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28.06.2008

Gestohlen!

scheibeEs wundert mich doch sehr, dass nicht vor jedem Supermarkt ein Polizeiauto mit ein paar kräftigen Polizisten parkt. Dann könnte man die Diebe auch gleich abführen, nach denen anscheinend momentan sehr intensiv an allen Kassen gefahndet wird.

Einkaufen ist Stress. Echter Stress. Die Wagen sind viel zu klein, um den Wochenendeinkauf zu fassen, die Kinder sind nörgelig und ich bin mir völlig sicher, etwas Wichtiges vergessen zu haben, das ich noch einkaufen sollte. War es ein Mitbringsel für einen Kindergeburtstag, Mehl für selbstgemachte Pizza oder irgendwas Obstiges? So schiebe ich den gefühlt 400 Kilo schweren Wagen oft mit ganzem Körpereinsatz an die Kasse, während ganz oben auf dem kunstvoll errichteten Nahrungsmittelstapel noch ein Zwölferpack Bioeier hin und her wackelt – bereit, bei der kleinen Unwucht zu fallen und auf dem Boden zu zerplatzen.

Dann muss der Wagen an der Kasse ausgeräumt werden, was noch lange andauert, während sich auf der anderen Seite des Förderbands bereits die gescannte Ware staut. Die Verkäuferin scannt schneller, als ich einpacken kann – auch das stresst. Am Ende ist der Wagen leer, sieht man einmal von einer Klappkiste und einer leeren Tasche ab. Und dann kommt das, was ich hasse wie die Pest, was mich richtig in Rage bringt und was den Blutdruck verdoppelt: Die Frau an der Kasse kriegt einen langen Hals, lehnt sich übers Förderband und stiert in meinen Wagen: „Könnse mal anheben, damit ich runterkucken kann?“

Warum denn das jetzt? „Könnt‘ ja was drunter liegen“, höre ich. Aha. Ich werde also pauschal zum Verbrecher gekürt und dem Verdacht ausgesetzt, ich könnt ja noch eine BILD für 60 Cents unter der Klappkiste rausschmuggeln, obwohl ich bereits für 150 Euro Zeugs auf dem Förderband habe. Seit Monaten hebe ich jedes Mal beim Einkaufen meine Klappkiste hoch. Nie liegt was drunter: Die Kassiererin guckt enttäuscht.

Letztens ist mir dann die Hutschnur geplatzt. Das war bei ALDI oder LIDL. Da war ich extra sauer, weil das Förderband gleich nach der Kasse sofort zu Ende ist und ich zum Akkordeinpacken gezwungen werden, möchte ich nicht dabei zusehen, wie mein ganzer Einkauf gleich wieder auf dem Fußboden landet. Da habe ich dann gefragt, warum denn alle Verkäuferinnen immer so stoisch und verhagelt nur in den Wagen gucken. „Gute Frau“, sage ich schrill. „Ich könnte Kaugummis in der Hosentasche, Spaghetti im Socken, Salami in der Unterhose, Gurken im Ärmel und Batterien im Schuh haben. Das wäre viel effektiver zum Rausschmuggeln, wenn ich schon unbedingt etwas klauen möchte. Warum durchsuchen Sie mich denn nicht ganz?“

Die Frau schaut mich an, als ob ich gerade einen frivolen Annäherungsversuch gemacht habe. Angesichts der Tatsache, dass ich 20 Jahre älter bin, scheint sie sich aber mit der Vorstellung zufriedenzugeben, dass ich gerade einen Nervenzusammenbruch erleide. Sei es drum: Nächstes Mal lege ich einen Zettel unter die Kiste: „Ätsch. Wieder nix gefunden.“ (C. Scheibe)

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