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30.04.2008

Schloss Marquardt

marqAm Ostufer des Schlänitzsee zwischen Falkensee und Potsdam liegt sehr malerisch Schloss Marquardt. Das Ausflugsziel ist über die B 273 schnell zu erreichen, auch die weiße Flotte bietet eine Tagesfahrt nach Marquardt an. Der Schlosspark wurde 1823 nach Plänen von Peter Joseph Lenné gestaltet. Schloss und Park zeugen von einer wechselvollen Geschichte, in der auch der Blauen Grotte und dem Rosenkreuzorden eine mystische Bedeutung zukommen.

Die Turmuhr der Kirche in Marquardt, die 1901 erbaut wurde, schlägt genau zweimal zur vollen Stunde. Dort sind wir an einem sonnigen Tag mit dem Chronisten Herrn Dr. Grittner vor dem schmiedeeisernen Tor des Schlossparks in Marquardt verabredet. Er hält heute sehr interessante Fakten für uns bereit. Er nimmt uns mit auf eine Reise in die Vergangenheit des Schlosses und des Parks in Marquardt. Für zwei Euro für die Parkführung begeben wir uns auf eine abenteuerliche Zeitreise. Wir befinden uns bereits mit ihm auf der alten Dorfstraße im Park nach Marquardt. Das kleine Dorf war damals eine Fischersiedlung, bis sich dort, rechts und links der alten Dorfstraße, im Laufe der Zeit auch die Höfe der Bauern und Ritter ansiedelten.

Bereits 1313 wurde der Ortsname Skoryn (altwendisch), später Schorin (eingedeutscht) in einer Aufzählung von Mitgliedern einer Spandauer Geistlichen Bruderschaft zum ersten Mal erwähnt. Seit dieser Zeit ist die Besitzfolge des damaligen Guts- und Herrensitzes lückenlos belegt.

1704 erhielt der Schlosshauptmann und Direktor für das Lehenswesen, Marquard Ludwig Freiherr von Prinzen, mit 29 Jahren den damaligen Gutsbesitz Schorin zum Lehen übergeben. Schorin heißt dann seit 1704 nach seinem Vornamen „Marquard“, denn einem entsprechenden Antrag wurde stattgegeben. Der Schlossherr blieb jedoch nicht lange in Marquard, bereits 1708 wurde er Gutsherr auf Carow (heute Karow bei Genthin).

1795 erlangte der Ort historische Bedeutung, als der General Hans Rudolph von Bischhoffwerder als enger Vertrauter von König Friedrich Wilhlem II. den Gutsbesitz Marquard für 32.000 Taler und 100 Dukaten Schlüsselgeld erhielt – zusammen mit 255 Hektar Land. Unterhalb des damaligen Herrenhauses, in Richtig See gelegen, ließ Bischoffwerder in einem mit Akazien bepflanzen Hügel versteckt die „Blaue Grotte“ errichten. Fontane, der um 1880 eine Skizze der Blauen Grotte zeichnete, schrieb dazu: „Das Innere der Grotte war mit blauem Lasurstein mosaikartig ausgelegt und von der Decke herab hing ein Kronleuchter. In dieser ‚blauen Grotte‘, deren Licht- und Farbeffekt ein wunderbarer gewesen sein soll, trat man ein…“
Dort hielt dann auch der Rosenkreuzorden ab 1795 spiritistische Sitzungen ab, um sich den mystischen Traditionen der Alchemie, Hermetik und Kabbalistik zu widmen.1795 nahm König Friedrich Wilhelm II. an den Sitzungen des Geheimordens in der Blauen Grotte teil. Dabei soll Mystisches vorgekommen sein: Stimmen aus der Wand forderten den König zur >Mäßigung auf. Dies diente zur Manipulation des Machthabers. Nicht nur seine doppelt angetrauten Damen, sondern auch seine lebenslange Mätresse waren den Herren vom Rosenkreuz-Orden ein Dorn im Auge.

Am 9. Juli 1795 wurde der Stammhalter Wilhelm Hans Rudolf Ferdinand geboren. Zur Taufe am 17. Juli 1795 kam Friedrich Wilhelm II. als Pate nach Marquard. Er wählte den Weg über den damaligen Schorinschen Damm, der damit zum Königsdamm geadelt wurde. Der König gewährt dem Täufling eine stattliche Domherrenpräbende, eine Art Rente, die sich bis auf 4.500 Taler jährlich steigerte.

1823 wurde der ganze Schloss­­park, der heute unter Denkmalschutz steht, nach einer Skizze von Peter Joseph Lenné neu gestaltet. Das geschah im Auftrag von Bischhoffwerder.

1878 baute der neue Gutsbesitzer Carl Meyer von der Firma Krupp aus Berlin das Schloss wieder neu auf. Er nutzte dazu Elemente der Renaissance und des Barocks.

Bereits 1892 erwarb der Berliner Industrielle und Geheime Kommerzienrat Dr. hc. Louis August Ravené, das Schloss Marquard(t) und das Gut. Durch Aufstockung und Anbau erhielt das Schloss seine bemerkenswerte Form. Um 1900 stiftet Ravené aus Anlass des 125-jährigen Firmenjubiläums der ev. Gemeinde Marquardts eine neue Kirche. Unten in der dunklen Gruft sind seine Gebeine in einem Zinksarg aufgebahrt.

Im Jahre 1932 wurde „Hotel Schloss Marquardt“ zu einem beliebten Ausflugsziel für anspruchsvolle Berliner, denn das Hotelunternehmen Kempinski pachtete das Schloss. Durch die „Arisierung“ (Enteignung jüdischen Eigentums durch die Nazis) der Kempinski-Unternehmen wurde das Schloss von Aschinger übernommen und es änderte sich auch das Kempinski-Logo – in eine Traube statt des Sterns. Von 1939 bis 1945 diente das Schloss als Reservelazarett. Trotzdem wurde der Restaurantbetrieb in Teilen aufrecht erhalten.

1942 verkaufte Dr. Louis Ravené das Schloss, den Park und den Gutshof für 1,28 Millionen Reichsmark an die Aschinger AG. 1945 wurde Marquardt am 25. April morgens von Soldaten der Roten Armee besetzt. Am 28. April wurde das Lazarett im Schloss aufgelöst. Im Park wurden mit Genehmigung des Bürgermeisters Kartoffeln und Gemüse angepflanzt. Die sowjetische Militäradministration (SMAD) beschlagnahmt 1947 den Gutsbetrieb und das Schloss und enteignet die Firma Aschinger. Das Bodenreformprogramm griff und die Bauern erhielten Land aus dem Bodenfond.

In der Nachkriegszeit wurde der Schlosspark für Agrarprojekte genutzt und die Humboldt-Universität übernahm hier nach 1958 das Institut für Obstbau. Nach der Liquidation der LPG Obstproduktion Marquardt um 1991 entstanden neue private Betriebe, die einen Teil der Obstflächen weiterhin nutzen konnten.

Von der Treuhand-Liegenschafts­-Gesellschaft (TLG) erwarb die Münchner Penelope Immobilien Verwaltungs GmbH 1998 das Schloss und Guts­hofsgrundstück Marquardt. Am 26. Oktober 2003 wurde Marquardt durch die Gemeindegebietsreform zu einem Ortsteil von Potsdam. Die 690-jährige Geschichte von Schorin bzw. Marquardt endet hiermit. (H.R.)

Kontakt: Dr. Wolfgang Grittner, Chronist, Marquardt, Tel. 033208-57279

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