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02.08.2014

Scheibes Kolumne: Es fiept im Ohr – Tinnitus

0911 scheibeVor knapp zwei Jahren war er plötzlich da. Ein gleichmäßiger pfeifender Ton im linken Ohr. So leise, dass er eigentlich nur dann zu hören ist, wenn es ganz ruhig um mich herum wird. Dann aber ist der Ton penetrant, nervtötend, irre machend.

Zuerst suche ich ständig den ganzen Raum ab, um zu überprüfen, ob nicht vielleicht irgendein technisches Gerät einen schwerwiegenden Defekt aufweist und im wahrsten Sinne aus dem letzten Loch pfeift. Aber da mich der Ton mit dem Nervfaktor des früheren ZDF-Testbildes auf allen Wegen begleitet, war schnell klar: Da ist ein kleiner Mann im Ohr, der pfeift, ohne Luft zu holen.

Inzwischen wird das Pfeifen schlimmer. Es wird lauter, vor allem bei Stress, und schriller. Also frage ich meine Freunde auf Facebook: Habt ihr so etwas vielleicht auch? Das Ergebnis ist erschreckend. So viele Freunde leiden auch an den störenden Ohrgeräuschen. Das ist ja wie Heuschnupfen, nur dass das glitschige Niesen Gesprächsstoff für jede Party bietet, während anscheinend niemand über das Tröten im Ohr sprechen möchte.

Anscheinend bin ich recht leidensfähig, denn bislang konnte ich den Tinnitus sehr gut ignorieren oder mit Musik einfach übertönen. Die Freunde haben da bereits den langen Weg durch die Arztpraxen hinter sich.

Und sie bringen Ratschläge mit. Infusionen brauche ich, aber schnell. Viel trinken. Bewegung ist wichtig. Entspannen. Stress vermeiden. Akupunktur. Es könne auch vom Rücken kommen, ein Orthopäde muss konsultiert werden. Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen gilt als Geheimtipp. Raja-Yoga kommt gut, das geht in Richtung Meditation. Besser als die Schulmedizin ist ein Heilpraktiker. Feldenkrais kommt da auch gleich noch mit auf den Tisch.

Viele Freunde sagen aber auch – nichts hilft, lebe damit. Immerhin höre ich von einem Hamburger Startup namens Tinnitracks. Dieses Unternehmen findet den störenden Tinnitus-Ton heraus – und filtert ihn dann gezielt aus der eigenen Lieblingsmusik heraus. Hört man dann diese Musik besonders häufig und lange, so werden die Tinnitus-Neuronen gehemmt, indem die Nachbarzellen gezielt stimuliert werden.

Aber – was ist mein Tinnitus-Ton eigentlich? Das kann man beim Ohrenarzt herausfinden lassen. Aber es gibt eine Alternative – denn für alles gibt es ja schließlich eine eigene iPhone-App. Der kostenlose „Tinnitus Measurer“ wird bei aufgesetzten Kopfhörern verwendet. Er kann einen Ton gezielt an das rechte oder linke Ohr senden. Mit dem Schieberegler lässt sich die Frequenz ändern – solange, bis der eigene Tinnitus-Ton gefunden ist und die genaue Frequenz auf dem Bildschirm abgelesen werden kann.

Und natürlich dürfen die Ulknudeln am Ende auch nicht fehlen. Der Tinnitus sitzt links. Ist links von meinem Schreibtisch im Büro nicht auch die Tür zum Nachbarbüro zu finden – in dem die Mädels sitzen? Na klar, das lautstarke Schnattern kann natürlich auch für einen dauerhaften Tinnitus sorgen. Der Tipp der Freunde: Am besten die eigene Ehefrau zum Ausgleich ins rechte Ohr meckern lassen. Na, wollen wir mal schauen, ob es etwas hilft.

Der bessere Ansatz: Einmal für ein paar Tage an die Nordsee fahren und den Computer und die Arbeit zu Hause lassen und gegen ein gutes Buch eintauschen. Frei nach dem Motto: Lieber Meeresrauschen als Ohrenrauschen. (Carsten Scheibe)

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