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01.08.2017

Gefährliche Keime im Krankenhaus?

Angelika Hoffmann ist die Leitende Hygienefachkraft in den Havelland Kliniken in Nauen (www.havelland-kliniken.de). Zusammen mit ihrem Team hat sie eine ganz konkrete Aufgabe: „Wir passen auf, dass die Patienten bei uns nicht kränker werden, als sie es vorher schon waren.“ (ANZEIGE)

Besonders wichtig ist dabei, dass Keime aller Art nicht von einem Patienten auf einen anderen überwechseln können.

Angelika Hoffmann: „Ganz besonders haben wir hier die multiresistenten Keime im Auge, die oft gleich gegen mehrere Antibiotika immun sind und die deswegen sehr schwierig zu bekämpfen sind. Viele Patienten denken, dass diese Keime per se im Krankenhaus lauern, weil nicht gut genug geputzt wird. Das stimmt aber nicht. Viele Patienten bringen diese Keime mit und verbreiten diese dann in ihrer Umgebung.“

Um das zu verhindern, gibt es im Krankenhaus seit dem Jahr 2011 ein Screening. Neu aufgenommene Patienten, die einer genau definierten Risikogruppe angehören, werden bereits bei ihrer Aufnahme auf multiresistente Keime hin untersucht und bei einem positiven Befund sofort isoliert. Zu einer solchen Risikogruppe gehört man etwa dann, wenn man im letzten halben Jahr häufig im Krankenhaus behandelt wurde, schon mit Antibiotika therapiert wurde, chronisch erkrankt ist oder in der Landwirtschaft arbeitet.

Angelika Hoffmann: „Oft sind diese Patienten kolonialisiert. Sie tragen den multiresistenten Erreger etwa in der Nase, ohne dass er dort einen Schaden anrichtet. Aber wehe, wenn er in eine offene Wunde gelangt. In einzelnen Fällen mussten in Deutschland bereits Amputationen angeordnet werden, um eine sich ausbreitende Wundinfektion einzudämmen und das Leben des Patienten zu retten.“

Die Hygieneexpertin verweist darauf, dass es noch Länder in Europa gibt, in denen Antibiotikapräparate ohne Rezept in der Apotheke erhältlich sind, was zur Selbstmedikation verführt. Selbst die strengeren Regeln in Deutschland würden noch besser greifen, wenn die Hausärzte Antibiotika nur in Fällen ausgeben, bei denen feststeht, dass ein Infekt nicht von Viren ausgelöst wurde – denn hier helfen Antibiotika nicht. Wird eine Antibiotikagabe nicht ordnungsgemäß zu Ende geführt, können Bakterien Resistenzen ausbilden und diese mittels Genaustausch an andere Stämmen weitergeben. So züchtet man sich multiresistente Keime heran.

Hier unterscheidet der Experte übrigens die MRSA- und die MRGN-Keime voneinander. MRSA steht für „multiresistente Staphylococcus aureus“, benennt also ein einzelnes Bakterium. MRGN sind „multiresistente Gram-negative Keime“. Hier werden mehrere Bakterienstämme wie E.coli, Pseudonomas, Acetobacter und Klebsiella zusammengefasst.

In den Havelland Kliniken greift ein nach den gesetzlichen Vorgaben des Robert-Koch-Institutes selbst erstellter Hygieneplan, der ausgedruckt etwa einen Zentimeter dick ist. Er regelt genau, welche Regeln das medizinische Personal einzuhalten hat. Angelika Hoffmann: „Früher hat man mit Formaldehyd ganze Räume vernebelt oder geräumte Betten unter die UV-Lampe gelegt, um Keime abzutöten. Heute arbeitet man viel gezielter. Wir haben ein gutes Flächendesinfektionsmittel, das Viren, Pilze, Bakterien und sogar Sporen abtötet. Und unser Personal ist angehalten, sich vor und nach jedem Kontakt mit den Patienten, mit potenziell kontaminiertem Material oder mit patientennahen Oberflächen die Hände zu desinfizieren. Wie wichtig das ist, zeigen wir immer auf unserem Aktionstag ‚Saubere Hände‘. Hier berührt unser Personal sogenannte Abklatschplatten vor und nach einer Handdesinfektion – und ist immer wieder erstaunt, wie groß der Unterschied in der Anzahl potenziell gefährlicher Keime ist.“

Wichtig ist bei aller Umsicht: Bakterien sind nur im Ausnahmefall unsere Feinde. Angelika Hoffmann: „Drei Kilo unserer Körpermasse bestehen komplett aus Bakterien. Sie schützen unsere Haut vor Pilzinfektionen und schließen im Darm Vitamine für uns auf, ohne die wir nicht leben könnten.“

Keine Freundschaft gibt es aber mit den Viren. Insbesondere das Noro-Virus ist im Krankenhaus ein gefürchteter Gast, weil es eine sehr hohe Infektionsrate aufweist. (Text/Foto: CS)

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