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02.04.2010

Scheibes Glosse: Herr der Ringe

scheibeWenn ich besonders gestresst bin, eine Aufmunterung benötige, neue Energie schöpfen möchte oder richtig schlecht drauf bin, dann hilft nur eins: Füße auf dem Tisch und „Herr der Ringe“ Teil 1 bis 3 gucken – am besten am Stück. Bei Frauen kennt man das ja. Wenn sie sentimental werden, Freundinnen zu Besuch haben oder den Abgang eines weiteren miesen Kerls zu verkraften haben, dann schieben sie einen ganz besonderen Film in ihren DVD-Player.

Einen, den sie schon tausend Mal gesehen haben und der ihnen mit den vertrauten Szenen und Dialogen neue Kraft gibt.

Die Filme, die dann zum Einsatz kommen, heißen „Dr. Schiwago“, „Flashdance“, Love Story“, „Abbamania“ oder „Dirty Dancing“. Männer nehmen da mit bleicher Gesichtsfarbe Reißaus, sobald diese Schmachtfetzen in den Player wandern. Aber: Das bedeutet noch lange nicht, dass wir Kerle nicht auch unsere ganz „besonderen“ Filme haben.

Mein ganz persönlicher Film, der mich immer wieder aufbaut, ist „Herr der Ringe“. Die Bücher haben mich bereits umgehauen. Aber die Filme von Peter Jackson sind für mich persönlich das Beste, was jemals ins Kino gebracht wurde. Ich weiß noch genau, wie ich mit offenem Mund gestaunt habe, als ich den zweiten Teil in der legendären Kinonacht der Berliner Waldbühne gesehen habe. Und wie ich mit den Jungs alle drei Teile an einem Stück im Spandauer Altstadtkino gesehen habe – von nachmittags um fünf bis morgens um drei. Mit dem Schrei „Freiheit für Gondor“ sind wir nachts aus dem Kino gestürmt. Seitdem zeigen wir Kerle uns nicht mehr unsere Narben, um anzugeben, sondern fragen lieber, ob man bereits das „Herr der Ringe“ Tripel-am-Stück gemeistert hat oder nicht.

In meinem Schrank stehen die drei Extended DVD-Versionen mit gefühlten 400 Stunden Film. Neun Mal habe ich die Trilogie jetzt bereits gesehen, in den letzten Tagen war die zehnte Runde an der Reihe. Geguckt wird immer im Redaktionskeller – auf dem 28-Zoll-Monitor mit 7.1-Soundanlage. Wenn zig tausend Orks und Uruk-Hais gegen die meterdicken Mauern der Helms Klamm anbranden, dann muss der Subwoofer unter dem Tisch so sehr brummen, dass auch die eigenen Hauswände wackeln. Oft kommt genau dann der Anruf aus dem Dach, wenn die weibliche Hälfte der Familie nachfragt, ob ich denn nun völlig irre geworden bin.

Aber die eigenen Sorgen und Nöte reduzieren sich eben auf Null, wenn das ganze Auenland auf dem Spiel steht, der eine Ring immer noch nicht vernichtet ist und die schöne Arwen noch nicht in den Armen von König Aragorn liegt. Ja, auch wir Männer haben eine romantische Ader. Obwohl es aufregender ist, die Schlacht um die Weiße Stadt Minas Tirith zu beobachten, als Aragorn beim Knutschen zuzusehen.

Und wenn ich dann nach dem Abschluss der Trilogie vor das Haus trete und in meiner zerklüfteten Sandstraße wieder der Wind den Staub durch die tiefen Schlaglöcher pustet, dann wähne ich mich plötzlich in der Rittermark von Rohan, in steter Erwartung der wilden Horden Sarumans. Aber es ist nur der Postbote, der mich aus meinen Tagträumen reißt. Er bringt Rechnungen. Vielleicht sollte ich „Herr der Ringe“ Teil 1 gleich noch einmal ins Laufwerk legen? (Carsten Scheibe)

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