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29.03.2018

Nauener Platte: Wie viel Strom bleibt ungenutzt?

Nauener Platte: Wie viel Strom  bleibt ungenutzt?

Wer nachts von Wustermark nach Nauen über die B5 fährt, sieht viele Dutzend „Vampiraugen“ synchron in der Dunkelheit aufleuchten. Jedes Augenpaar steht für die Positionsleuchten einer Windenergieanlage. Auf der Nauener Platte stehen insgesamt 194 dieser Windräder, im Nauener Bereich sind es 95, die zusammen 150 MegaWatt (MW) Strom produzieren.

Viele Kritiker finden, dass die Windräder die Landschaft verschandeln und für viele seltene Vögel den Tod bedeuten. Fakt ist allerdings auch, dass die Windenergie- und Photovoltaikanlagen auf der Nauener Platte – auf das Jahr 2030 hochgerechnet – bei maximaler Einspeisung im Sommer ausreichend Strom produzieren würden, um den Bedarf der Gemeinden Nauen, Brieselang, Ketzin und Wustermark in den Mittagsstunden um mehr als das Siebenfache zu übertreffen. Im Klartext heißt das: Die Windräder, die es in der Region bereits gibt, können zusammen mit den wenigen Solaranlagen schon jetzt so viel Strom produzieren, dass es zur Versorgung der Region doppelt und dreifach reicht.

Das ist die gute Nachricht. Die schlechte ist, dass der Strom aus erneuerbaren Energien nicht zu hundert Prozent in die Netze eingespeist werden kann. Denn sind die Netze überlastet, bleiben die Windräder stehen – und der potenziell gewonnene Strom verpufft ungenutzt. Im windstarken Jahr 2015 wurden die Anlagen so etwa 184 Stunden lang abgeregelt.

Was könnte man nun also unternehmen, um die bestehenden Anlagen in Zukunft besser auszunutzen? Der Landkreis Brandenburg hat just zu diesem Thema eine Potenzialstudie in Auftrag gebeben, die vom Leipziger Institut für Energie bearbeitet und am 23. Februar in Nauen der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Landrat Roger Lewandowski (CDU): „Das Klimakonzept, das für das Havelland aufgestellt wurde, sieht vor, den Anteil erneuerbarer Energien am Energieverbrauch bis 2030 auf 50 Prozent zu steigern. Wir waren aber schon 2014 bei einer möglichen Quote von 85 Prozent. Leider sieht die Praxis anders aus. Ein zu großer Teil des Stroms kann nicht ins Netz eingespeist werden. Wie sehen also unsere Alternativen aus?“

Johannes Gansler vom Leipziger Institut für Energie sieht die Lösung des Problems klar vor sich: „Wir brauchen die Möglichkeit, den erzeugten Strom zwischenzuspeichern, sodass er zur Verfügung steht, sobald er gebraucht wird.“

Die nun vorliegende „Potenzialstudie zur Ermittlung des Speicherbedarfs erneuerbarer Energien auf der Nauener Platte“ ergeht sich in verschiedenen Gedankenspielen. Nach der Analyse des Ist-Zustands auf der Nauener Platte kommt das Forscherteam so etwa zur Prämisse, dass ein mögliches Speichersystem darauf ausgelegt sein müsse, maximal 40 MW Energie aufnehmen zu können.

Johannes Gansler schlägt vor, eine ganze Reihe von Auto-großen Lithium-Ionen-Batterien am Umspannwerk Neukammer zu installieren. In Ketzin könne man Strom in Wärme umwandeln, um dann per Fernwärme die Häuser der Nachbarschaft zu beheizen. Neu sei ein System namens „Power to Gas“, das per Elektrolyse aus Wasser Wasserstoff und Sauerstoff herstellt. Letztlich könnte daraus Methan für das Erdgasnetz erzeugt werden.

So zeigt sich: Es gibt verschiedene Speichermethoden für den Strom, der nicht sofort ins Netz gehen kann. Aber: Diese Techniken sind alle unterschiedlich teuer in der Anschaffung und unterschiedlich effizient in der Energie-Konvertierung. „Power to Gas“ ist so in der Basiskonstruktion sehr teuer, kann dafür aber sehr effizient arbeiten.

Johannes Gansler: „Das Problem ist, dass die Energieerzeuger nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz selbst dann Geld bekommen, wenn ihre Anlagen abgeregelt werden. Sie haben also gar keine Motivation, ihre nicht genutzte Energie in einen Speicher zu leiten.“

Landrat Roger Lewandowski: „Das Gesetz sollte geändert werden. Wir brauchen eine Förderung der Speichertechnologie, sodass es Sinn macht, auf sie zurückzugreifen.“ So gesehen sind alle Szenarien, die eine Speicherlösung vorsehen, zunächst nur rein theoretisch zu betrachten. Leider. (Text/Foto: CS)

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