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03.11.2007

Äste beschneiden

scheibeDarauf freue ich mich schon das ganze Jahr. Kaum wird es Herbst, ziehe ich die Astschere aus ihrem Versteck im Schuppen hervor und komme über meinen Garten wie die Heuschrecken über die Savannen Afrikas. Im Nullkommanichts sind alle Äste gestutzt: Nur wer räumt hinter mir auf?

Botanik ist die Lehre vom Tierfutter. So habe ich es damals an der Uni als bekennender Zoologe gelernt. Ganz in diesem Sinn darf in meinem Garten alles wachsen, was Raupen, Käfern und anderem Getier als Nahrung dient. Ab und zu greife ich regulierend mit dem Rasenmäher ein. Das reicht dann aber auch schon wieder. Der Garten ist zum Genießen da – und nicht zum übermäßigen Arbeiten.

Nur einmal im Jahr, da muss der große Kahlschlag her. Da greife ich zu mei­ner Astschere mit Teleskoparmen und schleiche durch den Garten, um alle Bäu­me und Sträucher zu stutzen. Das macht freilich richtig Spaß, überall ein­mal Hand anzulegen, damit die Bäu­me nicht zu sehr in die Höhe schießen. Auf einmal öffnen sich wieder Wege, die das ganze Jahr über verschlossen waren: Wer sagt denn, das auf dem märkischen Sand nichts wächst? Und wie schön ist es, hinter den wuchern­den Büschen die verlorenen Fußbälle ei­nes Sommers wiederzufinden!

Nach einer Stunde hemmungslos gefrönter Zerstörungswut sieht der Zier­­ahorn wieder richtig gut aus, kann man hinter dem Busch am Teich auch den Teich wieder ausmachen und ist auch der Blick von der Frühstücks­ter­ras­se über die Stümpfe der beiden Trau­erweiden hinweg wieder möglich. Mei­ne Muskeln schmerzen, die Ast­schere ist stumpf und ich habe das Ge­fühl, mich durch den ganzen Dschun­gel Kolumbiens gehackt zu haben. Das bringt mich auf die Idee, meine originale Buschmachete hervorzuho­len, um auch noch die Brennnesseln am Zaun zu massakrieren. Jetzt gibt es ja keine Schmetterlingsraupen mehr, denen ich hier ein sommerliches Zuhause gegönnt habe.

Kaum bin ich fertig, ist die Familie sauer. Und tatsächlich: Der Garten sieht aus wie ein Schlachtfeld: Überall Äste und Blattwerk. Au weia. Einen Häcksler soll ich besorgen, ein Lager­feuer soll ich machen. Doch wie es mit uns Männern so ist: Auf halber Strecke gehen uns doch immer wieder die Kräf­te aus. Die Äste ziehe ich alle auf unsere Unkrautwiese. Als Biologe pos­tuliere ich, dass ich diesen Holzhügel nur errichte, damit die Igel darunter ein Winterquartier haben. Tatsache ist, dass ich viel zu groggy bin, um noch weiter zu arbeiten. Das Laub sammle ich mit dem Rasenmäher ein, das geht am schnellsten.

Am Ende sieht der Garten wieder aus wie neu – ordentlich gestutzt und fast so, als hätte hier ein echter Gärt­ner gewerkelt. Da im Winter nix wächst, bleibt mir dieses Bild bis zum Frühjahr erhalten. Wer sagt denn da, dass ich keinen Grünen Daumen habe? (Carsten Scheibe)

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