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08.02.2017

Falkensee: Der Mann am Klavier

Früher wurde in den Familien noch sehr viel Wert auf eine solide Musikerziehung der Kinder gelegt. Ganz egal, ob Gitarre, Geige, Saxophon oder eben Klavier: Wichtig war, dass der Nachwuchs wenigstens ein Instrument sicher beherrscht. Der Berliner Wolfgang Klatt (58) lebt seit 1994 zusammen mit seiner Frau Silvia (54) in Falkensee.

In seinem Pianohaus Klatt (www.klatt-pianohaus.de) in Berlin-Charlottenburg verkauft er Klaviere in allen Preisklassen von 900 bis 100.000 Euro – von namhaften Herstellern wie Bösendorfer, Yamaha, Bechstein, Schimmel oder Steinway. Der Klavierbauer und Konzertstimmer, der in diesem Jahr bereits 40 Jahre lang selbstständig ist: „Auch heute noch spielt die Musik in den Familien eine große Rolle. Wir stellen aber fest, dass es einen starken, neuen Trend gibt. Immer mehr Senioren haben nach ihrem aktiven Berufsleben Lust darauf, sich ganz neuen Herausforderungen zu stellen. Sie kaufen sich dann mitunter ein Klavier und nehmen Unterrichtsstunden, um im Alter das Klavierspielen zu erlernen. Das ist in der Tat eine sehr gute Beschäftigung. Das Klavierspielen wird sogar nach einem Schlaganfall empfohlen, weil die sehr komplexen Bewegungen mit den Händen das Gehirn auf sehr vielfältige Weise fordern. Gerade erst haben wir wieder ein Klavier in eine Seniorenresidenz geliefert. Gern wird hier dann übrigens ein sog. Silent Klavier mit optionaler Stummschaltung genommen, bei dem die Töne auf Wunsch nur über einen Kopfhörer ausgegeben werden, ohne dass die Nachbarn mit unterhalten werden.“

Auch wenn Wolfgang Klatt Klavierbauer ist, in einer Klavierfabrik gelernt hat und theoretisch ein Klavier von Grund auf zusammensetzen könnte, so arbeitet er doch vor allem im Kundendienst. Klatt: „Oft geht es darum, ein altes Klavier, das viele Jahre im Keller oder im Schuppen überdauert hat, für eine neue Generation wieder herzustellen. Das ist immer eine recht aufwändige Angelegenheit. Die Lebensdauer eines Klaviers ist endlich. Wenn sich der ganze Rahmen und der hölzerne Unterbau erst einmal verzogen haben, dann ist nichts mehr zu machen.“

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Bei der regelmäßigen Wartung gut gepflegter Klaviere geht es darum, Verschleißteile zu ersetzen. Das gilt vor allem bei den Filzen, die an vielen Stellen im Klavier verbaut sind – und die mitunter von Motten angenagt werden. Es ist sogar schon vorgekommen, dass Mäuse ihre Nester mitten im Klavier bauen.

Wolfgang Klatt: „Ein Klavier sollte theoretisch auch wenigstens zwei Mal im Jahr gestimmt werden, weil das Holz sich abhängig von der Luftfeuchtigkeit ausdehnt oder zusammenzieht. Bei Konzerten stimmen wir ein Klavier oft das erste Mal vor der Probe und dann noch einmal kurz vor dem Auftritt selbst. Den Unterschied hören zwar die meisten nicht – wir Experten aber schon. In Schloss Ribbeck steht übrigens ein Konzertflügel von Bösendorfer, den wir dorthin verkauft haben und der immer bei den Havelländischen Musikfestspielen zum Einsatz kommt.“

Auch wenn das Geschäft und die Werkstatt (seit 1899 Familientradition) in Charlottenburg zu finden sind, so ist Wolfgang Klatt doch sehr viel in Falkensee und Umgebung unterwegs: „In Falkensee stehen sehr viele Klaviere und Flügel in den Häusern. Unser erstes Klavier nach der Wende haben wir übrigens nach Falkensee geliefert – für einen Pfarrer. Viele Alteingesessene rufen seit dieser Zeit bei uns an, damit wir ihr Klavier neu stimmen oder um hier und dort etwas zu reparieren oder zu restaurieren. Aber auch die Zugezogenen melden sich gern bei uns. In der Regel sorgt die Mundpropaganda dafür, dass die Klavierbesitzer zu uns finden. Wir nehmen übrigens auch gebrauchte Klaviere in Zahlung und vermieten ein Klavier probeweise. Bei Gefallen kann der Miet- auf den Kaufpreis angerechnet werden.“ (Text/Fotos: CS)

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