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27.02.2008

Mein Abitur!

neuesgym.jpgDas große Problem in Falkensee: Es gibt zu wenig Gymnasialplätze für immer mehr nachrückende Schüler. Ein zweites Gymnasium ist zum Glück inzwischen in greifbare Nähe gerückt. Jetzt geht es nur noch darum, ob die neue Schule städtisch oder privat betrieben werden soll.

Auch wenn die Schulen und auch die Eltern das oft ganz anders sehen: Auf den Kindern der Falkenseer Grund­schu­len lastet ein unglaublicher Druck. Um auf das Gymnasium im Ort wech­seln zu dürfen, arbeiten sie an besse­ren Noten, als sie eigentlich für die Gym­nasialempfehlung benötigen würden. Der Grund: Es gibt einfach nicht genug Plätze vor Ort, um den wachsenden Be­darf zu decken. So können die lokalen, weiterführenden Schulen ganz genau aus­wählen, welche Bewerber sie neh­men und welche nicht. Auch die gym­na­siale Erweiterung der Kant-Schule reicht noch lange nicht aus, um alle zu­künftigen Studenten aus dem Ort zum Abitur zu führen. Aus diesem Grund wei­chen viele Familien schon jetzt nach Ber­lin, Dallgow, Nauen und sogar Pots­dam aus. Am Ende der vierten Klasse kam es im letzten Jahr sogar zu einem regelrechten Massenexodus, als Eltern ihre Kinder in die Privatschule nach Nau­en verfrachteten oder sie noch rasch in die Leistungs- und Begabten­klasse (LuB) des Lise-Meitner-Gym­na­sium brachten, um sich auf die­se Weise ganz ohne Stress einen Gym­na­sialplatz zu sichern.

Während in Berlin meist gleich meh­rere Gymnasien im Umkreis zur Wahl stehen und auch ein schlechterer Durch­schnitt noch ausreicht, um hier ei­nen Platz zu bekommen, ist das in Fal­kensee nicht so. Auf diese Weise kommt es dazu, dass die Kinder nicht mehr unbeschwert ihre Grundschulzeit durchleben dürfen, sondern aus eige­nem Antrieb – und dem der Eltern – ganz besonders intensiv auf gute Noten und möglichst viele Einsen auf dem Zeugnis achten. Da es in Brandenburg nicht län­ger eine Realschule gibt, sondern nur noch die aus Haupt- und Realschule fusionierte Oberschule, sehen viele El­tern auch keine Alternative mehr zur gym­nasialen Ausbildung. Auch das ist eine Wahrheit, die viele Politiker nicht wahrhaben wollen. Die sinkenden An­mel­dungen für die Oberschulen zeigen hier aber ganz deutlich den Trend auf.

Umso erfreulicher ist es, dass Fal­kensee nun tatsächlich und ganz wahr­haftig endlich ein zweites Gymnasium er­halten wird. Das ist bereits Fakt. Die Erich-Weinert- und die Friedrich-En­gels-Oberschule werden zu einer ge­meinsamen, neuen Oberschule fusio­niert, sodass ein Schulgebäude frei wird, das Platz für ein zweites Gym­nasium bereitstellt. Das Gebäude ist groß genug, um einen dreizügigen Schulbetrieb gestatten zu können.

Nun überrascht die Stadt die Eltern mit der Offenbarung, dass sich die Hoff­bauer-Stiftung aus Potsdam (http:// hoffbauer-stiftung.de) auf die Trä­gerschaft des Schulgebäudes hin be­worben hat, um hier eine Privatschule mit evangelischem Hintergrund einzu­richten. Die Stadt hat in der Folge einen Umfragebogen in den Grundschulen verteilen lassen, um die Eltern noch im Februar 2008 darüber abstimmen zu lassen, ob sie lieber ein städtisches oder ein privates Gymnasium vor Ort rea­lisiert sehen möchten.

Die AG der Elternvertreter der Re­gion Falkensee wird von den Eltern­vertretern von 13 Falkenseer Schulen ge­bildet. Diese Eltern gehören auch dem Kreiselternrat an, der auf der Kreis­ebene des Havellandes arbeitet. Da die Gymnasialsituation aber allein auf Falkensee beschränkt ist und im wei­teren Umkreis Schulen eher geschlos­sen denn neu aufgemacht werden, ha­ben die Elternvertreter aus dem Ort beschlossen, eine eigene AG zu grün­den, um den Interessen der Eltern vor Ort eine Stimme zu geben. In der „Netz­werk-Initiative“ arbeiten zurzeit etwa 25 Eltern, um rechtzeitig Einfluss auf die zukünftige Falkenseer Schulent­wick­lung zu nehmen.

Kathleen Kunath (36) als eine der Vertreterinnen von der Europaschule am Gutspark: „Wir sind einem privat geführten Gymnasium überhaupt nicht abgeneigt, möchten die Stadt aber da­ran erinnern, doch erst die Pflicht und dann die Kür zu vollziehen. Aufgabe der Stadt ist es doch, dem eigenen Bil­dungs­auftrag gerecht zu werden, um mit dem Geld der Steuerzahler erst einmal ein öffentliches, städtisches Gym­nasium zu betreiben. Jeder Schü­ler im Ort sollte ein Recht auf Bildung im eigenen Ort haben und zwar ohne dass Schul­geld bezahlt werden muss.“

In diesem Zusam­men­hang mutet die Um­frage von Bürgermeister Heiko Müller recht be­fremd­lich an. Die Eltern sol­len sich per Kreuz für ein städ­ti­sches oder ein pri­vates Gym­nasium aus­spre­chen – und diese Ent­scheidung treffen, ohne ein Konzept der Privat­schule gesehen zu haben und ohne zu wissen, ob es eine Ganztagsschule wird. Klar wurde den El­tern nur anhand einer bei­ge­legten Tabelle, dass sie für den Schulauf­ent­halt ihrer Kinder abhängig vom eigenen Einkommen mitunter tief in die Tasche greifen müssen und dass die evangelische Grund­aus­richtung der Privat­schu­le die Teilnahme am Religionsunterricht und an kirchlichen Veranstal­tungen wie Gottes­diens­ten als verbindlich an­sieht.

Die Frage, die sich viele überrumpelte Eltern nun stellen: Was kommt bei der Umfrage heraus? Erhält die Hoff­bauer-Stiftung den Zuschlag, wenn sich mehr als die Hälfte der Eltern für ein privates Gymnasium ausgesprochen haben? Oder reicht es bereits aus, wenn genug Stimmen zu­sammen kommen, um die Privatschule mit aus­reichend Schülern zu füllen, damit sich der Betrieb rechnet?
Die Hoffbauer-Stiftung möchte na­türlich nicht investieren, ohne ein Ge­bäude verfügbar zu haben. Denn eine Privatschule muss sich die ersten zwei Jahre ganz aus eigener Kraft finan­zieren, um den Betrieb aufnehmen zu dürfen. Da ist kein Geld da, um ein neu­es Schulhaus zu bauen. Aber, so weiß die AG der Elternvertreter, das muss ja auch gar nicht sein.

Kathleen Kunath: „Im Haushalt ist doch ein Posten für ein städtisches Gymnasium bereits vorge­sehen. Warum nehmen wir also nicht hier in Falkensee ein städtisches Gym­nasium in Betrieb und verweisen die Stiftung auf die leer stehende ehema­lige Gesamtschule in Schönwalde. Wenn hier ein weiteres privates Gym­nasium seinen Betrieb aufnimmt, dürfte es endlich genügend Plätze im Umkreis geben, um den ganzen Bedarf zu dec­ken. Wichtig ist auf jeden Fall, das der ermittelte Bedarf an Gymnasialplätzen auch in Zukunft gedeckt wird und wir uns nicht in kürzester Zeit an gleicher Stelle wiederfinden. Laut einer Pres­se­mitteilung vom 31. Mai 2007 geht Herr Müller selbst von folgender Ent­wicklung der Schülerzahlen an den wei­terführenden Schulen in Falkensee und Umgebung aus. Gegenüber dem Jahr 2007 ist für die 7. Klassen im Schuljahr 2008/09 ein Zuwachs von mehr als 20 Prozent zu erwarten. In den Folgejahren wird sogar ein Zu­wachs von bis zu 50 Prozent gegen­über dem Schuljahr 2007 gerechnet.“

Ein erneutes Treffen der AG findet am 6. März im ASB statt. Unter der Agenda „Zukunftswerkstatt“ geht es daran, gemeinsam schon einmal ei­nen Plan für die von den Eltern ge­wünschte Ausrichtung eines neuen städ­ti­schen Gymnasiums in Falken­see zu erarbeiten.

Kontakt:
Christiane Schaade
03322/128618
GS „Erich Kästner“

Michael Effertz
03322/427940
GS „Adolph Diesterweg”

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