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06.02.2010

Historische Stadtführung mit Erik Semler

hsitorie1Viele neu Zugezogene möchten gern mehr erfahren, mehr vom historischen Falkensee. Die Gelegenheit dazu hatten alle interessierten Falkenseer zuletzt am Sonntag, dem 10. Januar – und zwar bei einer organisierten zweistündigen historischen Führung mit dem Stadtführer Erik Semler. Wir waren mit dabei.

Um 14 Uhr traf sich die Gruppe am Rathaus Falkensee, in dem heute die Belange der Stadt mit seinen über 40.000 Einwohnern organisiert werden. Auf dem Gelände stand bis 1918 die Oberförsterei. Hier war der Arbeitsplatz des Königlichen Oberjägers Johann Gotthold Enckes. Um dessen Schwester Wilhelmine, die spätere Fürstin von Lichtenau, ranken sich immer wieder kuriose Geschichten, vor allem über eine Liebschaft mit dem späteren König Friedrich Wilhelm II.

Stadtrechte erhielt Falkensee am 7. Oktober 1961. Direkt im kleinen Park gegenüber vom Rathaus wurde zu diesem Anlass damals die Stadteiche gepflanzt. „Ein Stein mit Inschrift erinnert noch daran“, erklärt der Stadtführer Herr Semler, der unsere kleine Gruppe durch den Ort führt. Nicht weit entfernt von der Eiche steht das Mahnmal für die Opfer des Faschismus mit dem leuchtenden roten Dreieck. Das rote Dreieck steht übrigens als Symbol für die inhaftierten Kommunisten in der Zeit des Nationalsozialismus. „Unser Opfer, unser Kampf gegen Faschismus und Krieg, den Lebenden zur Mahnung und Verpflichtung“ steht da in Stein gemeißelt.

Das älteste Wohnhaus von Falkensee findet man ganz in der Nähe, direkt in der Freimuthstraße. Es ist ein Märkisches Mittelflurhaus von anno 1807.

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Hinter dem Dorfanger, dem Pfennepfuhl, der erst kürzlich von Schilf befreit wurde, steht das „älteste Gebäude von Falkenhagen“, so teilt uns der Historiker mit. „Das ist die Kirche Falkenhagen aus dem 14. Jahrhundert. Nach einem Brand um 1675 wurde sie wieder neu erbaut.“ Gleich dahinter sieht man das heutige Haus am Anger von 1896. Damals diente es als Gemeindeschule. Viele Ur-Falkenseer erinnern sich noch daran. In der Nachkriegszeit wurde es als Komandatura der Roten Armee verwendet. Heute ist das rote Backsteinhaus das Creativ Zentrum von Falkensee.

Weiter geht es in Richtung Seegefeld. „Das frühere Amtsgericht mit Wache und Gefängniszellen steht in der Freimuthstraße 22“, erzählt der Stadtführer. Dort befindet sich heute das Lokal „schrääg rüber“. Auf dem Weg nach Seegefeld kommt die Gruppe am Schlaggraben vorbei. „Seegefeld und Falkenhagen sind getrennt durch einen Graben, den Schlaggraben“, erklärt der Historiker. „Schon seit dem Mittelalter war das die historische Ortsgemarkung, also die Grenze zwischen den jetzigen Stadtteilen“. Der Graben ist Bestandteil der hier typischen havelländischen Luchlandschaft und hat seinen Ursprung im Urstromtal. Wenige Meter weiter erinnert daran ein Straßenschild „Zu den Luchgärten“.

Am 1. April 1923 wurden die beiden Orte Falkenhagen und Seegefeld zu Falkensee zusammengefügt.

Gleich in der Bahnhofstraße im Haus 49 befindet sich das evangelische Gemeindehaus Seegefeld. Spontan erinnert sich eine Teilnehmerin: „Da oben, direkt unterm Dach, wurden wir in Christenlehre unterrichtet, von Frau Dr. Löwenklau, der Religionslehrerin.“ Über den Hof des Gemeindehauses geht es nun in die Seegefelder Kirche, ein ursprünglicher Feldsteinbau aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. Die Kirche ist nach Osten hin ausgerichtet und enthält oberhalb der Patronatsloge ein schönes Stuckrelief. Es zeigt das Allianzwappen des Stifters, Hans Georg von Ribbeck (1728 bis 1784), für dessen Familie die Patronatsloge reserviert war. Besonders eindrucksvoll sind die Spitzbogenblenden außen an der Süd- und Ostseite der Kirche. Die Turmuhr hängt an einer Seite des alten Wehrturmes.

„Mit seinen meterdicken Mauern bot er der Bevölkerung damals letzte Zuflucht in Not“, teilt uns Herr Semler mit. „Möglicherweise gibt es auch einen unterirdischen Verbindungsgang zum damaligen Gutshof Seegefeld, dem ehemaligen Rittergut“, verrät uns der Stadtführer. Der Gutshof wurde jedoch bereits 1960 abgerissen. An der Stadthalle vorbei geht es zu einer weiteren früheren Schule, der jetzigen Stadtbibliothek, die in der Straße am Gutspark zu finden ist. Gleich gegenüber befindet sich auch die moderne Europa-Schule.

Wer noch mehr über Falkensee erfahren möchte, kann gerne am 11. April 2010 um 15.00 Uhr an der nächsten Führung, diesmal mit Schwerpunkt Seegefeld, teilnehmen. Treffpunkt ist dann die Konditorei Wenzel in der Bahnhofstraße. Die Führung kostet 5 Euro und ist für Kinder bis 16 Jahren in Begleitung eines Erwachsenen kostenlos. (H.R.)

Kontakt: Historiker Erik Semler, Torweg 76, 13591 Staaken, Tel. 030-36703327

Fotos: Heike Rattunde

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