Anzeigenzeitung für Falkensee, Schönwalde, Brieselang & Dallgow-Döberitz - 03322-5008-0 - info@falkenseeaktuell.de

01.12.2007

Haus am Anger: Kinder-Kunst

hausangerWeihnachtszeit ist Bastelzeit. Überall in den Schulen und auch Zuhause zücken die Kinder nun Schere, Kleber, Tonpapier und Malstifte, um sich krea­tiv auszutoben. Doch nicht nur daheim, sondern auch in der Schule stoßen Kin­der und auch die Lehrer schnell an ihre Grenzen. Es stehen eben nicht alle Materia­lien und Möglichkeit zur Verfügung, die benötigt werden, um so richtig loszu­legen und alle Ideen ungehemmt um­zu­setzen.

Wie gut, dass es da das Haus am Anger gibt. Viele Schulen nut­zen die Chance, hier mit einer Klasse einzufallen, um unter kundiger Betreu­ung Kunst abseits des Üblichen zu er­schaffen. Wir haben im November ein­mal die Klasse 3c der Lessing-Grund­schule begleitet, um den Kin­dern beim Basteln über die Schultern zu schau­en.

Sobald die Kinder die schwere Holz­tür am Eingang passiert haben, sind sie in einer anderen Welt ange­kommen. Die Wände sind überall be­malt, zahlreiche Skulpturen hängen von der Decke, riesige Pappmaschee-Fi­guren stehen in der Ecke und recken ihre Arme in die Luft, an den Wänden hän­gen gemalte Bilder oder geklebte Kollagen.

Das große Aquarium, das im ers­ten Stock im Gang steht, wirkt zwar be­ru­higend, aber trotzdem fast fehl am Platz: Fast erwartet man, gebastelte Fi­sche im Wasser schwimmen zu se­hen.

Die Kinder werden in einen großen Raum geführt, in dem viele Bastel­ti­sche und Stühle stehen. In einem gro­ßen Wandregal stecken zahllose be­schrif­tete Schubladen. Hier sind Schaum­stoffe, Lederreste, Nähgarn, Fe­dern, Perlen, Moosgummi-Platten, Knöpfe und Drahtreste untergebracht. In Kisten vor dem Fenster sind auch noch Holzreste, Äste, Korken und an­dere Naturstoffe zu finden: Ein Pa­radies für alle Schulkinder und ein nie versiegender Quell für die ungewöhn­lichsten Bastelideen. Unter Anleitung von Frau Annegret Wellmann beginnen die Kinder erst damit, ein Herbstbild zu malen, dann kleben sie auf einem Holzbrett eine Landschaft aus Ästen, getrockneten Blättern und Korken zusammen, um am Ende auch noch eine Maske auszuschneiden, die sie sich vor das Gesicht halten können. Klarer Fall: Im Haus am Anger durften sich die Knirpse einmal so richtig kreativ austoben. Da wundert es nicht, dass sie am Ende ganz k.o. sind. Als die Kinder wieder den Rückweg in ihre Schu­le antreten, nutzen wir von Fal­ken­see aktuell noch einmal die Gelegenheit, mit dem Chef zu spre­chen.

Dass es in Falkensee das Creative Zent­rum Haus am Anger gibt, ist ein echter Glücksfall. Die Stadt Falkensee hat die finanzielle Trägerschaft der sozio-kulturellen Freizeiteinrichtung über­nommen, die von Ingo Wellmann (54) geleitet wird. Der Bildhauer ist 1985 nach Falkensee gezogen und hat nach der Wende erst viel Zeit und Energie in das Heimatmuseum gesteckt, um dann zusammen mit Künstlerkollegen zu überlegen, was sich wohl aus dem ehemaligen Pio­nierhaus machen ließe, das nun am Angerplatz ungenutzt blieb. Die Idee war schnell geboren: Künstler arbeiten mit Kindern zusammen. Wellmann: „Wir haben hier in Falkensee die ein­zigartige Situation, dass sehr viele Fa­mi­lien mit Kindern in den Ort gezogen sind und zugleich eine Großstadt in unmittelbarer Nähe liegt. So kommt es, dass unsere Angebote ganz be­son­ders intensiv genutzt werden und wir uns über mangelnde Beteiligung an unseren Projekten keine Gedanken machen müssen.“

Das Creative Zentrum Haus am Anger ist vormittags für Schulklassen und andere Gruppen geöffnet. Nach­mit­tags werden Kurse für Kinder, Ju­gendliche und sogar Erwachsene durch­geführt. Unter der Anleitung ech­ter Experten – etwa Bildhauer, Sänger, Modegestalter oder Chemiker – be­schäftigen sich die Kurse mit den unter­schiedlichsten Projekten.

Die Kunst steht dabei ganz weit oben auf der Liste. Aus Ton, Gips, Holz, Stein, Draht oder Papier ent­ste­hen die ver­rücktesten Kunstwerke, die nicht nur im Haus am Anger zu sehen sind, son­dern inzwischen die ganze Stadt ver­schönern. So können Pro­jekt­arbeiten et­wa an der Geschwister Scholl- und der Lessing-Grundschule bewundert werden. Die Kinder aus dem Creativ Zentrum haben aber auch – was viele vielleicht noch gar nicht wissen – die beiden Straßentunnel in Falkensee mit bunten Bildern bemalt, um so einer Verunstaltung durch die Grafitti-Spra­yer vorzubeugen. Ver­schie­dene Kur­se bringen den Kindern auch die Acryl-, Tempera- und Öl­malerei bei, nehmen sich Aquarelle oder Kohlezeichnungen zum Thema oder setzen mit Siebdruck und Seiden­malerei Projekte um, die im heimi­schen Bereich eben nicht mehr so leicht zu realisieren sind. Wellmann: „Bei uns können die Kinder mit Ton ar­bei­ten und ihre Töpfe oder Skulpturen auch gleich brennen lassen. So etwas ist in der Schule mangels Brennofen natürlich undenkbar.“

In den Kursen können die Kinder für fünf Euro im Monat auch Theater spielen und an einer eigenen Auffüh­rung arbeiten. Wer für so künstlerische Prozesse nicht zu haben ist, macht vielleicht bei den Natur- und Umwelt­pro­jekten mit. Die hauseigene Pflan­zen­kläranlage ist aus solchen Pro­jek­ten hervorgegangen. Und bei einer Ar­ten­erhebung am Angerteich wurde so­gar eine Käferart wiederentdeckt, die ei­gentlich im Land Brandenburg schon als ausgestorben gilt. Beim ge­planten und professionell betreuten Ar­beiten entstehen auch immer wieder Lö­sungsansätze, die von den Kindern dann zu zahlreichen „Jugend-forscht“ -Beiträgen verarbeitet wurden.

Wellmann: „Uns Künstlern und Wis­senschaftlern macht die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen sehr viel Spaß. Sie ist auch sozial relevant. Bei uns arbeiten Kinder aus allen sozialen Schichten zusammen, der Gymnasiast direkt neben dem viel­leicht körperlich oder geistig beein­träch­tigten Förder­schüler. Dabei lernen viele Stärken an sich kennen, von denen sie vorher nichts wussten und die ihr Selbst­be­wusst­sein stär­ken. Ein besseres Miteinander ist die Folge.“

Vier Angestellte kümmern sich Mon­tag bis Donnerstags von 8 bis 20/21 Uhr um die Kursteilnehmer, Freitag ist um 17 Uhr Schluss. Einmal im Monat findet auch an einem Sonntag­vor­mittag der Crea-Tag für Familien statt. Alle Kurse werden im Internet vorge­stellt, sodass es kein Problem ist, sich hier zu informieren.

Kontakt: Creatives Zentrum Haus am Anger, Falkenhagener Straße 16, 14612 Falkensee, Tel.: 03322-3735, www.crea-verein.de

Seitenaufrufe: 9

Unsere Schwestern­zeitung

ZEHLENDORF.aktuell

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Anzeige