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31.05.2014

Scheibes Kolumne: Einfach toll, so ein Mann!

0911 scheibeEigentlich ist er ja ganz toll, so ein Mann. Wenn es ihn nicht schon längst geben würde, man müsste ihn erfinden. Ganz schnell. Denn er ist so einfach in der Pflege. So ein Mann kann mit allem ernährt werden, was unterwegs abfällt. Er gibt sich morgens schon mit Rostbratwürstchen und Senf zufrieden, braucht mittags nur ein fettiges Nackensteak und schafft es abends ohne Probleme, parallel ein Eisbein mit Erbsenpürree und einen Vanilleeisbecher mit Sahne reinzuschaufeln.

Geht die Figur dann aus dem Leim, verliert der Mann alles, nur nicht das Selbstvertrauen. Nackt watschelt er stolz durch die Wohnung, klatscht sich selbstbewusst vor dem Spiegel auf den behaarten Hintern und nickt bewundernd: „Ja, dieser gottgewollte Körper ist ein Geschenk der Liebe.“

Er hat auch kein Problem mit seinem stetig schwindenden Kopfhaar. „Auf Stahl wächst ja schließlich auch kein Rasen“, heißt es dann. Und überhaupt ist alles eine Frage der Mathematik. Die Haare, die sich auf der Stirnplatte auflösen, tauchen schließlich in besonders borstigen Versionen in den Ohren, in der Nase, auf den Füßen und vor allem auf dem Rücken wieder auf. Nichts geht verloren.

So ein Mann, der repariert alles in der Wohnung selbst – nur mit Spucke, Schraubenschlüssel und etwas Ohrenschmalz. Wird der Mann nicht benötigt, dann kann er auch Stunden damit verbringen, eben dieses Ohrenschmalz zu Tage zu fördern. Man(n) weiß ja nie, bei welcher Reparatur es wieder benötigt wird. Gibt es gerade keine Aufgabe für den Mann, so setzt man ihn vor einen Grill, schaltet Fußball im Fernsehen ein oder legt ihn ins Bett. Nahezu jeder Mann ist dazu in der Lage, in vier Minuten einzuschlummern.

Das ist kein Wunder: Existenzielle Sorgen oder Grübeleien sind dem Mann per se unbekannt. Während Frauenhirne den ganzen Tag über auf Hochtouren laufen und nur schwer abzuschalten sind, müssen Männerhirne bei Gebrauch erst mühsam gestartet werden wie alte Oldtimer. Liebe Worte können da helfen, ein fester Tritt ist in seiner Wirkung aber noch viel sicherer.

Aber leider klappt auch nicht alles beim Mann. So repariert er zwar zuverlässig Waschmaschinen, schraubt Regale an die Wand oder bringt das Auto in Schuss. Nur – es kann dauern. Während er für Freunde und vor allem für fremde Frauen sofort alles stehen und liegen lässt und den Werkzeugkoffer schultert, brauchen Umbaumaßnahmen im eigenen Heim schier ewig: „Schatz, wenn ich als Mann sage, ich mach das, dann mach ich das auch. Du brauchst mich nicht alle sechs Monate wieder neu daran zu erinnern.“

Der sanftmütige Mann, immer so leicht zu beschäftigen und ruhigzustellen wie ein vierjähriges Kind (auf dessen geistigem Niveau er oft stehengeblieben ist), wird nur in einem Umfeld böse und schwer kontrollierbar – im Auto. Hier verwandelt er sich in einen cholerischen Gockel, der aus der Sicherheit seines Faraday‘schen Käfigs heraus alles in Grund und Boden pöbelt, was ihm vor die Stoßstange gerät.

Die extrem geradlinige Verkettung von viel zu wenig Neuronen führt dazu, dass ein Mann nur schwer dazu in der Lage ist, mit einer Frau zu kommunizieren. Dezente Andeutungen versteht der Mann überhaupt nicht, er braucht stattdessen klare Anweisungen und am besten noch einen ausgestreckten Finger, der ihm die Richtung weist: „Da lang.“

Besonders romantisch ist so ein Mann leider auch nicht gerade. Blumen kauft er irritiert ob der ihm fremden Handlung nur dann, wenn er etwas wirklich, wirklich Schlimmes angerichtet hat. Schlaue Frauen wissen: Kommt er mit Blumen, kann sie eigentlich schon die Scheidung einreichen.

Dafür gelingt es dem Mann, Bierflaschen mit Hilfe der zusammengekniffenen Augenhöhle zu öffnen, seinen Namen in den Schnee zu pinkeln und mit der Achselhöhle komische Geräusche zu machen. Und das ist ja auch etwas wert. (Carsten Scheibe)

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