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04.06.2010

Historisches Seegefeld

semler1Viele „Neu-Falkenseer“ haben ein echtes Interesse an ihrer Stadt und besuchten am 11. April die Stadtführung von Historiker Erik Semler, der viel Wissenswertes über Seegefeld zusammengetragen hat. Vor dem früheren „Haus der Dame“, dem jetzigen Fahrradland in der Bahnhofstraße, zeigte Herr Semler eine historische Karte von 1925 und erklärte die damaligen Flächenverhältnisse eingehend.

Dabei haben sich die Einwohnerzahlen von Falkensee stark verändert: „Am 1. April 1923 wurden die beiden Orte Seegefeld und Falkenhagen zusammengelegt. Waren es 1945 noch 30.000 Einwohner, so sank die Zahl in DDR-Zeiten bis 1989 auf 23.000 Einwohner. Heute im Jahre 2010 haben wir bereits 40.000 Einwohner im Gebiet Falkensee, das eine Fläche von 42 Quadratkilometern hat“, erklärt der Historiker.

Vor der Löwen-Apotheke in der Bahnhofstraße wies Herr Semler auf das eindrucksvolle Gebäude hin. Bereits am 23. Mai 1905 gab es einen Ratsbeschluss, eine Apotheke im Ort anzusiedeln, damit man für Medikamente nicht immer auf Fahrten ins angrenzende Spandau angewiesen war. Seit 1907 gab es die Löwen-Apotheke im Ortsteil Seegefeld, das Haus wurde 1906 erbaut.

„Links vom Gemeindehaus der Seegefelder Kirche in der Bahnhofstraße war um 1910 der Dorfteich angesiedelt. Das war damals die typische Anordnung für ein Rundlingsdorf, mit den niedrigen Brandenburger Dorfhäusern, die um den Dorfanger herum angesiedelt waren“, teilt Herr Semler den etwa zwanzig interessierten Teilnehmern mit, die für 5 Euro an seiner Stadtführung teilnehmen.

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Diese besuchten gleich anschließend auch die kreuzförmige Seegefelder Kirche mit der Patronatsloge derer von Ribbeck, die um 1590 Rittergutsbesitzer von Seegefeld waren. Die Ribbecks hatten ihren Stammsitz damals in Groß Glienicke. Für eine Hochzeit benötigte die Dorfbevölkerung damals noch die Genehmigung vom Gutsherren. Er finanzierte 1727 auch den nördlichen und 1742 den südlichen Anbau der Seegefelder Kirche. „Auch der Altar und die Kanzel aus dem Jahre 1662 sind sehenswert“, teilt Herr Semler seine Zuhörern mit.

Diese Kirche war bis zum 1. November 1539 katholisch, bis Kurfürst Joachim der II. den Religionswechsel zum Protestantismus einleitete. Besonders wies der Stadtführer noch auf den trutzigen Wehrturm hin, der den Bewohnern von Seegefeld in Notzeiten als Zuflucht vor Angreifern diente.

Am Gutspark, etwa in Höhe des Brunnens auf dem Gelände der jetzigen Stadthalle, stand um 1910 das hochherrschaftliche Haus, der Gutshof. Nach 1945 hatte es schon die Funktion des Rathauses, dort wurden von den deutschen Behörden auch Bezugsscheine und Lebensmittelmarken ausgegeben. Angrenzend lag damals das waldreiche Gelände des Gutsparks und eine Schnaps-Brennerei. Vorbei an der jetzigen Europaschule, der damaligen „Ernst-Thälmann Polytechnischen Oberschule“, der POS, führt der Weg über die Brücke zum Schlaggraben zur katholischen Kirche St. Konrad, die am 4. November 1931 erbaut wurde und malerisch in der Straße „Am Tiefen Grund“ liegt.

Durch die jahrhundertealte natürliche Grenze des Schlaggrabens war Seegefeld von Falkenhagen getrennt.

Vom „Radweg der Sympathie“ aus gesehen liegt links in Sichtweite die jetzige Stadtbücherei, die frühere Stadtschule. Eine Zeitzeugin erinnert sich: “Das war früher das Gymnasium, die EOS, die ‚Erweiterte Oberschule‘. Meine beiden Söhne gingen dort zur Schule.“

Weiter entlang des Weges befindet sich nun der Neubau des Stadtparkplatzes von Falkensee. Auf dem Weg zum Bahnhof kommt die Gruppe nun auch am alten Posthaus in der Poststraße 31 vorbei. Links von diesem Gebäude befindet sich seit kurzer Zeit die Straße mit der Bezeichnung „Fritz-Müller-Weg“. Diese bezieht sich auf den beliebten Ortschronisten Friedrich „Fritze“ Müller, geboren im Jahre 1898, dessen „Dorfgeschichten von Fritz Müller“ auch im Heimatmuseum zu erhalten sind.

Er rief übrigens auch 1952 die Falkenseer Heimatsausstellung ins Leben und führte das Heimatmuseum bis 1992 im Nebengelass rechts neben dem Falkenseer Rathaus, hinter dem Meilenstein. Die Idee, das original Fachwerkhaus der Klostermühle in Spandau abtragen und ganz neu in Falkenhagen wieder aufbauen zu lassen, fand auch bei den Falkenseern Anklang. Ab 1992 wurde es zum Heimatmuseum (in der Falkenhagener Straße 77) ausgebaut.

Die nächste Führung, dann mit dem Thema „Falkenhagen“, findet am 23. Mai um 15 Uhr mit Treffpunkt vor dem Rathaus Falkensee statt. (H.R.)

Kontakt: Historiker Erik Semler, Torweg 76, 13591 Staaken, Tel. 030-36703327

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