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22.12.2016

Dallgow-Döberitz: Der Schiedsmann

Dallgow-Döberitz: Der Schiedsmann

Wenn Nachbarn sich streiten und sich Beleidigungen über den Zaun zurufen, etwa, weil die Äste vom Kirschbaum zu weit in den Garten des anderen ragen, kann der Zwist schnell hässlich werden. Na warte, dich bring‘ ich vor Gericht, heißt es dann mitunter. So leicht geht das aber gar nicht. In vielen Fällen fordert das Gericht, dass zuvor ein Schiedsmann eingesetzt wird, der versucht, den Streit auf eine für beide Seiten akzeptierbare Weise aufzulösen.

Das Schiedsamt ist eine ehrenamtlich ausgeübte Tätigkeit. In Dallgow-Döberitz hat es seit fünf Jahren Gerhard Franzen (74) inne. Seine Vita (www.gerhard-franzen.de) liest sich, als hätte man das Lebenswerk von einem Dutzend Menschen zusammengetragen. Allein die Lebenserfahrung u.a. als Gastronom, als ehrenamtlicher Richter oder als Unternehmensberater befähigen den Schiedsmann dazu, beim Streitschlichten einen kühlen Kopf zu bewahren: „Starke Nerven und Geduld braucht man trotzdem.“

Der Saarländer, der aus einer Juristenfamilie stammt, selbst aber kein Jura studiert hat, trifft sich mit seinen Streithähnen in der Gemeinde-Bibliothek. Normalerweise reicht ein Termin zur Schlichtung aus, nur in komplizierten Fällen sind mehrere Termine nötig. Franzen: „Ich habe eine Ausbildung zum Mediator absolviert. Bei der Mediation geht es darum, dass ich den beiden Parteien keine festen Lösungen vorgebe, sondern das Gespräch führe und gemeinsam mit ihnen das Problem und mögliche Wege aus der aktuellen Misere heraus erörtere.“

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2015 musste der Schiedsmann in 26 Fällen tätig werden, in 24 Fällen haben sich die Parteien erfolgreich geeinigt. In zwei Fällen konnte keine Einigung erzielt werden. Dann schreibt der Schiedsmann eine Erfolglosigkeitsbescheinigung aus. Damit darf dann der Gang vor Gericht erfolgen. Gerhard Franzen: „Nicht eingerechnet in diese Zahlen sind die sogenannten Tür-und-Angel-Geschäfte. Hier nutzt dann ein Bürger die Möglichkeit, meinen Ratschlag einzuholen, um Wege aufgezeigt zu bekommen, wie sich ein Problem beheben lässt, bevor es eskaliert. Unter der Nummer 0172-9037992 kann jeder Dallgower so Kontakt zu mir aufnehmen.“

Ein Schiedsmann hat trotz seiner ehrenamtlichen Tätigkeit durchaus juristische Kraft – als vorjuristische Instanz. Ein Schiedsbeschluss, der von ihm festgehalten wird, hat 30 Jahre lang Gültigkeit. Wird demnach beschlossen, dass der Kirschbaum weiterhin ins Grundstück des Nachbarn hineinragen darf, so hat der Beschluss auch dann noch Bestand, wenn ein Eigentümer das betreffende Grundstück an einen Dritten verkauft. Auch der neue Besitzer muss sich an den ausgehandelten Kompromiss halten.

Gerhard Franzen: „Bringt eine der Parteien einen Anwalt mit zum Treffen, so kann ich das nicht verhindern, ich kann ihm aber Redeverbot erteilen. Schließlich geht es darum, dass sich die Bürger direkt austauschen – und nicht die Anwälte. Oft stelle ich fest, dass der wirkliche Grund für eine Nachbarschaftsfehde viel tiefer sitzt und mit dem aktuellen Streit gar nichts zu tun hat.“

Bei den Fällen, mit denen es der Schiedsmann in Dallgow-Döberitz zu tun bekommt, handelt es sich um ganz profane Dinge, die für den Einzelnen aber lebensbestimmend werden können. Da stinkt und raucht der Außenkamin des Nachbarn, die Hecken wachsen zu hoch, es geht um Lärmbelästigung, eine Verleumdung wird ausgesprochen oder der Nachbar kümmert sich nicht um seine Begrenzungsverpflichtungen, also um den Zaun auf der Grundstücksseite, die der Anwohner zu warten hat.

Seit 2013 ist der 1992 nach Dallgow gezogene Vielbeschäftigte im Unruhestand übrigens auch Vorsitzender des Vereins BürgerBus Dallgow-Döberitz e.V.: „Beim BürgerBus handelt es sich um einen Bus mit acht Plätzen, der vor allem tagsüber in Dallgow-Döberitz unterwegs ist, um gerade den älteren Menschen die Möglichkeit zu geben, in den bislang noch nicht an den Öffentlichen Nahverkehr angeschlossenen Bereichen von Dallgow in den Bus zu steigen. 16 ehrenamtliche Fahrer sind im Verein tätig, um dieses Projekt zum Erfolg zu führen. Wir fahren u.a. die Bahnhofstraße, Seeburg, Rohrbeck und den Sperlingshof an. Dabei zahlen die Fahrgäste die ganz normale Gebühr, die wir direkt an Havelbus weiterreichen.“ (Foto/Text: CS)

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