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26.03.2008

Unerwünschte Hausgäste

diebeSeit Dezember letzten Jahres häufen sich in Falkensee und Dallgow-Döberitz die Einbruchs­delikte. Die Polizei hat die EG Terrasse auf die Beine gestellt und fahndet mit Hochdruck nach den Ganoven. Wir verabredeten ein Treffen bei der Kripo, um uns schlau zu machen.

Die Penetranz der Diebe weckt den ei­ge­nen Trotz: Gegen diese Serie muss doch etwas zu machen sein! Wir trafen uns aus diesem Grund vor Ort bei der Kripo in der Falkenhagener Straße. Bei der Konferenz waren Kriminalober­kom­missar Christian Naethe von der EG Ter­rasse, Polizeirat Steven Bahl als Leiter der Poli­zeiwache in Falkensee und Po­li­zei­ober­­kommissar Dietmar Keck vom Poli­zei­präsidium Potsdam als Chef der Pres­se­stelle im Schutzbereich Havel­land mit dabei.

Steven Bahl stellte zunächst die Maß­nahmen der örtlichen Polizei vor. So wurden die Einsätze der Polizei im ganzen Stadtgebiet massiv in die Höhe getrieben. Präsenz zeigen war dabei die Devise der Beamten, die an den verschiedensten Stellen zu allen nur erdenklichen Tages- und Nachtzeiten Ver­kehrskontrollen durchführten und die Personalien der Autofahrer kontrol­lierten. Zugleich wurden die mobilen Einheiten so platziert, dass sie bei einer erneuten Einbruchsmeldung sofort vor Ort sein konnten, um einen flüchtenden Einbrecher vielleicht doch noch im Um­kreis des Tatortes zu stellen. Bahl: „Al­lein im Januar und im Februar haben wir über 2.500 Einsatzstunden nur für die Er­mitt­lungen und die Prävention im Be­reich der Einbruchsdelikte aufge­wen­det. Bei uns arbeiten die Kollegen mit Hochdruck daran, die Einbrecher zu fassen.“

Wichtig ist Steven Bahl, dass hier nicht von ei­ner Einbruchs“serie“ zu spre­­chen ist. Denn die impliziert nur einen einzeln agie­renden Einbrecher oder eine ein­zelne Bande als Täter. Es handelt sich in diesem Fall aber an­scheinend gleich um mehrere Banden, die im ganzen Speck­gürtel von Berlin unterwegs sind und die sich durchaus in ihrem Tat­habitus voneinander unter­scheiden. Die Recherchen unser Re­daktion zeigen: Da gibt es etwa die Tag­einbrecher und die Nachtdiebe, die Hebler und die Bohrer. Die Hebler ge­hen nicht eben zimperlich vor und bre­chen Fenster und Türen ganz ein­fach mit dem Kuhfuss auf – am liebsten am Tag, weil der Bruch mit diesen Metho­den ja nicht immer leise über die Bühne geht. Nachts sind da schon eher die Bohrer unterwegs, die ganz leise ein Loch unter Fens­tergriffe oder Haus­türklinken bohren, um dann mit einem speziellen Gerät den Öffnungsmecha­nis­mus zu betä­tigen. Oft genug scheint es so, als wür­den die Einbrecher die Be­wohner eines Hauses gezielt beobach­ten, um erst dann zuzuschlagen, wenn niemand mehr zu Hause ist.

Die Diebe klauen, „was in die Jak­ken­tasche passt“, also vorrangig Bar­geld, wertvollen Schmuck, Digitalka­me­ras und MP3-Player. Auch Notebooks wur­den ab und zu mitgenommen. Oft genug scheint das erbeutete Diebesgut nicht den Aufwand und das Risiko eines Bruchs wert zu sein. Aber, so Steven Bahl: „Die Gauner warten immer auf den großen Jackpot. Alte Bürger haben durchaus schon einmal mehr Bargeld im Haus, als gut ist. Und selbst bei jun­gen Familien lässt sich schon ab und zu wertvoller vererbter Schmuck erbeu­ten“. Über einen Kamm scheren lässt sich das Beuteschema der Diebe aber nicht. Manche fahren eben durchaus mit dem Kleinbus vor und nehmen auch gleich noch den neuen Plasmafernse­her und den ganzen Computer mit. Andere suchen gezielt nach den Auto­schlüsseln, um den Wagen der Familie zu klauen. Wie gesagt: In Falkensee ist nicht nur eine einzelne Bande unter­wegs.

Dass die Ganoven aber immer noch so dreist zulangen, wundert die Polizei. Normalerweise, so Bahl, wechseln die Diebe das Terrain, sobald der Fahn­dungs­druck steigt. Und in Falkensee ist ja nicht nur die Polizei sensibilisiert, son­dern auch die Bürger selbst passen bes­ser auf. Wer allerdings einen Dieb im Haus vorfindet, sollte sich nicht zum Hel­den aufspielen und die Verfolgung auf­neh­men. Wird ein Einbrecher in die En­ge getrieben, könnte er sich schon ein­mal mit dem mitgebrachten Brecheisen in der Hand Respekt verschaffen. Das kann dann leicht gefährlich werden. Bes­ser ist es, sich so viele Details wie möglich einzuprägen, um anschließend die 110 zu wählen und die Polizei zu informieren. Eine Bitte hat Christian Nae­the in diesem Zusammenhang: „Bit­te nicht gleich auflegen, sondern dran­bleiben. Viele Bürger legen schon wieder auf, wenn wir noch gar nicht alle Informationen haben.“

Was kann nun jeder tun, um sich zu schützen? Klarer Fall: Die Diebe möch­ten nicht erkannt und vor allem nicht ge­stellt werden. Deswegen scheuen sie den Einbruch bei gut gesicherten Häu­sern. Hohe Zäune, abschließbare Fens­ter­griffe, heruntergelassene Ja­lou­sien, Bewegungsmelder, eine laute Alarmanlage: Alles hilft und könnte ab­schreckend wirken, insofern die Nachbarschaft sensibilisiert ist. Die Po­li­zei lädt in Fal­kensee immer wieder zu Informa­tions­nachmittagen etwa auf dem Park­platz der Supermärkte ein, um aufzu­zeigen, wie sich das eigene Haus si­che­rer machen lässt. Die Experten kom­men aber auch gern zu den Fa­milien nach Hause, um vor Ort eine Beratung zu leisten. Unter der Nummer 03321-744 99 421 lässt sich leicht ein Termin vereinbaren. Vielleicht gleich mit meh­reren Nachbarn im Verbund?

Hilfreich ist es auch, alle Wertge­gen­stände zu fotografieren und die Se­riennummern zu notieren. Das ist nicht nur hilfreich für die Kommunikation mit der Versicherung, sondern hilft auch der Polizei. Als die letzte große Bande 2004 geschnappt wurde (und die Ein­brecher bis zu 5,5 Jahre Knast beka­men), konnten die Beamten den Tätern nur knapp ein Dutzend Einbrüche nach­weisen – bei über hundert gemeldeten Delikten. Ohne Beleg und Foto be­hauptet der Dieb einfach, den iPod in seiner Ta­sche schon immer besessen zu haben.

Falkensee ist eine bunte Mischung aus Alteingesessenen und Neuhinzu­ge­zogenen. Noch kennt nicht jeder je­den. Die Polizei bittet die Bürger darum, mehr aufzupassen und Netzwerke zu bilden. Nachbarn können Te­lefon­num­mern austauschen und sich gegensei­tig informieren, wenn sie für längere Zeit das Haus verlassen. Naethe: „Eine gute Nachbarschaft bringt gute Hin­weise.“
Wenn jeder ein bisschen die Augen aufhält, dann besteht vielleicht die Möglichkeit, die Diebe auf frischer Tat zu erwischen. Sie wurden bereits gesehen, dann aber meist gleich von einem mutigen Nach­barn verjagt. Besser ist es, in diesem Fall die Polizei anzurufen, sodass die Beamten die Diebe erwischen, solange sie noch an Türen oder Fenstern zugange sind.

Auch bei verdächtigen Personen vor Ort sollte die Polizei an­ge­rufen werden. Hier passiert Kriminal­oberkommissar Christian Naethe noch zu wenig: „Ich habe mich jetzt schon oft verkleidet, mich mit der Mütze unkennt­lich ge­macht und bin dann ganz lang­sam mit dem Auto durch die Anlie­gerstraßen ge­fahren. Das hätte jeder Bürger melden können. Getan hat es niemand.“
Die Polizei geht davon aus, dass es sich bei den Einbrechern vorrangig nicht um Falken­seer Bürger handelt, son­dern um osteuropäische Banden, die immer wieder räubernd durch den Speckgür­tel ziehen. (Carsten Schei­be)

Einbruchsprotokoll 1
Herlitz-Siedlung an der Rottunde, Familie König*:
„Wir sind in der Nacht vom 19. Februar auf den 20. etwa um halb eins in der Nacht schlafen gegangen. Unseren Phaeton hatten wir vor der Garage ge­parkt, weil er nicht ganz hineinpasst. Als wir um 8 Uhr morgens wieder aufgestanden sind, war das Auto verschwunden. Wir waren erst ganz ruhig, wir sind ja versichert. Dann haben wir uns allerdings überlegt, wie die Diebe wohl an den Schlüssel herangekommen sind. Tatsächlich: Unsere Jacken hingen nicht mehr im Flur an der Garderobe. Sie waren verschwunden. Wir fanden sie im Gästezimmer wieder. Hier lagen sie zerwühlt auf dem Boden herum. Im Gästezimmer war die Gardine vom Fenster weggezogen und unter dem Fenstergriff war ein kleines Loch gebohrt. Hier müssen die Diebe einge­stiegen sein, während wir oben unter dem Dach geschlafen haben: Wir haben nichts gehört oder mitbekommen.
Im Flur haben die Diebe noch die Handtasche und einen Rucksack durchsucht, in der Küche einen alten Kassettenrekorder entwendet und ein Porte­monnaie und eine Digitalkamera geklaut. Draußen vor dem Haus lag unser Pokerkoffer – aufgebrochen. Hier haben die Diebe wohl Bargeld vermutet. Draußen lag auch der Kassettenrekorder im Gebüsch – und das Portemon­naie mit allen Kreditkarten, nur die Autopapiere und das Bargeld waren weg. Das Auto ist übrigens wieder da. Es wurde am 2. März in Berlin Neukölln gefunden. Die Polizei vermutet einen gezielten Auftragsraub des Autos.“
* Name von Redaktion geändert

Einbruchsprotokoll 2
Semmelhaag-Siedlung hinter dem Möbelmarkt, Familie Jordan*:

„Wir haben um 17:30 Uhr das Haus verlassen, um anläßlich eines Geburts­tages essen zu gehen. Um 19:30 Uhr waren wir wieder da. Wir wunderten uns, dass die Terrassentür in den Gar­ten nur angelehnt war und die Rolladen der Terrassentür hochgefahren waren. Da der Aufbruch sehr hektisch war, wur­de aber an ein eigenes Verschulden geglaubt.
Am nächsten Morgen fiel der Toch­ter auf, dass ihr 10 Euro fehlten, die sie gerade erst von der Oma bekommen hat­te. Eine Suche im Haus zeigte schnell, dass der Wohnzimmerschrank durchwühlt worden war und lose Brief­mar­ken sowie eine Rolle 55er-Marken fehlten. Klarer Fall: Einbrecher waren im Haus. Sie müssen allerdings durch unsere Rückkehr gestört worden sein: Eine Wii-Spielekonsole, ein 50-Euro­-schein auf dem Geburtstagstisch des Sohnes, ein Handy – alles war noch da!
Beim Rundgang ums Haus wurden Ein­bruchsspuren an der Erkertür der Ter­ras­se gefunden. Sie wurde aufgehe­belt und anschließend wieder sauber eingehängt. Die Polizei konnte einen Fuß­abdruck und Fingerabdrücke neh­men. Die Beamten mutmaßten, dass die Einbrecher beim Bruch gestört wur­den und daraufhin nur mit der halben Beute das Haus verlassen hatten. “
* Name von Redaktion geändert

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