Anzeigenzeitung für Falkensee, Schönwalde, Brieselang & Dallgow-Döberitz - 03322-5008-0 - info@falkenseeaktuell.de

28.11.2008

Notgeld 1921

geldIn Opas alter Briefmarkensammlung haben wir ein Tütchen mit alten Geldscheinen gefunden: Notgeld aus dem Jahr 1921, gedruckt zum größten Teil in Neuruppin, was ja von Falkensee gar nicht so weit entfernt liegt. Die Geldscheine tragen Werte wie 10, 25 oder 50 Pfennige und sind oft nicht größer als die Fläche einer Streichholzschachtel. Spätere Geldscheine aus dem Jahr 1923 machen uns bereits zum Millionär oder Billionär: Hier wurden gewaltige Summen zu Papier gebracht. Wie kam es zu dieser Geldausgabe? Wir haben nachgeforscht.

Der Erste Weltkrieg hatte zu einer deutlichen Verknappung des Kleingelds im Land geführt. Kupfer- und Nickelmünzen waren gezielt von der Rüs­tungsindustrie eingezogen worden, um daraus Munition und Waffen für den Krieg zu fertigen. Zugleich haben die Bürger Silbermünzen gehortet und versteckt, da ihr Materialwert ungleich höher war als der aufgedruckte. 1923 fehlte es dann bereits an allen Ecken und Enden am nötigen Klimpergeld. Die kleinen Münzen, die uns heute so oft das Portemonnaie ausbeulen, die gab es auf einmal nicht mehr.

Die Städte, Gemeinden, Kreise und sogar einzelne Privatfirmen gaben deswegen im lokalen Umfeld das so genannte „Notgeld“ heraus. Die bunten Scheine waren oft nur im Ort gültig und mit einem Haltbarkeitsdatum versehen. Auf einem 50-Pfennig-Schein der Stadt Neuruppin stand so etwa zu lesen: „Dieser Gutschein wird von der Stadthauptkasse, Stadtsparkasse und Girokasse in Zahlung genommen, er verliert seine Gültigkeit einen Monat nach Aufkündigung in der Märkischen Zeitung. Die Stadtgemeinde Neuruppin haftet für die Einlösung.“

So unterschiedlich die einzelnen Geldscheine aussahen, so künstlerisch wertvoll waren sie alle auf der Rückseite. Hier wurden Gedichte, Kupferstiche und sogar lustige Bildergeschichten veröffentlicht. Die Geldscheine mit den kleinen Beträgen 1, 2 und 5 Pfennige bezeichneten die Menschen gern als „Bäckerpfennige“, weil sie in den Backstuben besonders häufig eingesetzt wurden. Die späteren Geldscheine im Wert zwischen 1 und 100 Mark galten als „Großgeld“.

Als die Reichsbank wieder dazu in der Lage war, selbst genügend Geldscheine zu drucken, wurde das Großgeld um 1921/22 wieder eingezogen. Das Reichsgesetz vom 17. Juli 1922 verbot dann sogar weitere Notgeldausgaben. Doch dieser Erlass hielt gerade einmal eine Woche…
(Fortsetzung folgt)

Seitenaufrufe: 7

Unsere Schwestern­zeitung

ZEHLENDORF.aktuell

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Anzeige