsdam. Auch in seiner Freizeit lässt ihn das Thema nicht los. Er gilt als Experte für Kurz- und Langfühlerschrecken – eben für all die Sechsbeiner im Gras der Wiesen, die der Volksmund als „Grashüpfer“ bezeichnet.

Über das Thema hat der Lehrer sogar promoviert, zurzeit arbeitet er mit Kollegen an einer neuen Roten Liste der Schrecken für Berlin und Brandenburg. Oft ist der Experte auch in der einzigartigen Naturlandschaft der Döberitzer Heide unterwegs – die sandigen Offenflächen des ehemaligen Truppenübungsplatzes sind ideal für einige seltene Arten, die sich hier angesiedelt haben. Um sein Wissen weiterzugeben, lädt der Biologe im Auftrag der Sielmann-Stiftung zu Führungen durch das Gelände ein.

Mit einem kleinen Gerät in der Hand läuft Raimund Klatt durch das Gelände der Döberitzer Heide. Dabei muss er die Wege nicht einmal verlassen, um einzelne Arten zu bestimmen. Der kleine Kasten verstärkt das Gezirpe der Hüpfer auch im nicht-hörbaren Bereich und erlaubt es dem Experten auf diese Weise, in die Wiese hineinzulauschen: „Hier hören wir gerade Rösels Beißschrecke. Natürlich kann ich die einzelnen Arten auch optisch voneinander unterscheiden. Der Gesang der Tiere ist aber so einzigartig, dass eine Unterscheidung der Arten so besonders leicht fällt. Ich komme auch aus der Ornithologie – und da achtet man ja auch auf die Gesänge. Und es gibt sogar Arten wie etwa den ‚verkannten Grashüpfer‘, die man nur akustisch voneinander unterscheiden kann.“

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Auf diese Weise findet der Potsdamer Lehrer viele interessante Tiere in der Döberitzer Heide. So etwa einen Warzenbeißer (Foto oben). Die daumenlange Langfühlerschrecke ist das Pitbull-Äquivalent zu unserem doch bekannteren Heupferd. Klatt: „Früher hat man die Warzenbeißer am Rückenschild gegriffen, worauf sie sofort die Kiefer aufsperren und kraftvoll zubeißen. Man hat sie in Warzen beißen lassen, die dann vom hochgewürgten Magensaft verätzt und so beseitigt wurden.“

Recht selten in Deutschland ist auch die Blauflügelige Ödlandschrecke (Foto Mitte), die es gern warm, trocken und vegatationsarm mag. In der Döberitzer Heide sitzen die perfekt getarnten Tiere mitten auf dem Weg – und sind erst zu erkennen, wenn sie wegfliegen. Dann zeigen sie tiefblau gefärbte Flügel, sodass man ihren Flug sehr gut verfolgen kann. Ist diese blaue Farbe nicht ein Nachteil, weil Vögel die Tiere so besser aufspüren können? Raimund Klatt: „Ich vermute, dass die blauen Flügel bei der Partnersuche eine Rolle spielen. Ein sattes Blau kann dem Partner so etwa ein besonders gesundes Tier signalisieren, das für die Paarung bestens geeignet ist.“

37 Arten von Lang- und Kurzfühlerschrecken gibt es übrigens in der Döberitzer Heide. 65 Arten kommen insgesamt in Brandenburg vor, 80 bis 85 sind es in ganz Deutschland. (Fotos: / Text: CS)

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