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04.09.2010

Voyeur im Internet

googleGoogle hilft dabei, sich zu orientieren. Der Online-Suchriese holt mit Google Maps gern eine genaue Straßenkarte von Falkensee und Umgebung auf den PC-Bildschirm. Hier ist es möglich, gezielt nach einzelnen Adressen zu fahnden und eine komfortable Routenplanung zu betreiben. Wer in die Satellitenansicht wechselt, kann seinen Nachbarn sogar direkt in den Garten schauen.

Die Luftaufnahmen von Falkensee sind zwar nicht auf dem allerneuesten Stand, aber erstaunlich hochauflösend. Wer diese Bilder bereits als Eingriff in die eigene Privatsphäre versteht, geht zurzeit erst recht auf die Barrikaden. Denn Google plant, seinen Dienst Street View noch in diesem Jahr nach Deutschland zu holen und in 20 großen Städten zu starten. Und das ist erst der Anfang. So gut wie jede Straße in Deutschland soll bereits von den Google-Autos fotografiert worden sein. Innerhalb weniger Monate wird dann ganz Deutschland bei Google Street View zu sehen sein. Das gilt natürlich auch für Falkensee und die anderen Städtchen und Dörfer im Speckgürtel von Berlin.

Was ist Google Street View eigentlich? Das ist ein Dienst, der in den USA und in vielen anderen Ländern bereits seit Jahren verfügbar ist. Dabei ist es möglich, eine 360°-Panorama-Ansicht beliebiger Straßen in den eigenen Web-Browser zu laden. Die Hausfassaden werden 1:1 so gezeigt, wie man sie auch tatsächlich von der Straße aus betrachten könnte. Google setzt dabei die einzelnen Fotos, die das Google-Auto aufgenommen hat, einfach zu einem Panorama zusammen.

Der Vorteil von Street View für die Allgemeinheit ist sehr groß. Wer eine neue Wohnung mieten, ein Hotel buchen oder einen Urlaub antreten möchte, kann sich dank Google Street View bereits vom eigenen Büroschreibtisch aus virtuell vor Ort umsehen und genau überprüfen, wie es in der Nachbarschaft so aussieht. Viele Hausbesitzer sehen sich aber in ihrer Privatsphäre gestört oder haben Angst, dass Einbrecher den neuen Dienst nutzen könnten, um lohnenswerte Objekte ohne Risiko auszuspionieren. Oft genug geht auch die Angst um, was die „Datenkrake“ Google wohl alles mit den eigenen Daten anstellen wird.

Während ganz Deutschland noch diskutiert, wie Google sich erdreisten kann, ungefragt die eigenen Häuser zu fotografieren, hat die Anwaltskanzlei WILDE BEUGER & SOLMECKE (www.wbs-law.de) die Gesetzeslage geprüft und festgestellt: alles rechtens, Google darf das.

So gibt es bereits mehrere Gerichtsurteile darüber, dass Wohnhäuser auch ohne Erlaubnis fotografiert werden dürfen, wenn dies vom öffentlichen Gelände aus erfolgt. Wer erst über einen Zaun steigt, um ein Foto zu schießen, darf das nicht. Aber von der Straße aus – kein Problem. Dabei ist es sogar erlaubt, die Fotos gewerblich zu nutzen.

Sind Personen auf den Bildern zu sehen, gilt das Recht der Menschen am eigenen Bild. Allerdings erschwert Google eine Identifizierung und pixelt alle Gesichter aus. Hinzu kommt, dass die Personen nur als „Beiwerk“ zum eigentlichen Motiv zu verstehen sind, sodass eine Genehmigung zum Veröffentlichen der Bilder nicht eingeholt werden muss – sagt Rechtsanwalt Frank Fischer von der genannten Kanzlei.

Rechtsanwalt Frank Fischer: „Geltendes Recht und Google Street View vertragen sich ohne Probleme. Zugegeben: Mit Google Street View soll ein Produkt in Deutschland eingeführt werden, das es zuvor in diesem Umfang noch nie gab. Die Masse an Bildmaterial ist tatsächlich überwältigend – so soll Google mehr als 1 Petabyte Rohdaten gesammelt haben. Doch dadurch wird ein an sich legaler Dienst nicht rechtswidrig. Die schiere Datenmasse erhöht nicht die Eingriffsintensität beim Einzelnen. “

Wer nicht möchte, dass sein Haus bei Google Street View zu sehen sein wird, kann online Widerspruch unter www.google.de/streetview einlegen. Diese Seite stellt den Dienst auch genauer vor. Das Widerspruchsformular soll noch eine ganze Weile online stehen. Bereits am ersten Tag (17.8.10) sollen über 10.000 Bürger das Formular genutzt haben.

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