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30.10.2017

Scheibes Kolumne: Nass oder trocken rasieren?

Seit die Hormone sprießen, tun dies auch die Haare. Leider nicht auf dem Kopf. Von hier aus fallen die Haare zunehmend auf den Rücken herunter und hinterlassen eine kahle Stelle, in der sich die Sonne spiegelt. Dafür wachsen die Haare aber im Gesicht. Ich denke, einen guten Millimeter bohren sich die stoppeligen Härchen jeden Tag durch meine samtene Gesichtshaut.

Hier haben sie keinen besonderen Nutzen. Sie machen aus meinen Wangen ein Reibeisen, mit dem ich Käse abhobeln könnte.

Die Stoppeln lassen mich ungepflegt aussehen, also müssen sie weg. Ab. Runter. Jahrelang habe ich dabei auf einen Nassrasierer gesetzt. Der Vorteil ist, dass es ausreicht, die Rasierklingen ein paar Mal durch das Gesicht zu ziehen, um auf diese Weise den stoppeligen Wald aus Horn abzutragen und die Wangen wieder rosig erstrahlen zu lassen. Der Nachteil ist, dass man sich zunächst das Gesicht einseifen muss – mit Rasierschaum. Nachdem ich zur Belustigung meiner Umwelt letzte Reste des Schaums schon mehrfach im Ohr durch den Tag getragen habe, kontrolliere ich inzwischen noch genauer im Spiegel, ob ich auch wirklich alle Schaumreste beseitigt habe.

Ärgerlich ist, dass der Handel zig verschiedene Klingenformen bereithält. Nicht jede Klinge passt zu jedem Griff. So habe ich inzwischen eine stattliche Sammlung an verschiedenen Modellen – in der Hoffnung, dass die neu eingekauften Klingen schon zu irgendeinem Rasierer passen werden.

Was mich immer wieder wundert: Warum müssen die Klingen so teuer sein? Inzwischen werden sie in meinem Supermarkt des Vertrauens nicht mehr im Regal gehandelt, sondern nur noch am bemannten Infotresen. Hier komme ich mir vor wie beim Drogendealer: Tausche alle Scheine in meinem Portemonnaie gegen eine winzige Anzahl Klingen.

Um den Austausch der Klingen zeitlich so weit wie möglich in die Zukunft zu schieben, setze ich die bereits vorhandenen Klingen so lange ein, bis sie so stumpf sind wie ein Taschenmesser für kleine Kinder. Irgendwann kommt dann immer der Moment, wo die Klingen die Barthaare nicht mehr abschneiden, sondern einzeln ausreißen wie mit einer Pinzette. Autsch.

Aus diesem Grund habe ich dem Nass­rasierer letztens abgeschworen und mir stattdessen einen elektrischen Rasierer zugelegt. So richtig glücklich werde ich mit dem Modell aber auch nicht.

Der Elektrorasierer schneidet durch die Barthaare wie ein säbelschwingender Ninja auf Speed – ohne System. Bis auch wirklich alle Härchen aus dem Gesicht verschwunden sind, muss ich den Rasierer zigmal in allen nur erdenklichen Richtungen über die Wange kurven lassen. Mit den Fingern spüre ich dann letzten Stoppeln-Inseln auf meinem Gesicht nach. Denn dank meiner Kurzsichtigkeit kann ich im Spiegel schon keine Details mehr erkennen. So passiert es beim Elektrorasierer immer wieder, dass an strategisch ungünstigen Stellen noch Haare stehen bleiben.

Schlimmer ist aber, dass der Trockenrasierer anscheinend mit stromgetriebenem Übereifer immer auch die oberste Hautschicht mit entfernt, sodass nach dem Rasierakt die ganze Visage brennt, als hätte ich das Gesicht in einen munter surrenden Schwingschleifer gehalten. Und zwar einen mit grober Körnung.

Männer fragen nicht nach dem Weg. Sie brauchen keinen Rat, wenn es um Frauengeschichten geht. Und sie unterhalten sich definitiv nicht mit den Kumpeln darüber, welche Rasieroption wohl die bessere sei.

Ein verstohlener Blick – zur statistischen Analyse – im Freundeskreis zeigt allerdings: Man(n) trägt inzwischen Bart! Die wirren Struwweln hängen den Freunden wie tote Spaghetti vom Kinn herunter. Oft nehmen sie bereits die zukünftige Farbe des Deckhaars vorweg und erstrahlen im schönsten Friedhofsblond. Und sie ersetzen auch so manches Tagebuch, denn sie zeigen zuverlässig, was ihre Besitzer zuletzt gegessen haben. Warum also Bart? Einer der Freunde packt flüsternd aus: „Ein Bart spart Zeit. Und die Mädels mögen Bart. Dafür ertragen wir auch das permanente Jucken.“ (Carsten Scheibe, Foto oben: Tanja M. Marotzke)

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