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29.03.2018

Wustermarks Pläne: Gespräch mit Holger Schreiber

Wustermarks Pläne: Gespräch mit Holger Schreiber

Holger Schreiber, Bürgermeister von Wustermark, wurde im März in seinem Amt bestätigt. Carsten Scheibe von FALKENSEE.aktuell sprach mit dem wiedergewählten Amtsinhaber. // 2010 haben Sie in Wustermark die Bürgermeisterwahl zum ersten Mal gewonnen. Wie denken Sie an diese Zeit zurück?

Ich komme ja aus dem Logistikbereich und hatte zuvor einen Sportverein geleitet. Trotzdem musste ich als Bürgermeister sofort funktionieren, obwohl in diesem Amt für mich enorm vieles neu war. Wustermark war total überschuldet, wir standen mit 21 Millionen Euro in der Kreide. Das Konto der Gemeinde wies auch 3 Millionen Miese aus. Und fast täglich gab es neue Hiobsbotschaften. Nach harter Arbeit stehen wir nun – viele Jahre später – so gut da wie noch nie. Die GVZ-Kredite werden 2018 voll getilgt und am Jahresende werden wir bis auf 1,8 Millionen Euro für einen Schulkredit komplett entschuldet sein.

Neben der schwierigen wirtschaftlichen Situation belastete die Gemeinde und ihre Einwohner damals auch noch der große Konflikt, ob in Wustermark Europas größtes Gaskraftwerk entstehen sollte. Aufgrund der wirtschaftlichen Not gab es sicher auch gute Argumente dafür. Aber auf der anderen Seite der Medaille bereitete ein solches Megaprojekt den Einwohnern größte Sorge.

Der 7. Februar 2012 war dann auch ein Schicksalsdatum. Da stimmten wir in Wustermark darüber ab, ob dies sehr umstrittene Gaskraftwerk im Güterverkehrszentrum Wustermark gebaut werden soll oder nicht. Mit 10:9 Stimmen haben wir uns dagegen gestellt. Ich muss weiterhin sagen – das war meine schwierigste und zugleich meine beste Entscheidung. Wir haben mit der Entscheidung einen riesigen Konflikt beendet, der Wustermark in zwei Lager geteilt hatte. Und heute wissen wir – ein Gaskraftwerk, das hätte am Standort nicht funktioniert. Aufgrund der inzwischen veränderten Energierahmenbedingungen.
Wustermarks Image als notleidende Kommune war jedenfalls eine schwere und fordernde Hypothek.

16. Februar 2018: Grundsteinlegung für das DM-Verteilzentrum in Wustermark.

Das Designer Outlet Berlin stand bereits vor Ihrer ersten Amtszeit. Karls Erdbeerhof aber noch nicht.

Das Designer Outlet Center (DOC) stand schon, aber es wurde ja noch einmal komplett umgebaut und 2010 um Phase 2 erweitert, um es im offenen Stil der amerikanischen Outlet Malls zu präsentieren. Inzwischen ist das DOC längst ein modernes Einkaufscenter geworden, das mit Top-Marken und einem starken Einkaufserlebnis Kunden aus ganz Berlin, dem weiten Umfeld und sogar aus dem Ausland anzieht. Auch für die Touristen, die Berlin besuchen, ist das DOC eine tolle Attraktion – und Arbeitgeber für über 800 Menschen.

Das mit Karls Erdbeerhof, das begann so ab 2009. Robert Dahl hatte bei uns zunächst nach Lagerflächen Ausschau gehalten, um hier seine Erdbeerhäuschen zwischenlagern zu können. Nach intensivem Austausch mit uns erkannte er aber schnell, dass der Standort auch sehr gut für einen weiteren Erdbeerhof funktionieren würde. Wir machten uns an die Arbeit. Als wir den neuen Standort am 1. Mai 2014 eröffnet haben, da war der Ansturm so groß, dass auf der B5 gar nichts mehr ging, 40.000 Besucher kamen. Damit haben wir alle nicht gerechnet. Und die Erfolgsstory Karls wird ja fortgeschrieben. Dass Karls nun auch das Gelände mit den alten Kasernen gekauft hat, um sich zu erweitern, das ist auch zum Teil mein Verdienst. Ich hatte diese Vision schon vor Robert Dahl und habe ihn etwas länger überzeugen müssen, bis er sie mit mir geteilt hat. Das war der Start für ein einzigartiges Konzept, das unsere Region absolut befruchten wird.

Wie kommt es, dass Wustermark so viele starke Investoren anzieht? Gerade hat ja auch dm den Grundstein für ein neues Logistikzentrum im GVZ gesetzt.

Ich habe eine sehr gute Chemie zwischen den Investoren und der Gemeindepolitik entwickeln können. Wir von der Verwaltung in Wustermark sind total verlässliche Partner für alle Investoren, die konzeptionell gut für Wustermark sind. Wir arbeiten professionell und sind sehr verbindlich. Außerdem stehen unsere Türen immer offen. Das kommt bei den Investoren sehr gut an.

Wir haben inzwischen nur viel zu viel Anfragen für viel zu wenig Flächen, die uns noch zur Verfügung stehen. Deswegen befinden wir uns nun z.B. im Raumordnungsverfahren oder größeren Planungsverfahren. Dabei legen wir vor allem fest, wie es bei Karls weitergeht und was im Olympischen Dorf passiert, ebenso aber auch in den anderen schönen Ortsteilen, dort natürlich in anderen Größendimensionen. Diese haben wir nur auf den Konversionsflächen in Elstal.

Jetzt starten Sie in Ihre zweite Amtszeit als Bürgermeister durch. Was ist zunächst am wichtigsten?

In der ersten Amtszeit habe ich die Pfähle in den Boden gerammt und die Spur gelegt. Wir haben gemeinsam die Basis geschaffen, dass die Gemeinde arbeitsfähig und finanziell gesichert ist. In dieser Zeit ist aber auch die Einwohnerzahl gewachsen. Wir müssen nun zusehen, dass unsere Infrastruktur damit Schritt halten kann. Das bedeutet, dass wir zurzeit z.B. an sehr großen Schulprojekten arbeiten.
Wichtigstes Projekt ist hierbei aktuell die Erweiterung der Grundschule Otto Lilienthal in Wustermark. Hier errichten wir gegenüber vom denkmalgeschützten Bestandsgebäude einen tollen Neubau auf ca. 4.000 Quadratmetern Grundfläche, der Fachräume, Hortplätze und eine 2-Feldsporthalle beinhaltet. Mit ca. 10,5 Mio. Euro Investvolumen ist dies das größte Bauvorhaben, das die Gemeinde jemals selbst auf den Weg brachte – und das Mitte 2019 fertiggestellt sein sollte.

Aufgrund der Einwohnerentwicklung wollen wir in Elstal ein Schulzentrum errichten. Das ist ein besonders innovatives Konzept, bei dem wir erhebliche Fördermittel einwerben wollen. Neben der heutigen Oberschule Heinz Sielmann entsteht dann zuerst eine 3-Feldsporthalle und danach eine 2-zügige Grundschule mit Hort. Weitere Bausteine wären dort noch möglich. Baubeginn müsste hier auch 2019 sein – eine enorme Herausforderung, der wir uns mit der Kommunalpolitik aber positiv stellen.

Auch im Kita-Bereich sorgen wir für Entspannung. In Elstal entsteht eine neue Kita in freier Trägerschaft, die wird in zwei Jahren 100 Plätze bereitstellen können. In Wustermark werden 80 neue Plätze in der Kita Spatzennest entstehen. Auch in Priort werden wir erheblich investieren. Hier soll die Zwergenburg bis 2021 mit neuen Räumen ausgestattet werden.

Wir schauen uns nun auch die Ortszent­ren genauer an und werden zusehen, wie wir sie für unsere Bürger noch attraktiver gestalten können. Schön wäre es, wenn sich noch mehr Gastronomie und weiterer Einzelhandel ansiedeln würde. Dazu sollten wir die Bürger mit ihren guten Ideen vorher einbeziehen.

Sie denken auch an die ältere Bevölkerungsschicht und legen auch in diesem Bereich nach?

Müssen wir. Am 9. März haben wir den ersten Spatenstich für ein neues Seniorenzentrum in Elstal gefeiert. Die Immanuel Diakonie plant die Eröffnung im Sommer 2019 – hier wird Platz für 111 Seniorenwohnungen geschaffen. Dabei geht es um eine vollstationäre Pflege. Aber auch für die Tagespflege werden 16 Plätze eingeplant.

Auch für Wustermark sind die Planungen weit vorangeschritten. Hier wird sich die Havelland Kliniken Unternehmensgruppe engagieren und ebenfalls ein Seniorenpflegezentrum mit über 100 Plätzen realisieren. Dann können wir unsere Bürger auch dann noch angemessen betreuen, wenn sie sich aus eigener Kraft nicht mehr versorgen können. Zusätzlich entstehen diverse Gemeinschaftswohnanlagen für Senioren, dies mit engagierten Partnern der Region.

Im Güterverkehrszentrum Wustermark (GVZ) haben sich viele Unternehmen angesiedelt. Sind hier die Kapazitäten nicht irgendwann erschöpft?

Wir freuen uns sehr, dass wir im GVZ so starke Investoren haben. Besonders hervorheben möchte ich hier z.B. J&S Automotive, ein zertifizierter Entwicklungs- und Baugruppenlieferant als Erstausrüster für die Automobilindustrie auf der ganzen Welt. Das Unternehmen hat vor Ort 300 Arbeitsplätze geschaffen und gilt als Knowhow-Träger auf höchstem Kompetenzlevel.

Dazu gehören aber auch der papierverarbeitende Marktführer der Panther-Gruppe uvm. Zuletzt haben wir den Drogisten „dm“ begrüßen dürfen, der bei uns sein drittes Logistik-Verteilzentrum baut, von dem später die ganze Region um Berlin herum mit Waren versorgt wird. Es werden 100 Mio. Euro investiert und es entsteht Europas modernstes Zentrallager.

Im GVZ sind wir nun in der Vollvermarktung. Das Unternehmen VGP baut nun noch auf 13 Hektar Fläche einige Hallen, dann ist kein Platz mehr frei und der Zweck dieser damaligen Entwicklungsmaßnahme erfüllt.

Was passiert jetzt eigentlich im Olympischen Dorf?

Das ist eine Herzensangelegenheit für mich. Fünf Jahre lang haben wir nun an einem Plan gearbeitet, wie wir neuen Wohnraum und damit Leben in diesem Denkmal nationaler Bedeutung direkt an der B5 entwickeln können. Im Dezember gab es nun endlich den Satzungsbeschluss, damit wird dies nun Realität. Der erste Bauabschnitt wird im Frühjahr gestartet, wir reden zum Start über den Bau von 400 neuen Wohnungseinheiten. 2020 wird der größte Teil davon fertiggebaut sein, dazu gehört auch die Sanierung und der Umbau des Speisehauses der Nationen als Kernstück.

Mitte des Jahres beginnen wir damit, den 2. Bauabschnitt zu planen. Bis wir am Ende 55 Hektar bebaut haben, das wird bis zum Ende meiner zweiten Amtsperiode dauern. Das Olympische Dorf muss man verträglich ausbauen, das ist eine spannende Aufgabe. (Fotos: CS)

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