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28.06.2008

Stadtrundfahrt durch Falkensee

stadtrundfFalkensee ist eine Stadt, in der inzwischen die wenigsten Einwohner auch aufgewachsen sind. Viele der inzwischen 40. 000 Einwohner betreiben gern ein wenig Stadtforschung und möchten wissen, wo Falkensee seine Wurzeln hat. Das lässt sich bei einer vom Heimatmuseum organisierten Stadtrundfahrt leicht feststellen.

Frau Helbig ist die Frau, auf die es ankommt, wenn eine der viel zu selten durchgeführten Stadtrundfahrten begonnen wird. Sie weist das halbe Hundert Teilnehmer ein, die sich am Bahnhof Falkensee eingefunden haben, um gemeinsam den eigenen Ort kennen zu lernen. 90 Minuten soll die Tour dauern, die an vielen historischen Häusern vorbeiführen soll und die mit fünf Euro Kosten wahrlich nicht teuer ist. Zur ersten Orientierung erhält jeder Gast einen Stadtplan, in dem die Route mit acht gekennzeichneten Punkten bereits eingetragen ist. So kann jeder jederzeit feststellen, wohin die Reise geht.

Die aufmerksam lauschenden Fahrgäste erfahren zunächst, dass Falkensee ursprünglich aus dem Dorf Seegefeld, dem Dorf Falkenhagen, dem Rittergut Seegefeld und dem Forst Dammsbrück bestand. Die vier Stadtteile wuchsen mit der Zeit immer mehr zusammen, bis der neue Ort Falkensee (seit 1923) dann 1961 das Stadtrecht erhielt. Der älteste Ortsteil von Falkensee ist übrigens Seegefeld, er wurde bereits 1265 gegründet. Die Kirche in Seegefeld ist damit auch das älteste Bauwerk in ganz Falkensee. Der erste Bürgermeister, Ernst Freimuth, nach dem auch die gleichnamige Straße ganz in der Nähe des Rathauses benannt ist, ließ übrigens die zahlreichen Straßenbäume pflanzen, die in diesem heißen Sommer so herrlich Schatten spenden.

Einen ersten Stopp legt der Bus dann vor dem ehemaligen Gasthof „Alter Finkenkrug“ ein, der 1777 erbaut sehr idyllisch an der alten Poststraße nach Hamburg liegt. Ein Teilgebäude des Alten Finkenkrugs ist völlig mit Efeu überwachsen, steht jedoch noch immer nicht unter Denkmalschutz. Frau Helbig erklärt: „Für Ausflügler bot das Fachwerkhaus, ein ehemaliges Krug-Gut, mit einer Gastwirtschaft, einer Kegelbahn und der Kaffeeküche ein beliebtes Ausflugsziel. Nicht weniger als 50 Kellner kümmerten sich damals gleichzeitig um das Wohl der Gäste, die von dort aus auch gerne Ausflüge in den Brieselanger Forst unternahmen.“

Der Alte Finkenkrug wurde schon bei Theodor Fontane sehr wortreich in den „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ erwähnt: „In den Tagen sommerlicher Lust: Mai, Juni, Juli und August, vergeht kein Sonntag, wo nicht Scharen von Besuchern den Brieselang umschwärmen. (…) Und doch ist der Finkenkrug, an der südlichsten Stelle der Südhälfte gelegen, ein bloßes Portal, durch das man hindurch muss, um in die eigentliche Schönheit des Waldes einzutreten; nicht diesseits liegt die Herrlichkeit, sondern jenseits, und alles, was den Brieselang ausmacht, sein Charakter, seine Erinnerungen, seine Schätze, alles liegt darüber hinaus. Der Finkenkrug ist erste Etappe. (…) Nur erst wer bei der Königseiche steht, hat den Brieselang hinter sich und kann mitsprechen.“

In der Humboldt-Universität gibt es übrigens eine eigene Sammlung „Grüne Käfer“ aus dem Brieselanger Forst. Daher ist anzunehmen, dass der Alte Finkenkrug auch bei den Naturkundlern sehr beliebt war. Später wurde das historische Gebäude jedoch zur Parteizentrale der NSDAP. Bis es 1945 abbrannte, nachdem es von einer Panzerfaust getroffen wurde.

Der Bahnhof Finkenkrug jedoch hat seine Existenz zweier Bahnbeamter zu verdanken, die nach häufig durchzechter Nacht im Alten Finkenkrug dort immer den Zug stoppten, um noch heil nach Hause zu kommen. „Mit der Zeit entstand dort ein Haltepunkt“, erklärte Frau Helbig den interessierten Teilnehmern.

Auf der Fahrt durch den alten Ortsteil Finkenkrug klärte die Leiterin über die ehemaligen Besitzverhältnisse auf: Das alte Rittergut gehörte um 1892 herum Bernhard Ehlers. Das riesige Grundstück wurde unter seiner Planung parzelliert, auch Straßen und Schulen wurden schon damals angelegt. Dieses Unterfangen nahm dann aber derart umfangreiche Züge an, dass sich Ehlers damit bald überfordert fühlte und seinen Besitz abgab.

Der älteste Naturlehrpfad Deutschlands beginnt im Forstweg in Finkenkrug und wurde 1930 von der Humboldt-Universität, Berlin, angelegt. Er führt durch den Bredower Forst, wurde jedoch nicht gepflegt, sodass er heute leider in Vergessenheit geraten ist.

Die nächste Station auf der Stadtrundfahrt ist das Gertrud-Kolmar-Haus in der Feuerbach-Straße. Gertrud Kolmar, Tochter des jüdischen Rechtsanwalts Ludwig Chodziesner und spätere Lyrikerin, lebte von 1923 bis 1939 in der damals von üppigen Rosen bewachsenen Villa. Diese nannte sie später ihr „verlorenes Paradies“. Von ihr stammt unter anderem die Erzählung „Die Frau und die Tiere“ von 1938 und „Susanna“. 1943 verstarb Gertrud Kolmar bereits während des Transports zum KZ nach Auschwitz. Das Handschriften-Archiv in Marbach bewahrt ihren Nachlass auf. Die Lessing Grundschule liegt direkt neben dem Gertrud-Kolmar-Haus und ist mit ihrem Baujahr von 1904 die älteste noch genutzte Schule von Falkensee.

Die Fahrt geht nun weiter zum Lindenweiher, den Ehlers damals schon als Badeanstalt eingerichtet hatte. Man gelangt zum Weiher, wenn man durch die Wald- und Rembrandtstraße fährt. Die Strecke führt sehr malerisch an alten Villen und moderner Architektur vorbei zum Hexenhaus. Dieses „Wahrzeichen“ von Falkensee mit der aus nordischer Eiche bestehenden Fassade hat nun endlich einen neuen Eigentümer. Bekannt wurde es auch durch den Film „Männerpension“ mit Till Schweiger, wie Frau Helbig mit einem Lächeln erklärt, was auch zu einiger Erheiterung zumindest bei den Damen der Rundreise führt.

Vorbei kommt die Reisegruppe auch am Industriegebiet von Falkensee, an der Straße der Einheit gelegen und am Geschichtspark Falkensees, der an die dunkle Vergangenheit des Städtchens erinnert. Von der Treuhand hat die Stadt Falkensee ihn damals für eine D-Mark abgekauft. Der Geschichtspark ist seit 1967 Gedenkstätte für die 2500 meist französischen oder norwegischen Häftlinge, die hier während des Zweiten Weltkrieges einsaßen. Sie mussten damals in der Außenstelle des KZ Sachsenhausen für die DEMAG Munition fertigen oder Panzerketten aufziehen. Das Gebiet liegt in der Nähe der heutigen Semmelhack-Siedlung. 1976 entdeckte man übrigens bei Baggerarbeiten Mammutfossilien aus der letzten Eiszeit im Geschichtspark.

Die letzte Station der Rundreise ist die Botschaft von Madagaskar, die kurioserweise direkt in Falkensee liegt. Auf dem Weg dorthin fährt die Reisegruppe vorbei an Falkensees lukrativer Wohnlage am Falkenhagener See. Auch Schauspieler wie z.B. Hanjo Hasse wohnten damals hier. In der Haydenallee 9 bis 11 lag zu DDR-Zeiten auch das Gästehaus der Staatssicherheit, in dem sich auch viele Jagdtrophäen befanden. Vorbei führt die Fahrt auch an der „Roten Villa“ an der Schönwalder Straße. Diese hatte damals ein Süßwarenfabrikant seiner Tochter zur Vermählung geschenkt. Das Firmenlogo „Max und Moriz“ ziert noch heute den Dachgiebel. Die an der Seepromenade gelegene Botschaft von Madagaskar mit der auffallend orangenen Fassade symbolisiert für die Leiterin der Stadtrundfahrt das „neue, moderne Falkensee nach der Wende“ und bringt seither viel internationales Flair nach Falkensee.

Seither ist Falkensee nicht mehr nur die Gartenstadt, wie die grüne Vorstadt inmitten der Natur oft genannt wurde. Die einzelnen Parzellen der drei Dörfer und dem Forstgebiet von damals wachsen nun hoffentlich endgültig zu einer bald eigenständigen modernen City mit zentralem Stadtkern zusammen.

Das Heimatmuseum veranstaltet die nächste Stadtführung bereits im Oktober 2008. Die Plätze sind rar gesät, deswegen sollten sich Interessierte zügig um eine Reservierung bemühen. (H.R.)

Kontakt: Heimatmuseum, Frau Helbig, Falkenhagener Straße 77, 14612 Falkensee, 03322- 22288

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