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01.12.2007

Das fehlende Geschenk

weihMüde und etwas abgespannt war der Weihnachtsmann. Das war kein Wunder. Mit sei­nem Rentier-Schlitten hatte er gerade den Großraum Berlin bereist und war dabei über Te­gel fast mit einer Lufthansa-Maschine zusammengestoßen. Jetzt freute sich der Weih­nachtsmann auf seinen wohl­verdienten Feierabend. Nur noch die Kinder in Falken­see mussten alle beschenkt wer­den, dann hatte der Weih­nachtsmann für dieses Jahr seinen Job getan und konnte wieder zum Nordpol zurückkeh­ren.

Dort wartete ein pras­selndes Lagerfeuer auf ihn. In ei­nem gemütlichen Sessel sit­zend könnte er dann bestimmt seine verfrorenen Zehen an den Flammen wärmen.

So sehr träumte der Weih­nachtsmann vom gemütlichen Ausspannen bei im Feuer knac­kenden Holzscheiten, dass er ein wenig unachtsam wurde. So kurvte er zu schnell und zu scharf über die Turm­spitze der Dorfkirche hinter dem Haus am Anger hinweg. Die Spitze verhakte sich kurz in den Kufen des fliegenden Schlittens und rüttelte diesen or­dentlich durch.

Unbemerkt von den Rentie­ren und auch vom Weih­nachts­mann fiel ein einzelnes Ge­schenk aus dem Sack des Weihnachtsmannes auf den Schlitten, rutschte über das Holz und plumpste dann hi­nunter. Es landete mitten auf dem Dach der Kirche und ver­hakte sich hier – unsichtbar für alle Menschen im Ort. Auf dem rot eingewickelten Ge­schenk war mit der krakeligen Schrift des Weihnachtsman­nes ein Mädchenname ge­schrie­ben – Alexandra.

Nur wenig später landete der Weihnachtsmann auch schon auf dem Platz vor dem Angersee. Hier standen bereits eine ganze Menge kniehoher Elfen fröstelnd in der Kälte. Ih­re grünen Hosen und Jäck­chen waren viel zu dünn für das Winterwetter. Und auch die roten Mützen wärmten nicht wirklich. Bibbernd zeig­ten die Elfen auf den großen Sack mit den Geschenken. Na endlich.

Die Elfen waren mit der Regionalbahn aus Berlin nach Falkensee gekommen, am Her­litzbau ausgestiegen und den ganzen Weg bis hinauf zum Haus am Anger getippelt, so, dass niemand sie sehen konn­te. Nur ein paar Betrunkene aus dem Schrääg rüber hatten einen Elfen erblickt. Aber die sahen auch weiße Mäuse und wunderten sich nicht weiter. Die Elfen hatten übrigens mit der Bahn fahren müs­sen, weil sie nicht mehr mit auf den Schlit­ten gepasst hat­ten.

Ohne ein weiteres Wort packten die El­fen mit kräftigen Hän­den zu und luden alle Pa­kete vom Schlitten. Für jedes Kind in Fal­ken­see gab es ein ei­ge­nes Präsent. Jeder Elf nahm sich ein paar Geschenke und leg­te sie in den Korb eines klei­nen grünen El­fen­fahrrads. Die klei­nen Fabel-Postboten ma­ch­­ten sich dann schnell auf den Weg und verschwanden – ste­hend in die Pedalen tretend – in der dunklen Nacht. Neben Be­trunkenen können übrigens nur Kinder die Elfen sehen. Aber um die späte Uhrzeit schliefen die Kinder ja bereits alle.

Als die Elfen mit klappernden Rädern hinter der nächsten Ecke verschwunden waren, atmete der Weihnachtsmann tief durch, hielt sich den dicken Bauch und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Er war ganz schön geschafft. Die Ge­schenke, die er aus der Weih­nachtswerkstatt in die verschie­denen Länder brachte, wurden auch immer schwerer. Game­boys, Computerspiele, dazu MP3-Player und ferngesteuerte Spielzeuge – mit ein paar Oran­gen und einem Säck­chen Nüsse ließen sich die Kin­der längst nicht mehr abspeisen.

Schnell wuchtete der Weih­nachts­mann seinen dicken Bauch auf den Schlitten und schnallste mit der Zunge. Die Rentiere zogen den Schlitten wieder hoch in die Luft. Der Weih­nachtsmann drehte noch eine Runde und flog dann über die Gutspark-Schule und dann über den Hofladen hinweg bis zum Havelpark. Er kratzte sich den Wanst: Vielleicht kriegte er hier ja noch eine Minipizza? Bis zum Nordpol war der Weg weit und im Inneren des Weih­nachts­mannes grummelte der Hun­ger.

Nur ein paar Kilometer von dieser Stelle entfernt war ein klei­ner Elf inzwischen der Ver­zweiflung nahe. Er hatte noch ein einziges Haus zu besuchen, aber in seinem Fahrradkorb war leider kein Geschenk mehr zu finden. Auf seinem Plan stand nur noch ein Name, der noch nicht durchgestrichen war: Alexandra. Heiliger Stroh­sack, ob der Weihnachtsmann das Paket wohl unterwegs ver­lo­ren hatte? Nun, der Weih­nachts­mann war schon weit weg, unerreichbar für den klei­nen Elf. Der Elf setzte sich auf den Bürgersteig und weinte gar bitterlich. Das war ja noch nie pas­siert, nicht in hundert Jah­ren nicht. Noch immer hatten die Kinder rechtzeitig ihre Ge­schenke erhalten. Wie würde sich denn da die kleine Alex­andra fühlen? Wenn sie nun das ganze Jahr über brav ge­we­sen war und dafür nicht das allerkleinste Geschenk er­hielt? Undenkbar. Der arme Elf schluchzte weiter, dabei war er gar nicht schuld an der Mi­sere. Das wusste er natürlich nicht. Sein Geheule war für die Erwachsenen unhörbar, weck­te aber die Kinder Linus und Alisa aus dem benachbarten Haus auf.

Die beiden Kinder schlichen sich aus dem Haus, fanden den Elf neben seinem Fahrrad vor und trösteten ihn. „Was hast du denn?“, fragten sie. Un­ter Trä­nen und Geschluchze er­zähl­te das kleine Fabelwesen, was pas­siert war. Sofort boten die bei­den an, dem Elf zu hel­fen. Sie beschlossen, einfach den Weg noch einmal abzulaufen, den der Elf von der Lande­stelle des Weihnachtsmannes aus ge­nom­men hatte. Vielleicht war das Paket ja wirklich nur vom Fahr­­rad gefallen? Unter­wegs sam­­melten Linus und Ali­sa noch ein paar Steinchen auf. Sie war­fen sie an das Fenster vom Nachbarhaus, dort, wo Chiara schlief. Es dau­erte keine fünf Mi­nuten, dann war Chiara auch dabei. Auf diese Weise hol­ten sie auch noch Alina, Ce­dric, Tabitha und Janick aus den Betten. Sie weihten die Freunde ein und suchten die ganze Gegend ab. Nur Janick schimpfte leise: Er hatte sich ganz schlaftrunken weder Soc­ken noch Schuhe an­ge­zogen und fror nun an den Fü­ßen. Trotz aller Bemü­hun­gen: Das Geschenk konnte leider nicht gefunden werden.

Der Elf und die Kinder be­rat­schlagten, was nun zu tun sei. Konstantin, der auch noch mit hinzugekommen war, hat­te eine gute Idee. „Wenn jeder von uns ein Spielzeug nimmt, das er entbehren kann, und es dann Alexandra schenkt, dann merkt sie doch gar nicht, dass ihr Geschenk fehlt.“

Na, das war doch mal eine gute Idee. Schnell suchten die Kinder in ihren Spielzimmern nach einem passenden Prä­sent. Alisa brachte eine Barbie mit, Linus ein Computerspiel, Konstantin Aufkleber für ein Sam­melalbum, Alina ein Auto. Chiara hatte ein Gummitier für die Badewanne. Auch die an­de­ren fanden noch ein tolles Prä­sent. Alles landete in einer Kis­te, die der Elf schnell ver­packte. Während sich die Kin­der wieder in ihre Häuser und ins Bett trollten, brachte der Elf das Paket ins Haus von Alex­andra.
„Puh, das ist ja gerade noch einmal gut gegangen“, ächzte der Elf. Er drehte sich einmal um die eigene Achse, stampfte mit dem Fuß auf und war ver­schwunden. Sein Fahrrad üb­ri­gens auch.

Als der Weihnachtstag an­brach, wunderten sich die El­tern. Die Kinder hatten gar kei­ne rechte Lust darauf, ihre ei­ge­nen Geschenke auszupak­ken. Stattdessen baten sie um Er­laubnis, Alexandra besuchen zu gehen. Am späten Nach­mittag klingelte ein Kind nach dem anderen Sturm bei Alexandra.

Alexandra war überrascht. Sie hatte gerade ein dickes Pa­ket mit ganz vielen Geschen­ken ausgepackt. Doch jetzt freu­te sie sich noch mehr: „Dass ihr mich alle am Weih­nachts­tag besuchen kommt, ist für mich das schönste Geschenk“. (Carsten Scheibe)

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