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27.12.2007

Stolpersteine

stolperStolpersteine, in den Bürgersteig eingelassen, gedenken an Menschen vor ihrem letzten, selbst gewählten Wohn­ort, die in der Nazizeit deportiert, ermordet oder miss­handelt wurden. Auch in Falkensee sind sie zu sehen.

Es ist noch gar nicht so viele Jahre her, da schritten die Nazis durch die deut­schen Städte und verbreiteten Angst und Schrecken unter denen, die sie be­drohten, einfingen, deportierten und um­brachten. Heute erinnert nicht mehr viel an die Opfer, die nicht mehr leben, nur weil sie den falschen Glauben, die falsche Herkunft, eine ungewünschte Sexualität oder den Mut zur Widerrede hatten. Natürlich gibt es Denkmäler und Gedenkstätten, aber mal ehrlich – wer besucht sie schon bewusst? Der in Berlin ge­bo­rene und in Nauen auf­gewachsene Künstler Gun­ter Demnig entwickelte schon vor sechs Jahren die Idee der Stolpersteine. Ziel der Aktion war und ist es, die Lebensgeschichten von Menschen zu recher­chieren, die im NS-Regime verfolgt und getötet wur­den, um dann vor ihrer letz­ten freiwilligen Wohnstätte einen „Stolperstein“ im Bür­gersteig zu versenken. Auf den quadratischen Stol­per­steinen steht auf einer Messingtafel geschrieben: „Hier wohnte …“ gefolgt von einem Namen und der kur­zen und grausamen Geschichte eines Men­schen.

Der Sinn dieser Stolper­stei­ne ist klar: Passanten sollen die messingfarbenen Steine in ihrem Alltag bemerken, innehalten („stolpern“) und sich dann – so plötzlich mit einer Lei­dens­geschichte konfrontiert – Gedan­ken machen. Vor allem Schulen werden eng an das Projekt gebunden, damit die Schüler die deutsche Vergangenheit einmal auf eine völlig neue und sehr persönliche Weise aufarbeiten können. Die erste Umsetzung des Projekts fand in Berlin-Kreuzberg statt, inzwischen wächst die Anzahl der Steine ebenso rasch wie die Anzahl der Aktiven, die sich beteiligen und einbringen möch­ten. Wie groß das Projekt inzwischen ist, bemisst sich an der Tatsache, dass bereits 13.000 Steine in über 280 Städ­ten und Gemeinden in die Gehwege eingelassen wurden.

In unserem Ort ist die Vorbereitungs­grup­pe Stolpersteine-Falkensee (www.stol­persteine-falkensee.de) aktiv, für die sich auch Klaus Pierow engagiert. Sie hat bereits einige Fälle in Falkensee und Finkenkrug recher­chiert. So konnten am 20. Juli die ers­ten fünf offiziellen Stolpersteine im Geh­weg verankert werden. Sie gedenken Walter Neugebauer, der denunziert, ver­haftet und am 30. November 1944 in Plötzensee hingerichtet wurde. Sie erinnern an Dr. Bruno Borchardt, der Opfer des Pogroms wurde und am 14. August 1939 an den Folgen der Miss­handlungen starb. Einen Stein gibt es auch für Wilhelmine Reinke, die de­portiert und ins KZ Ravensbrück ge­bracht wurde, wo sie am 26. Juni 1944 verstarb. Gedacht wird ferner Ludwig Chodziesner, der deportiert und dann am 13. Februar 1943 im Ghetto There­sienstadt ermordet wurde. Im Internet sind die Lebenswege aller Opfer ge­nau nachgezeichnet. So auch der von Gertrud Kolmar, die 1943 in Auschwitz umgebracht wurde. An ihrem 113. Geburtstag, am 10. Dezember 2007, traf sich die Vorbereitungsgruppe Stolpersteine-Falkensee bereits zum 14. Mal in diesem Jahr, um neue Ehrungen zu besprechen.

Zurzeit bearbeitet die Gruppe 50 Le­bensgeschichten von weiteren Verfolg­ten aus Falkensee. Eine Liste aller be­kannten Namen wird in Bälde auf der Home­page der Vorbereitungsgruppe veröffentlicht. Klar muss sein, dass es für dieses spezielle Kunstprojekt meist keine offiziellen Gelder gibt: Ohne Spen­den geht es nicht. Wer die Stolpersteine für eine gute Idee hält, sollte über die unten genannte Adresse Kontakt aufnehmen und Hilfe anbieten. Wenn man bedenkt, dass ein Beton­stein mit Messingplatte in der Herstel­lung nur 95 Euro kostet und was er dann für eine Wirkung entfalten kann, muss klar sein, dass selbst kleine Spenden schon viel bewirken können. Im neuen Jahr wird es ein erstes Treffen der Gruppe übrigens am 28. Januar 2008 geben.

Kontakt: Klaus Pierow,
c/o Pro Havelland Immobilien GmbH
Elbeallee 3 , 14612 Falkensee
Tel.: 03322 – 206 220
www.stolpersteine-falkensee.de

Foto: Heide Gauert

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