Anzeigenzeitung für Falkensee, Schönwalde, Brieselang & Dallgow-Döberitz - 03322-5008-0 - info@falkenseeaktuell.de

01.01.2017

Scheibes Kolumne: Für das leibliche Wohl ist gesorgt!

Die lokale Berichterstattung macht Journalisten, die nach Höherem streben, wirklich Bauchschmerzen. Anstatt Verschwörungen aufzudecken, die vom Kreml bis ins Weiße Haus reichen, spüren sie den ganzen Tag dem Verein der Kaninchen-Züchter hinterher, schauen kleinen Kindern bei der Show-Vorführung ihres Sportvereins zu, interviewen kreative Muttis mit einem Atelier im Keller ihres Einfamilienhauses und schauen dem Bürgermeister auf die Finger, wie er hoffentlich erfolgreich einen Zapfhahn in das neue Bierfass zur Eröffnung eines Wasauchimmer schlägt.

Tatsache ist: Ich liebe den Lokal-Journalismus. Da, wo andere ihre Karriere beginnen, beende ich meine. Im eigenen Kiez und Klüngel liegen die neuesten Nachrichten auf der Straße, es passiert ständig etwas Neues und man lernt täglich tolle Leute kennen. Dabei brennen die Leser für den Lesestoff aus der Nachbarschaft, weil es viel zu wenig Medien gibt, die dem hyperlokalen Affen Zucker geben. Da ist es für den Leser leichter, der großen Weltpolitik zu folgen, als zu erfahren, welche neuen Läden in der direkten Umgebung neu aufgemacht haben.

Aber trotzdem – eins geht einfach nicht. Der Lokal-Journalismus hat in den letzten Jahrzehnten ein paar Floskeln und fiese Worthülsen so penetrant oft verwendet, dass sie für den Nachwuchs allmählich wie in Stein gemeißelt erscheinen. Dabei gehören diese Begriffe ein für alle Mal auf den großen Wortsondermüll der Schreiberlinge. Lassen Sie mich ein paar Beispiele der lokalen Buchstabenverschwendung präsentieren, die bei uns nur zum Einsatz kommen, wenn der Autor für ihre Verwendung 5 Euro ins Floskel-Sparschwein wirft.

Wenn ein klassischer Lokalreporter von einer Veranstaltung schreibt, dann ist sie „gut besucht“. Beim Theaterspiel „blieb kein Auge trocken“. Die Schauspieler „zeigten ihre Künste“, was „viel Anklang fand“. Das führte dann doch wieder dazu: „Die Organisatoren zeigten sich zufrieden“. Und warum wohl? „Die Veranstaltung war bis auf den letzten Platz besetzt.“

Geht es nach draußen, etwa hin zu einem Stadtfest, so muss zunächst das Wetter gewürdigt werden, das bringt auch wieder ein paar Zeilen Text. „Petrus zeigte sich gnädig“, heißt es da. Wenn das Wetter richtig eskaliert und Mallorca-Temperaturen annimmt, dann fabulieren die Schreiberlinge vom „strahlend blauen Himmel“, danken „dem Wettergott“ und schreiben: „Auch das Wetter spielte mit“. Regen spielt im Journalismus keine Rolle, denn alle Besucher unter freiem Himmel sind harte, wasserfeste Hunde: „Das Wetter konnte die Stimmung vor Ort nicht trüben.“

Der Journalist lebt vom Essen. Meist suchen sich die Autoren die Presseveranstaltungen danach aus, wie umfangreich im Vorfeld das passend dazu angebotene Büffet angepriesen wird. Deswegen darf auch in keinem Artikel fehlen: „für das leibliche Wohl war gesorgt“.

Emotionen dürfen auch in keinem Artikel fehlen. Da geben interviewte Personen nicht einfach eine Antwort. Nein, so geht das: „Schmunzelnd gibt der Maler zu“. Ich habe bei einem Interview noch nie jemanden schmunzeln gesehen. Stattdessen höre ich immer einen Satz, der in keinem Artikel auftaucht: „Das dürfen Sie jetzt aber nicht schreiben, was ich Ihnen jetzt sage.“

Zum Abschluss: Man muss diesen klassischen Lokalredaktions-Schreibstil nicht mögen (und wir versuchen es ja anders zu machen). Aber man kann ihn lernen. Dann klingt das etwa so: „Der in der Region verwurzelte Verein Kaninchenzucht-Hoppelpfote e.V. lud bei bestem Wetter in seine idyllische Gartenlaube im Grünen ein. Halb Falkensee war auf den Beinen, um dem sympathischen 1. Vorsitzenden bei seiner emotionalen Rede über die Neuzucht des Grauen Rübenzahnmümmlers zuzuhören. Das Team begeisterte auch mit einem üppigen Angebot an Speis und Trank: ein wahrlich schöner Nachmittag.“ (Carsten Scheibe, Foto: Tanja M. Marotzke)

Seitenaufrufe: 49

Zum Thema passende Artikel

25.08.2017

Scheibes Kolumne: Angriff der Killerschnecken

Ich habe leider keinen Grünen Daumen. Pflanzen tendieren in meiner Nähe zum selbstgewählten Freitod, ganz egal, wie viel Licht, Wasser und Dünger zur Verfügung steht. Ich nehme das längst nicht mehr persönlich. Es ist sicherlich die vegane Rache für meinen Spruch im Biologiestudium, dass Botanik die Lehre vom Tierfutter ist. mehr…

25.08.2017

12 Antworten von … Mathias Rehfeld

Mathias Rehfeld (28) stammt aus Neuruppin und lebt seit 2014 in Falkensee. Gemeinsam mit Stefanie Grothe (28), die in Falkensee aufgewachsen ist, betreibt er das „webdesignbüro” in der Bahnhofstraße neben dem Schrääg rüber, um für die lokalen Firmen eine Homepage oder einen Facebook-Auftritt zu konzipieren. mehr…

Anzeige

25.08.2017

12 Antworten von … Andreas Kohn

Ich bin 1963 als Andreas Kohn auf die Welt gekommen. Seit über 20 Jahren arbeite und seit 10 Jahren lebe ich jetzt in Falkensee. Für mich hat in Falkensee alles bei Foto Radio Wegert in der Poststraße angefangen, wo ich zunächst einmal in der Woche einen Kollegen vertreten habe. Später habe ich das Geschäft neun Jahre lang als Filialleiter geführt. mehr…

01.08.2017

Scheibes Kolumne: Schock an der Supermarktkasse

Letztens stand ich an der Kasse meines bevorzugten Supermarktes an und wuchtete die Einkäufe auf das Band. Dabei wanderte mein Blick über die Auslagen an der Kasse, vornehmlich über das bunte Kaugummiangebot. Und dann erschrak ich. Heftig. Denn auf Augenhöhe blickte mir plötzlich Freddy Krueger entgegen, der entstellte Killer aus dem Horrorfilm „Nightmare on Elm Street“. mehr…

31.07.2017

Who is Who in der Region (30) – Udo Appenzeller (Falkensee)

Wer ist eigentlich …? Unser „Who is Who“ möchte die besonderen Personen in unserer Stadt kurz vorstellen und sie so der Bevölkerung noch näher bringen. Udo Appenzeller (65) ist Abgeordneter im Kreistag Havelland, Stadtjäger in Falkensee und Vorsitzender im Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr von Falkensee. mehr…

31.07.2017

12 Antworten von … Ofra Moustakis

Ich lebe eigentlich schon immer in Falkensee. Nach der Wende habe ich mich in vielen Dingen ausprobiert und fast nebenbei vor 28 Jahren mein Tanzstudio Tausendundeine Nacht aufgebaut, das inzwischen auch Yogastudio ist. Das Studio heißt nun *1001 Asana*. Asana bezeichnet im Indischen übrigens die einzelne Yoga-Übung. Wann immer es geht, verbringe ich gern Zeit in Griechenland an meinem zweiten Wohnsitz. mehr…

31.07.2017

Scheibes Kolumne: Es kribbelt in der Nase …

Fröhlich tanze ich durch den Winter. Bei Schneegriesel, Minustemperaturen und frostigem Wind wird allenfalls die Nase rot. Grippale Infekte meiden mich aber wie die Pest: Die Atemwege bleiben frei. Ganz anders sieht der Fall aus, wenn die Temperaturen steigen und die Natur wieder erwacht. mehr…

30.07.2017

Who is Who in der Region (29) – Hans-Peter Pohl (Falkensee)

Wer ist eigentlich …? Unser „Who is Who“ möchte die besonderen Personen in unserer Stadt kurz vorstellen und sie so der Bevölkerung noch näher bringen. Hans-Peter Pohl (62) ist Mitglied der Falkenseer SVV und hier auch als Leiter des Ausschusses Stadtentwicklung tätig. mehr…

30.07.2017

12 Antworten von … Juliane Kühnemund

Juliane Kühnemund (45) wurde in Konstanz geboren und ist in Freudenstadt im Schwarzwald aufgewachsen. Nach dem Abitur zog es sie erstmal nach Nürnberg, wo sie sich mit allerlei Nebenjobs über Wasser hielt: „Teilweise hatte ich bis zu vier Jobs gleichzeitig: … mehr…

30.07.2017

Scheibes Kolumne: 50 Jahre im Sauseschritt

Alles im Leben hat seine Zeit. Der Autor dieser Kolumne ist gerade 50 Jahre alt geworden, die Hälfte des Lebens ist also vorbei. Mitleidig fragen Freunde: Und, war‘s schlimm? Nein, es hat gar nicht wehgetan. Es ist nur ein weiterer Schritt auf der Leiter der Erkenntnis, dass man nur einmal lebt. Wenn man das aber richtig macht, dann reicht das ja auch. mehr…

30.07.2017

Who is Who in der Region (28) – Michael Richter-Kempin (Falkensee)

Wer ist eigentlich …? Unser „Who is Who“ möchte die besonderen Personen in unserer Stadt kurz vorstellen und sie so der Bevölkerung noch näher bringen. Michael Richter-Kempin (68) ist Mitbegründer vom Falkenseer Bündnis gegen Rechts und Mitglied der Falkenseer SVV. mehr…

30.07.2017

12 Antworten von … Bauleiter Willi

Matthias Wilke (46) ist „Bauleiter Willi“. In der kabel eins Sendung „Rosins Restaurants“ bringt der Bauexperte schlecht laufende Restaurants rein optisch wieder auf Kurs. Unter dem Namen Willi-Wood (www.willi-wood.de) vermarktet er selbstgebaute Camping-Küchen und urige Hundehütten. mehr…

30.07.2017

Scheibes Kolumne: Heute schon geschwurbelt?

Letztens nahm mich ein ganz patent wirkender Mann beiseite und fragte mich ganz freundlich, ob mir das denn keine Sorge bereiten würde, dass wir immer noch keinen offiziellen Friedensvertrag im Lande hätten. Die Bundesrepublik Deutschland gäbe es ja eigentlich gar nicht und offiziell würden wir ja noch immer der Weimarer Reichsverfassung folgen, … mehr…

30.07.2017

Who is Who in der Region (27): Ingo Wellmann (Falkensee)

Wer ist eigentlich …? Unser „Who is Who“ möchte die besonderen Personen in unserer Stadt kurz vorstellen und sie so der Bevölkerung noch näher bringen. Ingo Wellmann (64) ist diplomierter Bildhauer und Leiter vom Creativen Zentrum Haus am Anger. mehr…

30.07.2017

12 Antworten von … Ute Lagodka

Ute Lagodka (55) ist (zusammen mit Steffen Krebs) Geschäftsführerin vom Erlebnispark Paaren (MAFZ) in Schönwalde-Glien. Im Erlebnispark finden das ganze Jahr über viele große Events wie die Brandenburgische Landwirtschaftsaustellung (BraLa), der Pferdesommer oder die Brandenburgischen Kreativtage statt. Ute Lagodka lebt in Falkensee. mehr…

13.07.2017

Scheibes Kolumne: Ich habe Futterneid!

Schlechte Charaktereigenschaften gibt es zur Genüge. Der eine flucht im Auto, der andere drängelt sich in jeder Schlange vor. Manche trinken gern einen über den Durst und werden dann aggressiv. Oder sie reden zu laut, kommen einem zu nahe, sind Angeber oder popeln in der Öffentlichkeit. mehr…

12.07.2017

Who is Who in der Region (26) – Ursula Nonnemacher (Falkensee)

Wer ist eigentlich …? Unser „Who is Who“ möchte die besonderen Personen in unserer Stadt kurz vorstellen und sie so der Bevölkerung noch näher bringen. Ursula Nonnemacher (59) wirkt als Fraktionsvorsitzende der Grünen/ABü in der Falkenseer Stadtverordnetenversammlung (SVV). Seit 2009 ist sie für die Grünen auch Abgeordnete im Landtag von Brandenburg. mehr…

12.07.2017

12 Antworten von … Amid Jabbour

Amid Jabbour (46) setzt sich in der SVV für echte Bürgerbeteiligung und einen kostengünstigeren Anliegerstraßenbau in Falkensee ein. Er fordert mehr und bessere Krippen- und KiTa-Angebote der Stadt. Der gebürtige Weimarer ist Vater von zwei Kindern und seit 2010 Falkenseer. mehr…

12.07.2017

Scheibes Kolumne: Schule einmal ganz anders!

Letztens habe ich geträumt, ich bin wieder in der Schule. Im Werner-von-Siemens-Gymnasium in Berlin. Nichts hat sich im Traum geändert in den über 30 Jahren, die ich nach dem Abitur schon hinter mich gebracht habe. Nur ist bei meinem erneuten Schulbesuch plötzlich alles anders. mehr…

08.02.2017

Who is Who in der Region (25) – Axel Szigat (Falkensee)

Wer ist eigentlich …? Unser „Who is Who“ möchte die besonderen Personen in unserer Stadt kurz vorstellen und sie so der Bevölkerung noch näher bringen. Axel Szigat (58) ist Berufsmusiker. Ganz egal, ob Vatertag im schrääg, Oktoberfest bei schräädecke, Kartoffelfest im Hofladen oder Jubiläum im Kronprinz: Axel Szigat (www.axelsmusik.de) war mit seiner Band immer mit dabei und sorgt für gute Stimmung. mehr…

08.02.2017

12 Antworten von René Wehland (Falkensee)

René Wehland (36) stammt aus Erkner und ist vor acht Jahren nach Falkensee gezogen. Hier betreibt er zusammen mit Janina Stark-Wietzoreck die Firma Starkland Personaldienstleistung (www.starkland-personal.de), die sich für die Zeitarbeit stark macht. mehr…

01.01.2017

Scheibes Kolumne: Für das leibliche Wohl ist gesorgt!

Die lokale Berichterstattung macht Journalisten, die nach Höherem streben, wirklich Bauchschmerzen. Anstatt Verschwörungen aufzudecken, die vom Kreml bis ins Weiße Haus reichen, spüren sie den ganzen Tag dem Verein der Kaninchen-Züchter hinterher, schauen kleinen Kindern bei der Show-Vorführung ihres Sportvereins zu, interviewen kreative Muttis mit einem Atelier im Keller ihres Einfamilienhauses und schauen dem Bürgermeister auf die Finger, wie er hoffentlich erfolgreich einen Zapfhahn in das neue Bierfass zur Eröffnung eines Wasauchimmer schlägt. mehr…

Anzeige

Unsere Schwestern­zeitung

ZEHLENDORF.aktuell

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Anzeige