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27.08.2018

Franziskusgärten in Brieselang: Gesprächsbedarf nach Diskussionsveranstaltung bleibt

Franziskusgärten in Brieselang: Gesprächsbedarf nach Diskussionsveranstaltung bleibt

Sie nutzten das Angebot: Im Beisein von rund 150 Brieselangerinnen und Brieselangern sind am vergangenen Freitag in der Sportlerklause Ideen zum Projekt „Franziskusgärten“ während einer von der Gemeindeverwaltung initiierten und rund zwei Stunden lang andauernden Informations- und Diskussionsveranstaltung ausgetauscht worden.

Mit Blick auf die Resonanz, negativ wie positiv, herrscht weiterhin Gesprächsbedarf.

Nachdem es bereits in den Monaten zuvor nach Bekanntwerden einer visuellen Ideenskizze erster Gedanken durch das Falkenseer Architekturbüro Seidl+Seidl zur Veranschaulichung gegeben hatte, Gebäudestrukturen & Co. waren erstmals im Gemeindeentwicklungsausschuss im April gezeigt worden, kochten die Emotionen nun erneut hoch. Vor allem die Anwohner warteten mit kritischen Fragen und Anmerkungen auf. Während manche das Projekt vor ihrer Haustür kategorisch ablehnen, wurden jedoch auch positive Stimmen laut. Die evangelische Kirchengemeinde Falkensee-Seegefeld, ihr gehört das Grundstück an der Lange Straße, will bekanntermaßen mit Projektpartnern ein generationenübergreifendes Wohnprojekt realisieren, darunter eine Bio-Wäscherei, Grünanlagen, eine Inklusionskita.

Sie hatten es nicht leicht. Die Experten, darunter Gisela Dittmer (Pfarrerin der Kirchengemeinde Falkensee-Seegefeld), Carsten Glöckner (Vorstandsreferent Soziales Wohnen, Johannesstift) und Axel Budzinski (Regionalleitung Fliedners Werkstätten), hatten sich vorbereitet, um die Beweggründe für die Notwendigkeit des Projektes „Franziskusgärten“ aus ihrer Sicht darzulegen. Sie warteten unter anderem mit Zahlen, Daten und weiteren Fakten auf, die zuweilen mit Blick auf künftige Pflegebedürftigkeiten oder bezahlbaren und altersgerechten Wohnraum oder Orte der Begegnung offenbar für zu allgemein gehalten wurden. Teile der Besucher forderten den sofortigen Einstieg in die Diskussion.

Die Unruhe wuchs, weil die Hintergrundinformationen manchen offenbar zu langatmig erschienen. Moderator Klaus Otto von der „Fachstelle Altern und Pflege im Quartier“ (FAPIQ) im Land Brandenburg musste genauso mehrfach das Wort erheben wie Bürgermeister Wilhelm Garn, um die Wogen wieder zu glätten oder allgemein zu schlichten und auf die Hintergründe der Veranstaltung aufmerksam zu machen, da nicht jeder Teilnehmer den aktuellen Sachstand hatte. Garn kam deshalb nicht umhin, nochmals zu betonen, die Argumente doch bitteschön erst zu hören, um sich dann eine Meinung bilden zu können. Er nannte das Stichwort „Respekt“.

Letzterer hatte zuvor in seinen Eingangsworten unter anderem die Sichtweise der Gemeinde zum möglichen Prozedere, etwa der notwendigen Änderung des Flächennutzungsplans als Grundvoraussetzung für die Aufnahme des Verfahrens und weitere planerische Aktivitäten wie eine Umweltverträglichkeitsprüfung und Verfahrenswege während eines kurzen Vortrages kundgetan. Warum? Das Grundstück ist als Grün- und Ackerland ausgewiesen und kann aktuell deshalb nicht bebaut werden. Garn referierte zur Bevölkerungsentwicklung, zur Altersstruktur, stellte die Situation in Brieselang Nord dar und endete mit der entscheidenden Fragestellung: „Ist der Standort an der Lange Straße geeignet? Wenn ja, in welcher Form und unter welchen Rahmenbedingungen?“ Klar sei, dass dies die einzige Fläche sei, die für ein solches Projekt in Brieselang überhaupt noch infrage komme. Weiter betonte er, nachdem er bekanntgab, dass Brieselang ohne die Ausweisung von zusätzlichen Baugebieten noch Platz für 5000 Wohnungen hat: „Nehmen Sie Ihr Recht wahr, sich bei der Weiterentwicklung der Gemeinde Brieselang zu beteiligen. Meinungen, Anregungen und Kritik sind wünschenswert“, sagte er.

Zu diesem Zweck hatte die Verwaltung eigens Papierbögen zur Verfügung gestellt, die von den Besuchern mit eigenen Sichtweisen, Anregungen und Fragestellungen ausgefüllt und in eine Wahlurne eingeworfen werden konnten – anonym oder namentlich. Davon wurde auch Gebrauch gemacht. Eine Auswertung mit Bekanntgabe dazu wird noch folgen, wie die Protagonisten unisono betonten. Die Anregungen und Ideen würden berücksichtigt werden.

Doch vielmehr wollten die Menschen das Wort selbst ergreifen. Das Mikrofon wurde schließlich umhergereicht. Zudem wurde getuschelt, von einer Werbeveranstaltung war die Rede, doch auch offene Sorgen und Nöte wurden mitgeteilt – vor allem vor dem Hintergrund einer zu sehr verdichteten Bebauungsstruktur mit hohen Gebäuden, so die Befürchtung. Doch weil es sich bislang nur um eine Idee zum Projekt „Franziskusgärten“ handelt, konnte darauf nicht eingegangen werden. Das war ohnehin nicht vorgesehen und wurde zuvor auch so bekanntgegeben.

Applaus für kritische Töne gab es indes genauso wie für positive Anmerkungen, etwa mit Blick in die Zukunft, schließlich wird jeder einmal alt oder muss aus privaten Gründen, wie Krankheit, Scheidung & Co. umdenken. Was dann? Aus der gewohnten Umgebung wegziehen, ins Pflegeheim oder im eigenen Haus vereinsamen. Niemand weiß heute, was morgen geschieht.

Klar ist aber auch, so Garn mit Blick auf die verantwortungsvolle Entscheidungshoheit: „Die Gemeindevertretung bestimmt die Rahmenbedingungen für all das, was möglicherweise folgen könnte. Das wird auch in einem Städtebaulichen Vertrag geregelt, darunter der Verkehr, Geschosshöhen von Gebäuden und vieles mehr“. Mit anderen Worten: Die Kommunalpolitiker müssen verantwortungsvoll im Sinne des Allgemeinwohls eine Entscheidung treffen, sollte das Projekt von den Gremien per Antrag durch die Gemeindevertretung überhaupt behandelt werden. Einen weitgehenden Dank der Beteiligten gab es grundsätzlich: „Schön, dass die Brieselangerinnen und Brieselanger diesmal rechtzeitig mit eingebunden werden“, hieß es vielfach. Das soll auch weiterhin so gelten, die Bürgerbeteiligung hat schließlich erst begonnen. Fazit: der Gesprächsbedarf bleibt. (Text/Fotos: Gemeinde Brieselang/Rachner)

Dies ist eine Pressemitteilung, die der Redaktion zugeschickt wurde, und die wir zur Information der Bürger in der Region Havelland unredigiert übernehmen.

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