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12.07.2017

Im Falkenseer Kronprinz: Beim Knigge-Kurs

Im Falkenseer Kronprinz: Beim Knigge-Kurs

Caroline (13) geht in die 8. Klasse des Lise-Meitner-Gymnasiums. Sie bereitet sich zurzeit auf die Jugendweihe vor – zusammen mit vielen gleichaltrigen Jungs und Mädchen. Der Humanistische Freidenkerbund Havelland organisiert die Jugendweihe und bietet den Teenagern im Vorfeld vorbereitende Aktivitäten an.

Dazu gehört auch ein Knigge-Kurs im ehrwürdigen Falkenseer Kronprinz (www.hotel-kronprinz.de) in der Friedrich-Engels-Allee.

Conny Henkel hat den Kronprinz 41 Jahre lang geführt. Mit ihren Nachfolger Michael Arneburg versteht sie sich bestens. Und so ist sie gern dazu bereit, nunmehr als Gast eine Tradition fortzuführen, die sie selbst vor zehn Jahren im Haus begonnen hat – sie hält einen gastronomischen Knigge-Kurs für die jungen Schüler wie eben Caroline ab.

Am 15. Februar fand der erste von mehreren Kursabenden in Folge statt. Der Freidenkerbund hatte eine Einladung an die Schulen ausgesprochen, knapp zwei Dutzend Jungs und Mädels waren der Einladung gefolgt. Bei einigen hatten die Eltern gesagt: „Ein wenig Knigge kann dir nicht schaden.“ Die meisten Schüler sagten aber, dass sie freiwillig am Kurs teilnehmen.

Conny Henkel führte mit ihrem Leitspruch durch den zweistündigen Abend: “Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance“. Sie berichtete vom Freiherrn von Knigge, der bereits vor 300 Jahren versucht hatte, Regeln für das gesellschaftliche Miteinander aufzustellen. Vor allem die gehobenen Tischregeln sind vielen Teenagern unbekannt. Viele gaben an diesem Abend zu, noch nie in einem „besseren“ Restaurant gewesen zu sein, ihre Erfahrungen reduzieren sich auf Fast-Food-Einrichtungen.

Aber was ist, wenn der Tisch festlich für mehrere Gänge eingedeckt ist? Conny Henkel ließ die Schüler die Menükarte für den Abend studieren – und bat sie, das Besteck vor ihnen in die dazu passende Reihenfolge zu bringen. Caroline und ihre gleichaltrigen Freunde kamen mächtig ins Schwitzen. Wir lernten: Die Gabel kommt nach links, Messer und Löffel nach rechts. Das Dessert-Besteck wird oberhalb vom Teller abgelegt. Dabei wird das Besteck bei mehreren Gängen so angeordnet, dass man es immer von außen nach innen benutzen kann. Conny Henkel: „Das Messer zeigt übrigens mit der Schneide zum Teller. Man kann sich merken: Man möchte das Schnitzel schneiden – und nicht den Nachbarn.“

Knigge hat viele Regeln aufgestellt. An diesem Abend ging es aber nur um den Restaurantbesuch. Bei einem leckeren 3-Gänge-Menü, das vom Kronprinz-Personal auch gleich serviert wurde, ließen sich viele der Regeln ausprobieren. Das Brot, das im Korb auf dem Tisch steht, wird vom Gast mit der Hand gebrochen, nie mit dem Messer geschnitten. Es wird in der feinen Gesellschaft nicht zum Stippen in der Suppe oder zum Aufwischen der Soßenreste verwendet – das sind keine guten Manieren. Auch isst man nicht beim Nachbarn mit und fragt auch nicht, ob man einen halb leergegessenen Teller übernehmen darf.

Conny Henkel: „Es gibt Kinder, die noch nie etwas vom Knigge gehört haben. Sie wissen nicht, dass der Mann das Restaurant als erster betritt, um dann der Frau die Tür zu öffnen und sie schützend ins Innere zu geleiten. Oder dass immer der Jüngere dem Älteren die Hand zum Gruß reicht. Dass man im Restaurant niemals einen ‚Guten Appetit‘ wünscht – das ist Kantinensprache. Und dass man mit dem Essen wartet, bis alle ihren Teller serviert bekommen haben.“

Auch wir von der Zeitung lernen an diesem Abend noch etwas dazu: So „darf“ die Suppentasse angekippt und sogar zum Austrinken zum Mund geführt werden. Ein Suppenteller bleibt hingegen immer wie festgeklebt auf dem Tisch stehen. Er wird auch nicht angehoben, um die Reste leichter mit dem Löffel aufnehmen zu können.

Conny Henkel: „Die Knigge-Regeln sind kein Zwang, es sind gesellschaftliche Regeln. Man muss sie nicht alle befolgen. Aber es ist wichtig, sie zu kennen, damit man sie passend zu einem gegebenen Anlass einsetzen kann.“

Der Knigge-Abend wird übrigens teilweise vom Freidenkerbund und vom Kronprinz unter der Leitung von Michael Arneburg für die Schüler gesponsort. (Text/Foto: CS)

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