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02.06.2014

Uwes Kolumne: Vinyl-Musik im Keller

UWE_DSC0009ck2014. Ich nulle in diesem Jahr bereits zum fünften Mal. Nun bin ich also der Großvater, der alte Mann – und nicht mehr der coole Teenager, Twen oder Thirtysomething. Wenn ich sentimental werde, gehe ich einfach in meinen Schallplattenkeller. Da stehen sie alle aufgereiht, die musikalischen Helden meiner Vergangenheit, gesammelt als Vinyl-Schallplatte.

Viele von ihnen stammen sogar noch aus meiner Zeit als D-Jay in der berühmten Berliner „Eierschale“.

Ich habe sie alle – Pink Floyd, Led Zeppelin, Toto, Depeche Mode. Alles, was in den letzen 36 Jahren so erschienen ist. Aber auch Seltenes von Zappa oder von den Residents. Beim letzten Nostalgieanfall habe ich aber eine ganze Weile zwischen Abba und Zappa gesucht, um eine ganz bestimmte Platte zu finden. Mir ist bewusst, dass fast jede Scheibe, ja so hat man Schallplatten früher genannt, eine eigene Geschichte erzählt. Mein Leben in Vinyl sozusagen.
Ich wählte also meine allererste selbst gekaufte Schallplatte aus. Ist das wirklich schon 36 Jahre her? Mir fiel prompt ein Zitat der Band ein, nach der ich suchte: “I remember it well, as if it was yesterday“. Ja, ich erinnere mich plötzlich, als wäre es gestern gewesen. Nicht nur für Einstein ist die Zeit relativ. Der Project Plattenspieler und die Röhren Vor-/Endstufe waren schon vorgewärmt. Also hab ich vorsichtig die Platte aus der Hülle genommen (bloß keine Staubkratzer oder Fingerabdrücke auf das Vinyl machen), sie liebevoll auf den Plattenteller gelegt, einmal mit der Carbonbürste eventuellen Staub entfernt und dann die Nadel vorsichtig auf die erste Rille gesetzt. Während die ersten Akkorde aus den Boxen tropfen, habe ich die liebevoll gestaltete Textbeilage aufgeklappt, um die Songtexte mitzulesen, obwohl ich die Lieder alle auswendig kann. Das ist Glück im Keller: Einen guten Single Malt, einen Talisker, eingießen – und der Vergangenheit lauschen.

Einer Vergangenheit mit handgemachter Musik. In den 70igern hörte ich im Radio – inspiriert durch meinen Bruder – die Beatles, die Troggs, die Monkeys u.s.w.. Später dann, was eben in den Charts lief. Die Discowelle rollte durch die Radios. Meine Lieblingssendung: Disco mit Ilja Richter. Das änderte sich 1978. Ich war in der 8. Klasse der Johann Georg Halske Realschule und es war Klassenfete mit D-Jay und es wurde getanzt. Diese Parties trugen erheblich zur Erweiterung meines Musikhorizonts bei. Natürlich gab es auch langsame Stücke, die dazu dienten, sich dem anderen Geschlecht zu nähern. Mit 14 tanzte ich das erste Mal ganz eng zu einem Blues. Nach diesem einschneidenden Erlebnis fragte ich sofort nach der Band und dem Song, fest entschlossen, mir von meinem Taschengeld meine allererste Schallplatte zu kaufen.

Bisher hatte ich noch keinen Schallplattenladen von innen gesehen. Also radelte ich nach der Schule zu Hertie in der Siemensstadt (Heute die Teppich Domäne, die haben aber auch alles – außer Schallplatten). Ich suchte leider vergeblich. Die Verkäuferin sagte mir, die Platte wäre ausverkauft, dafür zeigte sie mir die neueste LP der Band – es war Barclay James Harvest. Das Cover zeigte ein dunkles Sternencover mit einem gezeichneten Schmetterling. Auf den Flügeln: die Köpfe der Band. Ich hörte mal kurz rein. Der gesuchte Song war leider nicht drauf, aber die Scheibe war trotzdem ein Knaller. „Berlin“, „Loving ist Easy“, „Harbour“, „Nova Lepidoptera“ usw. Heute würde man sagen – ich war „geflascht“. Mit dieser Platte, die ich inzwischen mindestens gefühlte tausend Mal gehört habe, begannen zwei große Lieben. Die zum Schallplatten sammeln und die zu der Band, die es leider nicht mehr in der Urform gibt. Zwei meiner Helden, Mel Pritchard und Woolly Wolstenholme, spielen inzwischen in der großen Band des Himmels.

Einen Monat später kaufte ich mir dann endlich die Platte „Gone to earth“ mit den Titeln „Hymn“ und „Poor Man´s Moody Blues“ von. Letzterer war nämlich der Song, zu dem ich mit meiner ersten großen Liebe getanzt hatte. Die „XII“ benannte LP, die noch immer so oft auf meinen Plattenteller läuft, habe ich inzwischen auch als Platin an meiner Kellerwand zu hängen. Im Regal warten noch viele Erinnerungen und Geschichten. “I remember it well, as if it was yesterday“ stammt übrigens aus dem Song „John Jennons Guitar“ vom Album „The Show must go on“ (1990).
(Uwe Abel, Fotos: Maike Abel)

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