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02.01.2019

Wustermark: Viele starke Projekte für die nahe Zukunft

Wustermark: Viele starke Projekte für die nahe Zukunft

Während in Falkensee noch emsig darüber diskutiert wird, ob und wann Bauprojekte wie das angedachte Hallenbad oder die drei Kreisverkehre im Zentrum überhaupt gebaut werden, ist man in Wustermark schon ein ganzes Stück weiter. Hier werden die Ärmel hochgekrempelt, um viele spannende Projekte auf den Weg zu bringen.

Sie alle werden dazu beitragen, das Gesicht von Wustermark stark zu verändern. Auf der alljährlichen GVZ- und Unternehmerkonferenz, die dieses Mal in der Pfannkuchen-Schmiede in Karls Erlebnis-Dorf abgehalten wurde, konnten sich die Besucher – darunter die 1. Beigeordnete des Landrats Elke Nermerich – über den aktuellen Status Quo verschiedener Vorhaben informieren.

Holger Schreiber, Bürgermeister von Wustermark: „Wohnen, Wirtschaft und Tourismus, das sind die drei Themen, die uns beschäftigen. Zum Wohnen: Uns ist klar, dass wir händeringend neuen Wohnraum schaffen müssen und das in den unterschiedlichsten Formen. Inzwischen arbeiten fast ebenso viele Menschen in Wustermark, wie bei uns in der Gemeinde wohnen. Für die Unternehmen wäre es natürlich viel besser, wenn ihre Arbeitskräfte auch gleich am Standort leben würden. Hier entsteht zum Glück recht bald viel neuer Wohnraum im ehemaligen Olympischen Dorf. Zur Wirtschaft: Das Güterverkehrszentrum GVZ ist dank seiner hervorragenden Lage mit direkter Anbindung an die Autobahnen so gut wie vollständig belegt: Mit dm baut gerade ein weiterer Groß-Investor einen millionenschweren Logistik-Knotenpunkt im GVZ. Die Gewerbesteuern, die wir über das GVZ einnehmen, helfen uns dabei, Schulen, Kitas und noch mehr Infrastruktur in der Gemeinde zu bauen. Zum Tourismus: Das Designer Outlet Berlin und Karls Erlebnis-Dorf ziehen inzwischen mehrere Millionen Besucher pro Jahr in unsere Region. Sie sind Tourismus-Anker und werden auch für Berlin immer wichtiger, wenn es um die Ankurbelung des Tourismus geht.“

Karls Erlebnis-Dorf: Wassererlebniswelt und erster Hotel-Baustein kommen!
Robert Dahl, Geschäftsführer vom Karls Erlebnis-Dorf: „Wir haben am Standort Elstal bereits über 30 Millionen Euro investiert. Acht Millionen Euro werden es noch einmal in den kommenden zwölf Monaten sein. Ich habe einmal gesagt, dass wir auf unserem 74 Hektar großen Grundstück in Elstal einmal 100 Millionen Euro investieren werden. Inzwischen gehen wir davon aus, dass diese Zahl noch einmal deutlich übertroffen wird. Dabei fahren wir auf Sicht: Wir gehen immer ein Projekt nach dem anderen an. In unserer Zentrale in Rövershagen gibt es ein eigenes Entwicklungsbüro mit acht Mitarbeitern, die nur damit beschäftigt sind, neue Ideen für den Standort Elstal auszuknobeln.“

Während im Dezember Karls Gummibeerchenland und die 4. Eiswelt eröffnet werden, arbeiten die Ingenieure bereits am nächsten Sommerspaß. Robert Dahl: „Zwei Mal hatten wir bereits das Badevergnügen Plansch in Elstal zu Gast – mit aufblasbarer Wasserrutsche, Sandstrand und Tretboot-Becken. Ausgerechnet in diesem Jahrhundertsommer hatten wir Plansch nicht am Start. Das ist uns bitter auf die Füße gefallen. Da haben wir uns gesagt: Das passiert uns nicht noch einmal. Wir haben sofort unser Parkplatzareal an der Döberitzer Heide geräumt und entwickeln hier nun für 2,5 Millionen Euro eine dauerhafte Wassererlebniswelt namens Plansch – mit mehreren Fahrgeschäften und einem großen Wasserspielplatz. Am 13. April möchten wir den 1. Teilabschnitt bauen, am 1. Mai soll Karls Plansch bereits an den Start gehen.“

Auch das geplante Resort für Übernachtungsgäste und Urlauber soll Formen annehmen. Bereits 2019 soll das erste Themenhotel mit dem Namen „Mieze Schindler“ Form entstehen, wenn alles glückt. Es wird 260 Betten anbieten – und dabei die Form einer roten Erdbeere aufweisen, denn bei „Mieze Schindler“ handelt es sich um eine Erdbeerart. Robert Dahl: „Im Mai oder Juni soll der Baubeginn sein, Ostern 2020 möchten wir fertig sein. Das ist dann auch der Startschuss für unser Ferienresort auf dem Gelände der alten Adler- und Löwenkasernen. Jedes Jahr soll ein weiteres Themenhotel hinzukommen. Als nächstes ist ein Wild-Life-Hotel geplant.“

Um das Themenhotel bauen zu können, wurden die vor Ort gefundenen Zauneidechsen inzwischen umgesiedelt – in der Hoffnung, dass sie nicht zurückkehren. Auch für die Fledermäuse in den Kasernengebäuden gibt es eine naturverträgliche Lösung. Robert Dahl: „Auf unserem Gelände gibt es acht Arten Fledermäuse. Für sie bauen wir ein eigenes Fledermaushotel. Hier werden Infrarot-Kameras installiert. Später können unsere Hotelgäste auf ihrem Zimmer das Fledermaus-TV einschalten und den Tieren beim Schlafen zusehen.“

Das Raumordnungsverfahren für die Karls-Projekte ist nach einem Jahr der Vorbereitung fast „durch“: Alle Unterlagen sind bereits zusammengestellt, jetzt hoffen alle Beteiligten auf baldiges grünes Licht.

Robert Dahl: „Zu Ostern 2021 wird Karls 100 Jahre alt. Das soll ein Megajahr werden, da denken wir uns jetzt schon ganz viele Aktionen aus, da wird richtig viel passieren.“

Elstal: Wohnen im Olympischen Dorf
Erik Roßnagel von der terraplan Baudenkmalsanierungsgesellschaft mbH aus Nürnberg stellte auf der Unternehmerkonferenz den aktuellen Stand zum Projekt „Wohnen im Olympischen Dorf“ vor, das inzwischen den Namen „G.O.L.D Gartenstadt Olympisches Dorf von 1936“ (www.gold1936.berlin) trägt.

Erik Roßnagel: „Seit 2013 steht das Bauvorhaben bei uns auf der Agenda. Am Anfang wollten wir das Vorhaben nach ersten Studien wieder aufgeben, weil es einfach nicht finanzierbar war. Dann wurden wir aber Premiumprojekt bei den ‚Nationalen Projekten des Städtebaus‘ – und bekamen über vier Millionen Euro Fördergelder vom Bundesbauministerium. Damit konnten wir doch in die Umsetzung gehen. Der erste Bauabschnitt ist im Werden, den zweiten Bauabschnitt bereiten wir gerade vor.“

Der erste Bauabschnitt betrifft das alte Speisehaus der Nationen. Roßnagel: „Das haben wir komplett entkernt und aufgrund belasteter Materialien auch dekontaminiert. Nun werden wir vor Ort über einhundert Wohnungen bauen – zum Mieten und zum Kaufen.“ Davor entstehen außerdem zwanzig neue Häuser.

Erik Roßnagel: „Um die Bildung sozialer Enklaven zu vermeiden, sorgen wir für eine Durchmischung. Das bedeutet, dass wir kleine und große Wohnungen planen, sodass alle sozialen Schichten vor Ort zusammenwohnen können. Um auch Alt und Jung zusammenzubringen, planen wir im Speisehaus der Nationen eine Begegnungsstätte sowie eine Demenz-WG – und eine Einheit zum Betreuten Wohnen in den Häusern im Grünen Ring. Damit die Menschen an ihrem neuen Wohnort zueinander finden und eine Gemeinschaft bilden, haben wir uns viel einfallen lassen. So wird es auf dem Areal eine Tai-Chi-Wiese, einen Sportpfad, eine Grill- und Feuerstelle sowie einen Kinderspielplatz geben.“

Der zweite Bauabschnitt nähert sich räumlich der B5 an. Er bezieht die viergeschossigen Plattenbauten ein, die zuletzt von den Sowjets als Kaserne genutzt wurden. Erik Roßnagel: „Auch an die sowjetische Nutzung sollte man aus historischen Gründen erinnern. Wir möchten nur zwei der Blöcke abreißen, die anderen werden wir erhalten und umfassend sanieren. Das obere Stockwerk werden wir komplett abtragen und durch ein Staffelgeschoss ersetzen, das alte Dach hat durch Regenwasser zu sehr gelitten. Die Lücken zwischen den Bauten schließen wir mit dreigeschossigen Bindegliedern – so bilden die Häuser selbst einen Schallschutz zum grünen Innenraum hin. Zur B5 hin bauen wir auch noch Loggien mit Schallschutzfenstern an die Häuser an, sodass der Plattenbaucharakter völlig verloren geht. Auch ein Parkdeck entsteht vor Ort – ebenfalls in direkter Nähe zur B5.“

Im ersten Bauabschnitt entstehen etwa 300 Wohnungen im Olympischen Dorf. Im zweiten Abschnitt sind es noch einmal 250. Insgesamt wird auf diese Weise Wohnraum für 900 Menschen geschaffen. Bei der Vermietung beginnen die Kosten bei unter zehn Euro für den Quadratmeter. Bei den Penthouse-Wohnungen kann der Preis auf bis zu 12 oder 13 Euro steigen. Sozialwohnungen stehen in der Diskussion, hier kommt es allerdings auf Fördergelder an.

Bürgermeister Holger Schreiber: „Das ist mit das prestigeträchtigste Projekt in unserer Region.“

BTC Havelland: Akademie für Bahn- und Logistikfachleute
In Elstal gibt es einen Rangierbahnhof, der ist einhundert Jahre alt. Auf dem 34 Hektar großen Areal, zu dem auch das ehemalige Kraftwerk und der Ringlokschuppen gehören, hat sich jahrelang nichts getan.

Günther Alsdorf: „Wir von der Havelländischen Eisenbahn haben das Gelände nicht aufgeben wollen. 2008, als Hartmut Mehdorn den Börsengang der Bahn vorbereitet hat, wollte er das Gelände verkaufen. Wir sind ein großes Wagnis eingegangen und haben den Rangierbahnhof mit einer Vision gekauft.“

Aus dieser Vision ist der Bahntechnologie Campus Havelland (BTC, www.btc-havelland.de) hervorgegangen, der vom Landkreis Havelland als zurzeit größtes Infrastrukturvorhaben bezeichnet wird. 6,4 Millionen Euro hat der Landkreis beigesteuert, 13,3 Millionen kommen vom Land. Weitere Anteilseigner am Projekt sind die Havelländische Eisenbahn mit 45 Prozent, die Infrastruktur- und Projektentwicklungsgesellschaft Potsdam mit drei Prozent und die Gemeinde Wustermark mit einem Prozent. Ziel soll es sein, vor Ort einen Campus zu errichten, auf dem sich Bahn-affine Unternehmen, aber auch universitäre Einrichtungen ansiedeln können.

Günther Alsdorf, der inzwischen Geschäftsführer der neu gegründeten Bahntechnologie Campus Havelland GmbH ist: „Das Plangenehmigungsverfahren läuft, für die zu errichtende Infrastruktur sind die ersten Ausschreibungen in Vorbereitung. Nach dem Winter erwarten wir für 2019 erste Baumaßnahmen. Auch die ersten Investoren sind vorhanden. Das sind wie erwartet Firmen aus dem Bereich der Bahntechnologie. Hier geht es vor allem um das Thema Digitalisierung. Wir schaffen damit vor Ort sehr hochwertige Arbeitsplätze vor allem im Ingenieursbereich. Wir sind auch schon eine Kooperation mit der Technischen Hochschule in Brandenburg eingegangen: Ein akademisches Netzwerk soll vor Ort gestrickt werden. Ein wichtiger Baustein dabei ist die Errichtung einer Akademie für Bahn- und Logistikfachleute, an deren Planung zurzeit bereits 14 Akteure mitarbeiten, darunter auch die Technische Universität Berlin. Das ist eine tolle Entwicklung für den Standort Elstal.“

Neuer Kreisverkehr im GVZ
Das Güterverkehrszentrum GVZ hat für die Gemeinde Wustermark eine besondere Bedeutung. Bürgermeister Holger Schreiber: „Die Gewerbesteuer aus dem GVZ ist für die Gemeinde mit die wichtigste Einnahmequelle. Eine erfolgreiche Arbeit der Firmen im GVZ ist wichtig für Wustermark, denn ohne die Steuern können wir keine Schulen und keine Kitas bauen. Es zählt aber auch zu den Verpflichtungen der Gemeinde, solche Standorte nicht nur zu vermarkten, sondern auch zu erhalten. Und so werden wir viele Millionen Euro in die Hand nehmen, um die vorhandene Infrastruktur zu erneuern und auszubauen. Die Straßen vor Ort sind nach fünfundzwanzig Jahren an ihrer Belastungsgrenze angekommen.“

Umfassende Baumaßnahmen sind aus diesem Grund im GVZ geplant. Rüdiger Hage, Geschäftsführer der beauftragten Infrastruktur- und Projektentwicklungsgesellschaft mbH (IPG): „Wir erwarten im GVZ bis 2030 pro Hektar Fläche ein Aufkommen von 110 Kraftfahrzeugen am Tag, wobei der Schwerlastanteil bis zu 45 Prozent beträgt. Bei 160 Hektar Fläche sind das bis zu 20.000 Fahrzeuge am Tag. Die Anbindung des GVZ in Richtung A10 und B5 ist gut ausgebaut, wir haben aber ein Defizit in Richtung Westen. Auf lange Sicht möchten wir den in diese Richtung führenden Kudammweg mit zwei Brücken deutlich ausbauen.“

Zur Vorbereitung dieses Ausbaus und gleichzeitig zur Sanierung der Streckenführung im GVZ startet nun die Grunderneuerung der Rostocker Straße, die mit dem Neubau eines Kreisverkehrs an der Verbindung Rostocker Straße, Nürnberger Straße und Kudammweg einhergeht. Ein Förderprogramm hilft bei der Finanzierung.

Rüdiger Hage: „Die Baumaßnahmen betreffen alle Firmen vor Ort. Wir haben das Projekt in drei Bauabschnitte eingeteilt, um die Erreichbarkeit der Firmen zu jedem Zeitpunkt zu gewährleisten. Wir planen, im April 19 mit dem Bau zu beginnen. Wenn alles klappt, sollten die Arbeiten Ende 2019 abgeschlossen sein. Zurzeit sind wir im Vergabeverfahren.“ (Text/Fotos: CS / Visualisierung Olympisches Dorf: archlab, Dresden / Grafische Darstellung Olympisches Dorf: grafikatelier Neubauer und Engelke, Nürnberg)

Dieser Artikel wurde in „FALKENSEE.aktuell – Unser Havelland“ Ausgabe 154 (1/2019) veröffentlicht.

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