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29.11.2009

Interview mit Gunter Demnig

demnigGunter Demnig ist das Gesicht hinter der Aktion Stolpersteine. Unermüdlich reist er durch das Land, um weitere Steine zu verlegen und so etwas für die Erinnerung im Lokalen zu unternehmen. Wir stellten ihm drei exklusive Fragen.

Falkensee aktuell: Muss man heute noch aktiv gegen das Vergessen angehen?

Gunter Demnig: Ich denke schon, dass es weiterhin sehr wichtig ist. Man kann ja sagen, dass die damaligen Geschehnisse im Grunde genommen 60 Jahre lang zwar nicht vergessen, aber doch verdrängt wurden. Ich habe das Gefühl, dass jetzt die Enkelgeneration und zum Teil sogar bereits die Urenkelgeneration ganz genau wissen möchte, wie so ein Gräuel im Land der Denker und Dichter überhaupt passieren konnte. Für sie und die kommenden Generationen machen wir das.

Falkensee aktuell: Bei der Forschungsgruppe sind ja überraschend viele junge Leute mit dabei. Ist es für die jungen Menschen wichtig, mehr über die vergessenen Schicksale aus der eigenen Stadt zu erfahren?

Gunter Demnig: Gerade dieses sehr handfeste Erfahren in der Dorfgemeinschaft ist viel, viel intensiver, als wenn man abstrakt liest, dass sechs Millionen Menschen in der Nazizeit umgekommen sind. Jetzt erfährt man auf einmal, dass hier in der eigenen Stadt in einem bestimmten Haus jemand gelebt hat, der damals vielleicht nur ein falsches Wort gesagt hat und dann abgeholt wurde, um nie wiederzukehren. Wenn man sich mit den Namen der Opfer und mit ihren Lebensgeschichten beschäftigt, dann wirkt das sehr nach.

demnig

Falkensee aktuell: Manche Leute haben etwas dagegen, dass in ihrer Nachbarschaft oder vielleicht direkt vor ihrer Haustür ein neuer Stolperstein verlegt wird. Was sagen Sie da?

Gunter Demnig: Das sind oftmals vorgeschobene Sachen. Oft höre ich, dass die Menschen Angst um ihre Fenster haben, weil sie vielleicht eingeworfen werden, wenn vor ihrem Haus ein Stolperstein verlegt wird. Oder dass die Rechten dann Hakenkreuze schmieren. Da kann ich nur sagen: Niemand braucht Angst zu haben. Wenn, dann werden die Steine selbst angegriffen. Es sind niemals die Häuser, Personen, Geschäfte oder Schaufenster.

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