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28.06.2008

Zitadellen-Schänke: Mittelalterliches Ritteressen

ZitadelleSeit 800 Jahren atmet die Spandauer Zitadelle Geschichte pur. Früher wurden hier in den dicken Trutzmauern die Gefangenen inhaftiert, heute finden an dieser Stelle Musikkonzerte statt. Immerhin können die Besucher in der Zitadellenschänke noch einmal die Zeit zurückdrehen: Bei einem mittelalterlichen Ritteressen kommen die alten Sitten und Gebräuche wieder zum Vorschein.

Am 26. Dezember 1352 übergab Markgraf Ludwig der Römer dem Rate von Spandow sein „Haus“, die „Vorburgk“. Auch der Juliusturm gehörte damals zu diesem Gelände. Schon um 1600 n. Chr. soll der Ausdruck „jemanden mit dem Juliusturm bestrafen“ ein geflügeltes Wort zur Androhung der Gefängnis-Strafe für Strolchdiebe gewesen sein.

In der Zitadellenschänke jedoch sitzt der hungrige Besucher nicht bei Wasser und Brot, wie das die armen Tunichtgute im Juliusturm erdulden mussten. Ganz im Gegenteil: Im kühlen, dunklen Tonnengewölbe für etwa 150 Gäste, in dem auch eine Statue von Albrecht des Bären zu bewundern ist, kann man eine Zeitreise direkt ins Mittelalter erleben und selbst an einem zünftigen Rittersmahl teilnehmen.

„Wohl an denn, Knappen und Mägde sind bereit, Euch zu bewirten und rustikale Tafelfreuden aufzutragen“, spricht dann auch schon bald der mittelalterlich gekleidete Vasall am Eingang der steinernen Schänke, an deren rustikalen Holztischen die Gäste aus Berlin und dem Umland Platz genommen haben. Der Auftakt zum feudalen Rittermahl beginnt zunächst mit einer rituellen Handlung: Der Handwaschung, die von den Mägden in mittelalterlichen Gewändern gekleidet, sehr gewissenhaft durchgeführt wird. Der Knecht in seinen historischen Gewändern bringt dann auch schon den weinroten „Sabberlatz“, um unschicklichem Kleckern vorzubeugen. Die Magd wiederum serviert einen ersten leichten Aperitif im rustikalen Ochsen-Horn, das reihum geht, sodass jeder einmal probieren kann. Auf den üppig beladenen Tischen stehen schon – auf einer eisernen Etagere angerichtet – köstlich arrangierte Vorspeisen. Dazu gibt es zunächst zum Stillen des ersten Hungers Brot und Schmalz.

Anschließend achtet man am besten gar nicht mehr auf die Kalorien. Dann macht es viel mehr Spaß, sich über die verschiedenen Vorspeisen herzumachen: Da gibt es etwa gefüllte Weinblätter, die aromatisch-körnig schmecken, grüne und schwarze Oliven, einen leichten und nussig mundenden Hirsesalat und gebackene Pastete aus Hackfleisch, die sehr würzig ist. Ungewöhnlich lecker ist auch das frische Auberginenpüree. Die knackig roten Radieschen und die grünen Peperoni fallen ebenfalls sehr angenehm ins Auge. An allen Tischen wird dabei nach Kräften mit den Händen zugegriffen.

Nach einer kleinen Pause kümmert sich der Bänkelsänger besonders um das Wohl die weiblichen Gäste und singt seine Moritaten. „Wie schön will uns der Maien“ trällert er dann und spielt dazu den Dudelsack. Diese zeitgenössischen Darbietungen machen mit den einzigartigen Zauber eines Mittelalteressens aus, kann man sich doch nun viel besser vorstellen, wie so eine Speisung Anno dazumal vonstatten ging.

Als nächstes kommt eine kräftige Suppe mit Möhren, Erbsen, Lauch und Zwiebeln in der eisernen Terrine auf den Tisch. Rustikales Besteck – ein Messer und ein Löffel – wird dazu serviert.
„Wohl an denn, wir sind bereit und werden gestärkt“, singt der Barde und leitet damit den Hauptgang ein. Auf einer eisernen Pfanne wird nun der saftige Schweinebraten und das würzig gepökelte Schweinefleisch in dunkler Bratensauce serviert. Auch die gratinierten Kartoffeln in irdenen Schalen und das Gemüse – Karotten in Sahne-Sauce – schmecken den Gästen hervorragend.

Nach einer kleinen Pause ist das Publikum dann mit Wein und Essen so auf die damalige Zeit eingestellt, dass es dem Bänkelsänger nicht schwer fällt, den Gästen das mittelalterliche Lied „All voll“ beizubringen. Dieses schöne Lied besteht tatsächlich nur aus diesen zwei Worten und lässt sich deshalb auch im alkoholisierten Zustand sehr gut mitsingen.

Dann kommt auch schon der Nachtisch. Das Dessert besteht aus frisch gekühlten Erdbeeren, die wie in einem Kranz um eine kalte Schale mit Vanillecreme herum gruppiert sind. Das Ganze wird auf einem Silbertablett sehr stilvoll arrangiert. Einfach köstlich und zum Nachahmen und „Gäste beeindrucken“ sicher sehr geeignet!

Nach angenehmen Tischgesprächen ist das Ende der Veranstaltung aber noch immer nicht erreicht. Denn vorher wird die Käseplatte mit schnittfestem Brie, würzigem Edamer, Weintrauben und scharfen Rettich serviert. Zum Abschluss erscheinen dann die mittelalterlichen Gaukler zum Spektakel, mit Trommlerinnen und Hexentanz, sogar mit einem brennenden Schwert. Auch die Möglichkeit für ausgewählte Gäste, zum Ritter geschlagen oder zur Edeldame ernannt zu werden, wird gern und unter Beifall genutzt. (H.R. /cs)

Kontakt: Zitadellenschänke Spandau, Am Juliusturm, 13599 Berlin, Tel. 030-334 21 06, Montag Ruhetag

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