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12.07.2014

91 Nationen leben in Falkensee: Jacqueline Diaz Lopez aus Belgien

diaz photo portraiMein Name ist Jacqueline Diaz Lopez. Ich bin in Belgien in Lüttich geboren. Das ist ein frankophoner Teil von Belgien. Wie Sie aus meinem Namen heraus ablesen können – Diaz Lopez -, sind meine Eltern allerdings Spanier gewesen. Da ich das einzige Kind war, das in Belgien geboren ist, wollten meine Eltern mir einen französischen Vornamen geben – und suchten „Jacqueline“ aus. Ich bin das jüngste von vier Kindern. Ich habe eine Schwester und zwei Brüder, die noch in Lüttich wohnen.

Name : Jacqueline Diaz Lopez
Geboren: 12.06.1966 in Belgien, Lüttich
Beruf: Designerin

Meine Eltern sind in den 60iger Jahren von Spanien aus nach Belgien ausgewandert. Für sie war es sehr wichtig, dass ich auch in Belgien noch die spanische Kultur und Sprache mitbekommen sollte.

So musste ich drei Mal in der Woche einen Nachmittag lang eine spanische Schule besuchen. Es war sehr schwer für uns vier, dorthin zu gehen. Heute bin ich meinen Eltern sehr dankbar, dass sie so konsequent waren.

Und damit ich mich nie wie eine Ausländerin in Spanien fühlen konnte, besuchte die Familie jedes Jahr meine Cousins, Cousinen, Tanten ect. – so gab es keine Sprach- oder Kulturbarrieren. Aufgewachsen bin ich in einer grünen Umgebung. In dieser Zeit gab es nicht so viele Angebote an Spielzeug wie heute. Es wäre sowieso für meine Eltern viel zu teuer gewesen, für die vier Kinder immer wieder Spiele zu kaufen. Darunter haben wir nie gelitten, denn es gab nichts Schöneres für uns als von zu Hause aus in den Wald zu gehen und stundenlang Hütten zu bauen. Das Spiel bestand eigentlich nur darin, eine solche Hütte fertig zu bekommen. Manchmal hatten wir Glück und bekamen von unseren Eltern Kekse und etwas zu Trinken mit – und so machten wir ein Picknick.

Genau diese Spiele haben mich auf den Geschmack gebracht, kreativ zu werden. Ich wusste ganz früh, dass mein Beruf etwas mit „Kreativität“ zu tun haben sollte, aber mit 12 Jahren wusste ich natürlich noch nicht genau, was.

Also machte ich erst einmal Abitur. Mit 18 musste ich mich entscheiden, was ich studieren wollte, und ich entschied mich für ein Studium als Bühnenbildnerin. Ich absolvierte das Studium in fünf Jahren. Und da ich sehr gern auch mit Kindern zusammen war, entschloss ich mich, noch einen Crashkurs als Pädagogin zu belegen. Diese sieben Jahre Studium waren hart. Meine Eltern hatten kein Geld, um mir das Studium zu finanzieren. Ich jobbte daher als Brötchenverkäuferin bei einem Bäcker. Mittwochs und Samstags und Sonntags um 5 Uhr morgens verkaufte ich auf dem Wochenmarkt Obst.

Mit 25 Jahren hatte ich ein Diplom als Bühnenbildnerin und Pädagogin – und das Gefühl, schon hart gearbeitet zu haben. Nebenbei hatte ich es sogar geschafft, etwas Geld zu sparen. Ich wollte die Welt kennen lernen, und so bemühte ich mich darum, einen Platz als Praktikantin im Ausland zu bekommen.

So kam ich nach Prag, und dort lernte ich den Mann kennen, der mich nach Deutschland bringen sollte. Es war ein sehr romantischer Urlaub mit viel Liebe. Das erste Jahr schrieben wir uns jeden Tag. Danach lud er mich ein, zu ihm nach Deutschland zu kommen. Ich war so verliebt – und hatte nichts zu verlieren. Ich dachte, wenn es nicht klappt, dann ist Deutschland immerhin die 2. Station auf meiner Weltreise. Aber – von diesem Tag an bin ich bis heute nicht mehr nach Belgien zurückgegangen.

Ich konnte damals allerdings die deutsche Sprache nicht und besuchte ein Jahr lang das Goethe-Institut. Es war so natürlich unmöglich, als Bühnenbildnerin zu arbeiten, weil ich ohne Sprachekenntnisse keine Dramaturgie verarbeiten konnte. Ich hatte aber sehr viel Glück. So rutschte ich ziemlich schnell in die redaktionelle Arbeit im Bereich „Wohnen und Kreativität“.
Seit acht Jahren wohne ich nun in Falkensee und bin glückliche Mama eines Sohnes. Seit dieser Zeit arbeite ich als freie Produzentin und Stylistin für Dekorations- und Wohntipps bei verschiedenen Zeitschriften. Darunter waren auch so namhafte Magazine wie „Zu Hause Wohnen“, „Brigitte“ oder „Home & Style“. Als Wohnexpertin arbeitete ich außerdem vor der Kamera für die vom SWR produzierte Sendung „ARD Buffet“.

In Falkensee habe ich eine Umgebung gefunden, die mich und meine Familie wieder ganz mit der Natur verbindet. Ich verfolge mit Begeisterung die Entwicklung unseres Kindes und die seiner Freunde. Ich merke aber auch, wie die digitale Welt (die ich nicht kritisieren möchte) immer mehr und mehr einen Platz im Leben der Kinder einnimmt. Und fast alle Angebote abseits der Schule beinhalten irgendeine Form von Leistungsdruck oder Kampf.

Im August letzten Jahres habe ich mich dazu entschieden, meine redaktionelle Tätigkeit zu beenden – und gründete den Kreativ-Club. Ich biete hier Mädchen und Jungen ab 8 Jahren die Möglichkeit, in kleinen Gruppen und ohne Stress wieder Spaß an der Handarbeit und Kreativität zu entwickeln. Bei mir geht es nicht darum, wer als Erste oder Erster fertig ist, auch nicht darum, wer etwas besser kann.

Es geht darum, eine nette Zeit miteinander zu verbringen und seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen.
Einfach so, wie man gerade an dem Tag drauf ist.

Ganz bewusst halte ich die Gruppen klein und habe sie auf maximal fünf Gäste begrenzt. Nur so habe ich die Möglichkeit, individuell auf jedes Kind einzugehen und für die Fragen und Wünsche da zu sein.

Es ist nicht einfach, heutzutage mit einem Projekt wie diesem zu starten – ich bin aber wie immer optimistisch. Die lachenden Gesichter meiner Jungs und Mädels sind Grund genug, an das Konzept zu glauben. Und wenn die Mädchen beim Nähen anfangen zu singen, dann habe ich das erreicht, was ich möchte. Kreativ Club (www.kreativclubfalkensee.de) –
Jacqueline Diaz Lopez (Fotos: privat)

Hinweis: Im FALKENSEE.aktuell-Heft 86 haben wir festgestellt, dass Menschen aus 91 Nationen in Falkensee leben. Nun lassen wir in jedem Heft eine andere Nation zu Wort kommen.

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