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01.10.2014

Drama um Mikado in Nauen

mikadoDas kam für alle Nauener wie der Blitz aus heiterem Himmel. Die Nachricht am 22. September verbreitete sich wie ein Lauffeuer: Die Stadt Nauen kündigt dem MIKADO e.V. den Nutzungsvertrag für das „Haus der Begegnung“. Raimond Heydt aus dem Vorstand des MIKADO e.V. schreibt dazu an die Medien:

„Die Stadt Nauen hat mit Schreiben vom 22.09.2014 den Nutzungsvertrag mit MIKADO e.V. für das Objekt Ketziner Straße 1 „Haus der Begegnung“ zum Jahresende aufgekündigt. Eine Information oder gar Befassung in der Stadtverordnetenversammlung oder im zuständigen Fachausschuss hat nicht stattgefunden. In dem Objekt sind unter anderem der Jugendclub, die Bibliothek, das Mehrgenerationen Projekt MGH und die Geschäftsstelle unseres Vereins untergebracht. Mehrere Mitarbeiter müssten binnen einer Woche gekündigt werden.
Zur Begründung heißt es in dem Schreiben wörtlich, es „werden momentan Modalitäten zum Aufbau eines Familienzentrums geprüft. Dieser Prozess wird weiterhin Zeit in Anspruch nehmen. Wir sind deshalb zum jetzigen Zeitpunkt gezwungen, von einer fristwahrenden Kündigung des Nutzungsvertrages mit MIKADO e.V. im „Haus der Begegnung“ zum 31.12.2014 Gebrauch zu machen. Die Stadt Nauen möchte sich somit die Möglichkeit alternativer Nutzungskonzeptionen offenhalten.“ Und etwas später im Schreiben: „Sollten weitere Mietverhältnisse im Haus der „Begegnung“ bestehen, müssen diese umgehend und entsprechend gekündigt werden.“
(…) Unsere Gruppen und Netzwerke aus dem Haus der Begegnung schmeißen, bedeutet vorsätzlich die Axt an funktionierende zivilgesellschaftliche Strukturen zu legen. Wir werden nicht ein Netzwerk von über 80 sozial und kulturell engagierten Ehrenamtlern zerstören und die Erfolge von Jahren der Arbeit vernichten, weil der Bürgermeister es so will.“

Der MIKADO e.V. gibt sich kämpferisch: „Stattdessen rufen wir Sie und Euch alle auf, Solidarität mit uns zu zeigen, Widerspruch an den Bürgermeister der Stadt zu adressieren oder am besten gleich mit uns zusammen den Protest vor das Rathaus zu tragen, damit das MIKADO-Netzwerk auch zukünftig aktiver Teil eines offenen und toleranten Nauens ist.“

Die im Schreiben angekündigte Demo fand auch umgehend statt. Am 25. September trafen sich gegen 15 Uhr etwa 150 Kinder, Jugendliche, MIKADO-Mitarbeiter und Bürger Nauens, um mit selbstbemalten Schildern und Trillerpfeifen auf sich aufmerksam zu machen.

Auf den Schildern standen Texte wie „Noch kein Konzept, aber alles zerstören“, „Arbeit für Familien seit 2004“ und „MIKADO soll bleiben“.

 
2014-09-25 15.08.46

Unser Kommentar: Der MIKADO e.V. hat in Nauen Großes bewirkt und viel bewegt. Ob es die alltägliche Jugendarbeit oder aber Aktionen wie das „Fest der Toleranz“ oder die neu gestartete „Nauener Meile“ sind: Man kann sich Nauen nicht mehr ohne den Verein vorstellen.
Fakt ist aber auch: Das „Haus der Begegnung“ gehört nicht dem MIKADO e.V.. Die Stadt Nauen entscheidet, wem das Haus verpachtet werden soll. Anscheinend steht hier das neue Konzept eines Familienzentrums im Raum, das Nauen gern umsetzen möchte – im „Haus der Begegnung“. Im Zuge dieser Umsetzung KANN der MIKADO e.V. weiterhin ein Player sein, der Familienangebote realisiert.
Wichtig wäre jetzt, dass sich beide Seiten schnellstmöglich an einen runden Tisch setzen, um herauszufinden, wie Familienzentrum UND MIKADO e.V. zusammenarbeiten können, auf dass das vorhandene Angebot eher noch erweitert und nicht jäh geschmälert wird. (Text/Foto: CS)

 

Zur Demonstration der Bürger für den Erhalt der bestehenden Mikado-Strukturen äußert sich Detlef Fleischmann, Bürgermeister von Nauen.

Warum wurde der Mikado e.V. der Nutzungsvertrag gekündigt?

Zwischen der Stadt Nauen und Mikado e.V. gibt es einen Nutzungsvertrag seit 2002, der Mikado e.V. als alleinigen Hauptnutzer des „Haus der Begegnung“ vorsieht. Der Nutzungsvertrag beinhaltet u.a. die Verwaltung und Bewirtschaftung des Hauses. Darüber hinaus gibt es eine Kooperationsvereinbarung zwischen der Stadt Nauen und Mikado e.V., die die Kinder- und Jugendarbeit mit einer bei der Stadt angesiedelten PKR-Stelle sichert. Diese Kooperationsvereinbarung mit Mikado e.V. und der Stadt Nauen besteht auch weiterhin. Dass der Nutzungsvertrag aus vertragstechnischer Sicht in jedem Fall gekündigt werden musste, darüber war Mikado e.V. seit einem halben Jahr informiert. Zudem wurde über diesen Schritt im Bildungsausschuss anhand einer Vorlage am 12. August 2014 informiert.

Dass die Stadtverwaltung am 22. September fristwahrend den Vertrag zur Verwaltung und Bewirtschaftung des „Haus der Begegnung“ kündigen musste, ist dem Umstand geschuldet, dass sich sonst der Vertrag mit Mikado e.V. als alleinigem Hauptnutzer des Hauses um ein weiteres Jahr verlängert hätte und der Stadt somit die Chance auf ein noch zu entwickelndes Familienzentrum in 2015 genommen wäre.

Wird die Demo etwas an der Entscheidung der Stadt Nauen ändern?

Es werden, wenn das Konzept zum Familienzentrum soweit mit allen relevanten Trägern abgestimmt ist, neue Verträge geschlossen. Diese zielen neben der gezielten Raumnutzung auch auf inhaltliche Bausteine ab. Und hier ist Mikado e.V. ein gleichberechtigter Partner mit inhaltlichen Angeboten im zukünftigen Familienzentrum wie andere Träger auch. Von daher ist die „Demo“ auch für die Stadtverwaltung ein irritierender Schritt, da über die Übergabe der Verwaltung und Bewirtschaftung des „Haus der Begegnung“ sowie über das Vorhaben des Familienzentrums Mikado e.V. der erste Träger war, der darüber informiert war. Zudem wurde im Zuge der Kündigung des Nutzungsvertrages am 22. September das Angebot von Seiten der Stadt gegenüber den beiden anwesenden Vorstandsmitgliedern von Mikado e.V. gemacht, gemeinsam eine Übergangslösung zum Erhalt der bestehenden Angebote zu erarbeiten. Ob das Vorhaben zum Familienzentrum realisiert wird, wird nach Beratung in den jeweiligen Fachausschüssen und letztendlich in der Stadtverordnetenversammlung noch in 2014 entschieden.

Wird die MIKADO e.V. in dem neuen Projekt berücksichtigt? Wenn ja, wie?

Natürlich wird Mikado e.V. bei der Konzeption für das Familienzentrum berücksichtigt und es sollen vor allem im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit die bestehenden Angebote und Netzwerke erhalten bleiben. Mikado e.V. wird mit Schwerpunktthemen ein Träger im Familienzentrum neben weiteren sein. Hierzu werden sowohl mit Mikado e.V. sowie mit weiteren Trägern Gespräche fortlaufend geführt, die auf die Kernkompetenz und Erfahrungen der einzelnen Träger abzielen. Dies wurde auch laufend und im Zuge der formalen fristwahrenden Kündigung des Nutzungsvertrages und Weiterbestehen der Kooperationsvereinbarung kommuniziert. Hierzu wurden auch laufend in 2014 Gespräche geführt und wie Frau Götze im Bildungsausschuss am 16. September auf Rückfrage der Ausschussmitglieder sagte, war „die Zusammenarbeit mit der Stadt Nauen in 2014 für Mikado e.V. sehr unterstützend“.

Wie sieht die Planung für das Gelände/das Gebäude aus?

Die Konzeption sowie ein Raumnutzungskonzept sind derzeit tatsächlich noch nicht abschließend geklärt. Auch für die Stadtverwaltung ist dieser Übergangsstatus schwierig. Die Möglichkeit zum Aufbau eines Familienzentrums hat sich erst vor kurzem ergeben. Und ist im Havelland auch als eine Art Modellvorhaben zu begreifen. Von daher ist das eine einmalige Chance für Nauen. Und sicherlich wäre es schön, wenn bereits alles vertraglich sowie konzeptionell unter Dach und Fach wäre. Die Stadtverwaltung hat zum Ziel, das Konzept im Bildungsausschuss am 4. November 2014 erstmalig zur Diskussion und Entscheidung zu stellen. Bis dahin ist innerhalb von kurzer Zeit viel zu tun und viel zu sprechen. In jedem Fall stand die Bibliothek nie zur Diskussion. Mit weiteren Trägern wird gemeinsam geschaut werden, wie die Raumaufteilung sinnvoll zu gestalten ist.

Sollte die Konzeption zum Tragen kommen, wird Mikado e.V. weiterhin dabei sein, nur eben gegebenenfalls nicht als alleiniger Nutzer mit Geschäftsräumen im „Haus der Begegnung“. Darin ist nichts verwerflich. Zumindest nicht für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Nauen – und um die soll es ja schließlich gehen.
Vielen Dank für das Interview.

Die Fragen stellte Babette Menge.

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