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01.01.2017

Falkensee-Interview Ende 2016: Marcus Brandt

Marcus Brandt (36) ist in Falkensee aufgewachsen – und steht wie kein anderer für die Wirtschaft in der aufstrebenden Gartenstadt. Sein Vater Hartmut hat das Bürobedarfs- und Stempelgeschäft Büro-Brandt gegründet.

Marcus Brandt betreibt als Geschäftsführer der Brandt Kommunikationstechnik GmbH drei Vodafone Premium Shops (www.geschaeftskunden-vodafone.de) in Falkensee, in Nauen und im Havelpark.

In diesem Jahr hat er den Reparaturdienst DeinHandyservice.de gegründet. Er beantwortet für FALKENSEE.aktuell die gleichen Fragen wie der Bürgermeister – und wird sie aus der Perspektive von jemanden angehen, der zwei Ladengeschäfte in Falkensee unterhält.

Aufgewachsen in Falkensee: Wie hat sich der Ort für Sie persönlich in den letzten 30 Jahren verändert?

Die Wende brachte in Falkensee viele Veränderungen mit sich. Viele Betriebe mussten geschlossen werden, da sie nicht wettbewerbsfähig waren. Neue Straßen wurden gebaut, Grundstücke wurden geteilt und der Zuzug neuer Bürger nach Falkensee hält weiterhin an.

Die Attraktivität Falkensees wurde kontinuierlich weiterentwickelt. Es bleibt aber auch noch viel zu bewegen.

Die neue Stadthalle mit ihren vielen Veranstaltungen sorgt dafür, dass man für Konzerte und andere Events nicht mehr nach Berlin fahren muss. Wie ist Ihre Einschätzung zum ersten Jahr Stadthalle?

Ich finde die Stadthalle mit ihrem Zwillingshallen-Konzept sehr ansprechend. Falkensee hat nun das, was es auch verdient, eine moderne Stadthalle im Zentrum der Stadt. Gerade war ich bei der TSV-Weihnachtsgala und konnte mir einen aktuellen Eindruck verschaffen. Nach der Veranstaltung herrschte eine tolle Atmosphäre und bei meinen Gesprächen habe ich durchweg positives Feedback wahrgenommen. Ich finde, dass Falkensee nun stolz sein kann auf seine neue Stadthalle. Auch wenn man links und rechts von ein paar Problemen hört, muss man den Dingen hier auch Zeit geben. Es ist wichtig, dass sich alle Altersgruppen dort wohl fühlen und jede Zielgruppe auch ihren Interessen nachgehen kann. Das ist meiner Meinung nach gut gelungen und alle Altersgruppen profitieren gleichermaßen.

Stadtfest, Stadthalle, Sport-Events und jede Menge Künstler-Märkte. Dazwischen von früh bis spät spannende Termine im Ort: Kann man das Unwort von der Schlafstadt Falkensee langsam zu den Akten legen?

Meine Wahrnehmung ist, dass die Dynamik des Wachstums nun in eine neue Phase geht. Es ist an jeder Ecke eine noch stärkere Aufbruchstimmung zu spüren. Viele Falkenseer packen mit an und helfen, Falkensee noch lebenswerter und attraktiver zu machen, gerade Sportvereine, Gewerbetreibende, die Politik oder auch Senioren. Die Bahnhofstraße verändert ihr Bild und trostlose Bauruinen verschwinden endlich. Es bewegt sich Vieles in die richtige Richtung und so langsam kommt Falkensee nun aus seinem Image einer „Schlafstadt“ heraus.

Die dunkle Jahreszeit beginnt, die Polizeimeldungen von den Hauseinbrüchen häufen sich. Wie zufrieden sind Sie mit der Sicherheit in Falkensee? Was ist gut, was muss noch getan werden?

Generell finde ich, dass die Polizeipräsenz verstärkt werden sollte. Der Personalabbau bei der Polizei in den letzten Jahren war der falsche Weg. Die Polizei benötigt mehr Personal und die Investitionen sollten hier noch weiter erhöht werden. Gut finde ich, dass wir nun eine neue, moderne Polizeiwache bekommen. Diese ist auch dringend notwendig und überfällig.

Bürgerbeteiligung ist das Zauberwort der Stunde. Wie definieren Sie das? Wo sehen Sie, dass Bürgerbeteiligung bereits erfolgt?

Für Falkenseer, die bereits vor der Wende in Falkensee wohnten, war das Wort „Bürgerbeteiligung“ ein Fremdwort. Was die damalige Partei beschlossen hatte, wurde gemacht. Heute wird die Bürgerbeteiligung meiner Wahrnehmung nach ernster genommen, aber noch immer nicht genug berücksichtigt. Man sollte die Bürgerbeteiligung noch stärker forcieren und die Bürger noch stärker in Entscheidungen einbinden.

Das SeeCarré soll kommen, in der Bahnhofstraße wird bereits eifrig gebaut, auch am Kreisverkehr an der Spandauer Straße soll Großes entstehen. Wie werden diese Neubauten Falkensee verändern?

Falkensee wird wachsen und das ist gut so. Unsere Ansprüche steigen und unsere Kinder profitieren von einer weitsichtigen Planung.

Sollte der Investor das SeeCarré bauen, hoffe ich, dass es wirtschaftlich dauerhaft betrieben werden kann. Ich reise beruflich viel durch Deutschland und sehe oft, dass Center eröffnet werden und nach kurzer Zeit bereits einen hohen Leerstand aufweisen. Das kann man bereits sehr gut in Berlin erkennen. Besonders freut mich, dass die Bahnhofstraße ihr Gesicht verändert und Leben ins Zentrum einkehrt.

Der Kreisverkehr an der Spandauer Straße wird sicherlich zu einer Entspannung der unzufrieden stellenden Verkehrssituation führen. Schon als der Kreisverkehr gebaut wurde, war vielen klar, dass dieser deutlich zu klein geplant wurde.

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Die Bewohner werden mehr, der Verkehr auch. Droht Falkensee der Verkehrsinfarkt? Schon jetzt steht der Verkehr in manchen Straßen zeitweise still.

Der Verkehrsinfarkt ist ja schon da. Ich finde, dass hier Fehler gemacht wurden.

Die Bahnhofstraße ist zu schmal geplant worden. Geschäftsleute in der Bahnhofstrasse hatten den Verkehrsinfarkt befürchtet. Die Bürgerbeteiligung wurde in der Verwaltung nicht ausreichend berücksichtigt. Als Vertreter der Wirtschaft möchte ich, dass die Steuergelder besser eingesetzt werden. Auch der Kreisverkehr bei HELLWEG wird zum zweiten Mal gebaut.

Das Falkenseer Hallenbad war Wahlkampfthema. Wie soll es damit weitergehen?

Ich finde es wichtig, dass nun endlich Taten folgen. Falkensee braucht ein Hallenbad für Jung und Alt und letztlich wertet es unsere Stadt ungemein auf. Mehr als 7.000 Unterschriften wurden bereits vom Seniorenbeirat gesammelt. Ich glaube, dass jeder Falkenseer dieses Projekt nachhaltig unterstützen wird.

Was ist für Sie die schönste Ecke in Falkensee – und welcher Schandfleck muss dringend weg?

Oftmals bekomme ich Besuch aus den alten Bundesländern und viele sind der Meinung: Wenn man nach Falkensee kommt, fühlt man sich wie im Urlaub. Es freut mich jedes Mal, das zu hören. Gern zeige ich Besuchern die Gegend um den Falkenhagener See oder auch den Stadtteil Finkenkrug. Wir haben viele schöne Ecken in Falkensee, so ganz möchte ich mich hier nicht festlegen.

Wie hat Falkensee die erste Flüchtlingswelle 2016 in Ihren Augen überstanden?

Als Surfer reise ich viel und konnte mir in den letzten Jahren viele Eindrücke auf der ganzen Welt verschaffen. Dabei habe ich Länder bereist, wo Armut und Unterdrückung zum Alltag gehören. Meiner Ansicht nach hat Falkensee die Situation bisher gut gemeistert. Viele Falkenseer haben Verständnis für die Flüchtlinge gezeigt. Nun muss die Politik auch dafür sorgen, dass es Sprachkurse gibt und die Integration in die Gemeinschaft und das Arbeitsleben auch funktioniert. Wichtig ist, dass die Menschen Zeit bekommen, diese Veränderungen wahrnehmen zu können und dass Aufklärung betrieben wird.

Welche Entwicklung in Falkensee fanden Sie 2016 ganz toll und welche ganz schlecht? Und warum ist das so?

Die Eröffnung der Stadthalle war mein persönliches Highlight, und auch, dass so viele Investitionen der Gewerbetreibenden in Falkensee getätigt wurden. Initiativen wie die Falkenseer Flüchtlingshilfe „Willkommen in Falkensee“ und die zahlreichen Interessensgemeinschaften sorgen für reichlich positive Bewegung in der Stadt.

Auch das Grillverbot am Falkenhagener See begrüße ich – das gehört ebenfalls zu meinen persönlichen Highlights im Jahr 2016. Ich finde es spannend, dass Falkensee weiterhin an Bevölkerung zunimmt und viele neue Bürger ihre Ideen mit einbringen. Ich wünsche mir weiterhin, dass alle gemeinsam und konstruktiv an der Gestaltung mitarbeiten. (Text: CS / Foto oben: Pressebild / Foto unten: CS)

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