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01.01.2017

Scheibes Kolumne: Für das leibliche Wohl ist gesorgt!

Die lokale Berichterstattung macht Journalisten, die nach Höherem streben, wirklich Bauchschmerzen. Anstatt Verschwörungen aufzudecken, die vom Kreml bis ins Weiße Haus reichen, spüren sie den ganzen Tag dem Verein der Kaninchen-Züchter hinterher, schauen kleinen Kindern bei der Show-Vorführung ihres Sportvereins zu, interviewen kreative Muttis mit einem Atelier im Keller ihres Einfamilienhauses und schauen dem Bürgermeister auf die Finger, wie er hoffentlich erfolgreich einen Zapfhahn in das neue Bierfass zur Eröffnung eines Wasauchimmer schlägt.

Tatsache ist: Ich liebe den Lokal-Journalismus. Da, wo andere ihre Karriere beginnen, beende ich meine. Im eigenen Kiez und Klüngel liegen die neuesten Nachrichten auf der Straße, es passiert ständig etwas Neues und man lernt täglich tolle Leute kennen. Dabei brennen die Leser für den Lesestoff aus der Nachbarschaft, weil es viel zu wenig Medien gibt, die dem hyperlokalen Affen Zucker geben. Da ist es für den Leser leichter, der großen Weltpolitik zu folgen, als zu erfahren, welche neuen Läden in der direkten Umgebung neu aufgemacht haben.

Aber trotzdem – eins geht einfach nicht. Der Lokal-Journalismus hat in den letzten Jahrzehnten ein paar Floskeln und fiese Worthülsen so penetrant oft verwendet, dass sie für den Nachwuchs allmählich wie in Stein gemeißelt erscheinen. Dabei gehören diese Begriffe ein für alle Mal auf den großen Wortsondermüll der Schreiberlinge. Lassen Sie mich ein paar Beispiele der lokalen Buchstabenverschwendung präsentieren, die bei uns nur zum Einsatz kommen, wenn der Autor für ihre Verwendung 5 Euro ins Floskel-Sparschwein wirft.

Wenn ein klassischer Lokalreporter von einer Veranstaltung schreibt, dann ist sie „gut besucht“. Beim Theaterspiel „blieb kein Auge trocken“. Die Schauspieler „zeigten ihre Künste“, was „viel Anklang fand“. Das führte dann doch wieder dazu: „Die Organisatoren zeigten sich zufrieden“. Und warum wohl? „Die Veranstaltung war bis auf den letzten Platz besetzt.“

Geht es nach draußen, etwa hin zu einem Stadtfest, so muss zunächst das Wetter gewürdigt werden, das bringt auch wieder ein paar Zeilen Text. „Petrus zeigte sich gnädig“, heißt es da. Wenn das Wetter richtig eskaliert und Mallorca-Temperaturen annimmt, dann fabulieren die Schreiberlinge vom „strahlend blauen Himmel“, danken „dem Wettergott“ und schreiben: „Auch das Wetter spielte mit“. Regen spielt im Journalismus keine Rolle, denn alle Besucher unter freiem Himmel sind harte, wasserfeste Hunde: „Das Wetter konnte die Stimmung vor Ort nicht trüben.“

Der Journalist lebt vom Essen. Meist suchen sich die Autoren die Presseveranstaltungen danach aus, wie umfangreich im Vorfeld das passend dazu angebotene Büffet angepriesen wird. Deswegen darf auch in keinem Artikel fehlen: „für das leibliche Wohl war gesorgt“.

Emotionen dürfen auch in keinem Artikel fehlen. Da geben interviewte Personen nicht einfach eine Antwort. Nein, so geht das: „Schmunzelnd gibt der Maler zu“. Ich habe bei einem Interview noch nie jemanden schmunzeln gesehen. Stattdessen höre ich immer einen Satz, der in keinem Artikel auftaucht: „Das dürfen Sie jetzt aber nicht schreiben, was ich Ihnen jetzt sage.“

Zum Abschluss: Man muss diesen klassischen Lokalredaktions-Schreibstil nicht mögen (und wir versuchen es ja anders zu machen). Aber man kann ihn lernen. Dann klingt das etwa so: „Der in der Region verwurzelte Verein Kaninchenzucht-Hoppelpfote e.V. lud bei bestem Wetter in seine idyllische Gartenlaube im Grünen ein. Halb Falkensee war auf den Beinen, um dem sympathischen 1. Vorsitzenden bei seiner emotionalen Rede über die Neuzucht des Grauen Rübenzahnmümmlers zuzuhören. Das Team begeisterte auch mit einem üppigen Angebot an Speis und Trank: ein wahrlich schöner Nachmittag.“ (Carsten Scheibe, Foto: Tanja M. Marotzke)

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