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04.06.2010

Scheibes Glosse: Mieses Karma

scheibeManchmal habe ich einfach nur richtig viel Glück. Alles läuft, es liegt mehr Arbeit auf dem Tisch, als ich sie in einem halben Leben wegarbeiten kann. Das Konto füllt sich. Aber das Karma sorgt leider schnell dafür, dass alles im Gleichgewicht bleibt. Warum aber nur auf so üble Weise?

Es läuft. Seit November geht es in der Firma richtig rund. Pro Tag rauschen mehr Aufträge herein, als ich sie wegarbeiten kann. Das ist gut so, denn auf diese Weise kann die Kriegskasse wieder aufgefüllt werden. In der Folge ackere ich jeden Tag bis zum Augenstillstand und bis morgens in der Früh. Es macht Spaß, Rechnungen zu schreiben – und draußen ist eh mieses Wetter.

Aber das Karma ist ein mieses Ding. Diese Naturgewalt sorgt dafür, dass alles im Gleichgewicht bleibt. Das fängt bei mir so an: Das Wetter wird besser, die Sonne strahlt nur so. Die Freunde rufen an: Wie wäre es mit einer Runde Golf? Zähneknirschend muss ich ablehnen: Ich muss arbeiten. So ein Mist.

Und es geht weiter. Die Jungs gehen ins Kino – ich muss absagen. Ganz schön blöd, wenn auf einmal keine Freizeit mehr da ist.

Dann geht das Karma mir ans Geld. Erst geht die Hebepumpe im Bürokeller kaputt. Ein Tausender geht nur dafür drauf. Kurz darauf verabschiedet sich ohne Vorwarnung die Telefonanlage der Firma. Nach 12 Jahren. Der Spezialist aus Nauen rauscht mit einer prophylaktischen Ersatzanlage an, glaubt aber an eine schnelle Reparatur. Vier Stunden später ist er immer noch da. Was an der lustigen Verkabelung liegt, die er so wohl noch nie zuvor in seinem Leben gesehen hat. Das muss alles neu gemacht werden. Das wird bestimmt teuer. Da gehen meine Gewinne seit November gleich wieder den Bach runter. Das Karma ist unerbittlich: Und legt auch noch den Fernseher oben drauf: Der muss auch erneuert werden. Und im Bad ist irgendetwas undicht. Das muss bestimmt aufgeklopft werden. Ist ja gut, liebes Karma. Jetzt reicht es aber langsam.

Aber wenn so ein Karma am Arbeiten ist, dann aber richtig. Eigentlich wollte ich vor dem Karma verheimlichen, dass mich eine Firma für vier Tage nach Island eingeladen hat. Ich freue mich wie Bolle. Da kommt man sonst ja nie hin. Ich höre von Segeltouren, Gletscherläufen und Baden in warmen Quellen. Und kaum steht die Reise vor der Tür, bricht der blöde Vulkan aus – auf Island. Die ganze Reise steht auf einmal in den Sternen.

Und kurz bevor ich die ganze Arbeit verfluche und mich dafür verdamme, warum ich nix Anständiges gelernt habe, ruft auch noch der Steuerberater an: Steuerprüfung. Und das auch schon in zwei Wochen. Mein Kopf knallt auf die Tischkante. Womit habe ich das alles nur verdient?

Ich schalte den PC aus, schnappe mir den Hund und geh eine große Runde spatzieren. Vielleicht besänftigt das ja mein Karma wieder. Aufträge nehme ich jedenfalls keine mehr an. (Carsten Scheibe)

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