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01.01.2017

Falkensee-Interview Ende 2016: Heiko Müller

Das Jahr 2016 neigt sich dem Ende zu. Traditionell bitten wir den Bürgermeister von Falkensee – Heiko Müller – zum Interview, um die vergangenen Monate noch einmal gemeinsam Revue passieren zu lassen.

Aufgewachsen in Falkensee: Wie hat sich der Ort für Sie persönlich in den letzten 30 Jahren verändert?

Die dynamische Entwicklung der damaligen Dörfer Seegefeld und Falkenhagen seit etwa 1900 und später der Landgemeinde Falkensee basierte auf der günstigen Lage am Rande der Großstadt Berlin. Diese Entwicklung kam durch Krieg und vor allem durch die Abtrennung von Berlin durch den Mauerbau quasi zum Erliegen. Mit dem Fall der Mauer im Jahr 1989 ist alles wieder „normal“ geworden. Wie in einem Zeitraffer wurde eine Entwicklung, die eigentlich über Jahrzehnte erfolgt wäre, in wenigen Jahren nachgeholt. Tausende Baugrundstücke, die wegen der „Westeigentümer“ zu DDR-Zeiten nicht bebaut werden konnten, wurden nun bebaut. Damit hat sich Falkensee natürlich gravierend verändert. Aber der Fall der Mauer war das, was wir uns gewünscht haben.

Die neue Stadthalle mit ihren vielen Veranstaltungen sorgt dafür, dass man für Konzerte und andere Events nicht mehr nach Berlin fahren muss. Wie ist Ihre Einschätzung zum ersten Jahr Stadthalle?

Das erste Jahr der Stadthalle ist ja noch nicht vorbei. Aber schon jetzt können wir sagen, dass die vielen und vor allem vielfältigen Veranstaltungen in der Stadthalle unsere Kultur und den Sport in Falkensee erkennbar bereichern. Die Anzahl der Veranstaltungen macht auch deutlich, dass der Bau einer „Zwillingshalle“ die richtige Entscheidung war. Sport- und Kulturveranstaltungen können dadurch parallel erfolgen und behindern sich nicht gegenseitig. Natürlich läuft noch nicht alles rund. Trotz Plakaten, Programmheften, der Internetseite www.stadthalle-falkensee.de und vielen anderen Werbeplattformen erzählen mir zu oft Leute, dass sie ja von einer Veranstaltung nichts gewusst haben, sonst wären sie auch gekommen. Daran müssen wir arbeiten. Auch in den Bereichen Technik und Organisation gibt es noch einiges zu lernen. Mir haben Fachleute gesagt, dass man zwei Jahre braucht, um alle „Kinderkrankheiten“ im Griff zu haben.

Stadtfest, Stadthalle, Sport-Events und jede Menge Künstler-Märkte. Dazwischen von früh bis spät spannende Termine im Ort: Kann man das Unwort von der Schlafstadt Falkensee langsam zu den Akten legen?

Ich ärgere mich immer, wenn jemand das Wort „Schlafstadt“ benutzt. In Falkensee gibt es so viele kreative und aktive Leute und so vielfältige Angebote nicht nur in unseren Einrichtungen, sondern auch in der Bürgerschaft. Die meisten Falkenseerinnen und Falkenseer verbringen ihre Freizeit, die Wochenenden und oft auch den Urlaub in der Stadt und in ihren Gärten. Unterdessen glaube ich, dass die Einschätzung „Schlafstadt“ auch immer etwas mit der eigenen Einstellung zu tun hat. Wer nirgends mitmacht und sein eigenes Leben auf Arbeit und Schlafen reduziert, hat mit „Schlafstadt“ sicher recht. Unabhängig davon wollen wir natürlich die Bildungs-, Freizeit-, Kultur-, Spiel- und Sportangebote und vieles mehr in Falkensee weiter ausbauen. Wir sind nicht „fertig“, sondern auf dem Weg.

Die dunkle Jahreszeit beginnt, die Polizeimeldungen von den Hauseinbrüchen häufen sich. Wie zufrieden sind Sie mit der Sicherheit in Falkensee? Was ist gut, was muss noch getan werden?

Jeder Einbruch ist ein Einbruch zu viel, jede Straftat ist eine Straftat zu viel. Deswegen wird wohl niemand mit der Situation „zufrieden“ sein. Die Zunahme der Einbruchskriminalität in der dunklen Jahreszeit ist seit Jahren festzustellen. Das betrifft allerdings auch viele andere Städte und Gemeinden. Der Landkreis und die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sind dazu auch mit unseren Ordnungsämtern in engem Kontakt zur Polizei. Die Zusammenarbeit ist gut. Allerdings wird es nicht gelingen, in unseren weiträumigen Siedlungen den Kontrolldruck so weit zu erhöhen, dass keine Einbruchsversuche mehr stattfinden. Ich würde mir wünschen, dass noch mehr Hauseigentümer und Mieter bauliche und technische Möglichkeiten nutzen, um ihre Wohnungen zu schützen.

Bürgerbeteiligung ist das Zauberwort der Stunde. Wie definieren Sie das? Wo sehen Sie, dass Bürgerbeteiligung bereits erfolgt?

Ob „Bürgerbeteiligung“ ein Zauberwort ist, kann ich nicht einschätzen. In Falkensee gibt es jedenfalls bereits eine breite Bürgerbeteiligung. Auf unserer Internetseite haben wir dazu Informationen bereitgestellt und wir bereiten gerade auch einen Informationsflyer zur Bürgerbeteiligung vor. Hin und wieder wird Bürgerbeteiligung allerdings leider auch negativ wahrgenommen. Wenn beispielsweise die Anlieger einer zu bauenden Straße gegen einen Gehweg votieren und sich die Stadtverordnetenversammlung dann doch für einen Gehweg entscheidet, empfinden das die Anlieger oft als Missachtung der Bürgerbeteiligung. Der Seniorenbeirat und der Behindertenbeirat – die auch Bausteine der Bürgerbeteiligung sind – begrüßen dagegen die Entscheidung der SVV. Insofern ist das Ergebnis der Bürgerbeteiligung meistens nicht die Entscheidung selbst, sondern ein Beitrag zur Entscheidungsfindung der Stadtverordnetenversammlung.

Das SeeCarré soll kommen, in der Bahnhofstraße wird bereits eifrig gebaut, auch am Kreisverkehr an der Spandauer Straße soll Großes entstehen. Wie werden diese Neubauten Falkensee verändern?

Die Einwohnerschaft von Falkensee ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Deswegen musste sich die Infrastruktur der Stadt in den letzten Jahren auch verändern und muss sich weiter entwickeln. Zur Infrastruktur gehören die Straßen einschließlich der Fahrrad- und Gehwegangebote, die Angebote von Bahn und Bus, die Bildungsinfrastruktur als auch Einkaufsmöglichkeiten, Dienstleistungsangebote, Ärzte und vieles mehr. In so einer schnell wachsenden Stadt wird es immer einen Wettlauf zwischen der Nachfrage und dem Angebot geben. Mir ist eine solche Stadt aber lieber, als eine Stadt, in der sich nichts mehr entwickelt.

Die Bewohner werden mehr, der Verkehr auch. Droht Falkensee der Verkehrsinfarkt? Schon jetzt steht der Verkehr in manchen Straßen zeitweise still.

Auf den Hauptstraßen wird es enger. Das betrifft aber vor allem die Landesstraßen L20 und L201 und den Bereich im Zentrum von Falkensee im Bereich zwischen Potsdamer Straße und Bahnhofstraße. Die Baumaßnahmen an den Landesstraßen haben mit dem Kreisverkehr und der Spandauer Straße begonnen. Die Planung für den verbleibenden Bereich bis zur Landesgrenze Berlin ist in vollem Gange. Auch mit Berlin werden dazu Gespräche geführt. Für den Zentrumsbereich sind die notwendigen Planungen beauftragt. Die beiden Kreisverkehre an der Schwartzkopffstraße und der Kreisverkehr Poststraße/Bahnhofstraße werden die Situation deutlich verbessern. Ungelöst bleibt die Situation an der Rathauskreuzung. Die Zunahme des Verkehrs aus Richtung Autobahn und Brieselang, aus Richtung Schönwalde und natürlich der Verkehr in Falkensee selbst werden hier zu einem gravierenden Problem werden. Die Durchbindung des Havelländer Wegs Richtung Schönwalde sollte möglichst schnell entschieden werden. Entlastung könnte vor allem auch die Nordumfahrung bringen. Aber, ob die kommt und wann…

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Das Falkenseer Hallenbad war Wahlkampfthema. Wie soll es damit weitergehen?

Die beauftragte Konzeptstudie zum Hallenbad in Falkensee ist unter Begleitung einer Steuerungsgruppe weitgehend abgeschlossen. In den Haushaltsentwurf haben wir die finanziellen Mittel für die nächsten Planungsschritte eingestellt – eine Million Euro.

Nächstes Jahr soll die SVV aus Sicht der Verwaltung die notwendigen Entscheidungen zum Standort und zu den einzelnen Funktionen des Hallenbades treffen. Dazu wird es noch eine Bürgerbeteiligung geben. Wir beabsichtigen, in den Haushaltsentwurf 2018 die Haushaltsmittel für den Bau einzustellen. Ich hoffe auf eine gleichbleibende Unterstützung aus der Bevölkerung, um tatsächlich bald in Falkensee in ein Hallenbad gehen zu können.

Was ist für Sie die schönste Ecke in Falkensee – und welcher Schandfleck muss dringend weg?

Es gab ja tatsächlich mehrere Stellen in Falkensee, die man schon als „Schandfleck“ bezeichnen konnte. Einige davon – wie z.B. die alte Kaufhalle in der Bahnhofstraße – sind jetzt Geschichte. Es gibt aber auch noch Grundstücke im Zentrum, die so nicht bleiben können. Beispielsweise das Grundstück in der Poststraße gegenüber dem Bürgeramt sieht einfach nur schlimm aus.
Schöne Ecken gibt es in Falkensee mehr, als man aufzählen kann. Mir gefallen die Bereiche mit Gewässern immer besonders gut. Ob Lindenweiher oder Falkenhagener See – hier kann man sich die Hektik des Alltags oder der Metropole Berlin kaum noch vorstellen.

Wie hat Falkensee die erste Flüchtlingswelle 2016 in Ihren Augen überstanden?

Die Falkenseer Bürgerschaft hat gezeigt, dass sie ein Herz für die Sorgen und Nöte von anderen Menschen hat. Mit der „Willkommensinitiative“ haben sich spontan viele aktive Helferinnen und Helfer gefunden, die zunächst die freundliche Aufnahme der Flüchtlinge vorbereitet und dann mit vielfältigen Angeboten eine Willkommenskultur gestaltet haben.
Der durch die Stadtverwaltung eingerichtete „Runde Tisch“ hat die Unterbringung der Flüchtlinge in Falkensee begleitet. Alle Beteiligten haben dazu beigetragen, dass die „Flüchtlingswelle“ in Falkensee erfolgreich gemeistert wurde.

Welche Entwicklung in Falkensee fanden Sie 2016 ganz toll und welche ganz schlecht? Und warum ist das so?

Die Eröffnung der neuen Stadthalle ist für mich das herausragende Ereignis des Jahres 2016. Die Zunahme der Wildschweine in Falkensee ist dagegen eine ärgerliche Entwicklung. (Foto: Stadt Falkensee)

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