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01.02.2008

Falkensee soll leiser werden…

laermErst passierte lange Zeit relativ wenig, nun muss alles ganz schnell gehen: Bis Mitte Juli 2008 soll Falkensee einen so genannten Lärmaktionsplan bekommen. Worum geht es dabei?

Bereits im Jahr 2002 wurde vom Euro­päischen Parlament die „Umgebungslärmrichtlinie“ verabschiedet. Mit ihr soll EU-weit ein gemeinsames Konzept festgelegt werden, um schädliche Aus­wirkungen und Belästigungen durch Umgebungslärm zu verhindern, ihnen vorzubeugen oder sie zu mindern. Die Umsetzung in deutsches Recht erfolgte im Juni 2005 (§§ 47a-f Bundes-Immissions­schutz­gesetz).

Vorgesehen ist, in einem ersten Schritt die Belastung durch Umge­bungslärm anhand von Lärmkarten und Betroffenheitsanalysen zu ermitteln und die Öffentlichkeit über das Ausmaß zu informieren. In einem zweiten Schritt sind auf der Grundlage der Lärmkarten konkrete Maßnahmen auszuarbeiten, um die Lärmbelastung zu verringern bzw. nicht weiter ansteigen zu lassen. Diese Maßnahmen werden in einem Lärmaktionsplan zusammengefasst.

Je nach Verkehrsbelastung sind zu verschiedenen Zeitpunkten Ergeb­nis­se vorzulegen. So müssen für Haupt­ver­kehrsstraßen mit einem Aufkom­men von mehr als 6 Mio. Kraftfahrzeu­gen pro Jahr – das sind in Falkensee die Spandauer und Falkenhagener Stra­ße – bis zum 30. Juni 2007 strate­gische Lärmkarten und bis zum 18. Juli 2008 Lärmaktionspläne ausgearbeitet sein. Für Straßen mit einem Aufkom­men von drei bis sechs Mio. Kraftfahr­zeugen pro Jahr sind die entsprechenden Termine der 30. Juni 2012 und 18. Juli 2013. In diese zweite Kategorie fallen nach Auskunft von Tiefbau­amtsleiter Günter Siegert und Baude­zer­nent Harald Höhlig die Straße der Einheit, die Potsdamer Straße, Schwartz­­kopff- und die Bahnhofstraße.

Ebenso ist der Lärm an Haupteisen­bahnstrecken zu untersuchen. In wel­che Kategorien die Strecken fallen, die sich durch Falkensee hindurchziehen, ist wohl noch nicht bekannt. Lärmkar­ten und Aktionspläne sind dann alle fünf Jahre anzupassen.
Da bei der Planung der Maßnahmen die Öffentlichkeit zu beteiligen ist, wer­den noch einige Versammlungen statt­finden, in der die Bürger durch die Stadt informiert werden und eigene Vorschlä­ge einbringen können. Denn im Bun­des­imissionsschutzgesetz ist geregelt, dass die Öffentlichkeit „rechtzeitig und ef­fektiv die Möglichkeit erhält, an der Ausarbeitung und der Überprüfung der Lärm­aktionspläne mitzuwirken“. Ande­re Städte haben hierzu große Veran­staltungen und Workshops vorgesehen und bereits durchgeführt.

Aus den bisher an anderer Stelle gesammelten Erfahrungen, die auch für Falkensee relevant sein könnten, ist die Liste möglicher Maßnahmen zur Lärmreduzierung lang. Die Verbes­se­rung des öffentlichen Personennah­verkehrs (Anbindung S-Bahn?) und der Ausbau von Radwegen in der In­nen­stadt werden oft genannt. Eine wei­tere Möglichkeit ist eine Geschwindig­keits­begrenzung für die betroffenen Straßen (Tempo 30), ebenso eine – ggf. zeitlich begrenzte – Reduzierung des Lkw-Anteils. Auch neuartige Fahr­bahnbeläge oder Techniken zur Ver­min­derung des Rad-Schiene-Ge­räuschs auf den Bahnstrecken kom­men in Betracht. Aber auch ganz ein­fache Maßnahmen wie das Vermeiden des Befüllens von Altglas-Containern zu bestimmten Zeiten. Neuartig sind Maßnahmen des „Managements und Marketings“: Hier geht es um die Be­einflussung des Mobilitätsverhaltens der Bürger (Wann und wie oft lege ich welche Wege wie zurück?).

Ob die geplante und viel diskutierte „Nordumfahrung“ von Falkensee zur Lärm­minderung beiträgt, dürfte ver­mut­lich heiß umstritten sein. Einerseits würden einige Straßen im Stadtgebiet vom Verkehr etwas entlastet werden, andererseits werden mehrere zu- und abführende Straßen auch stärker belastet. Zudem würden bisher ruhige Stadtgebiete wie etwa Falkenhöh, die Gebiete um den Falkenhagener See und den Havelländer Weg sowie der Süden von Schönwalde neu verlärmt. Auf der Umgehungsstraße würde teil­weise Tempo 100 gelten. Aus den Pla­nungsunterlagen des Landes Bran­den­burg geht zudem hervor, dass durch die Nordumfahrung insgesamt mehr Verkehr angezogen werden wür­de. Eine Lösung für das Hauptproblem Spandauer Straße ist bisher nicht ersichtlich.

Die Bürgerinnen und Bürger von Falkensee sollten gespannt sein, wel­che Untersuchungen die Stadtspitze zu den Lärmaktionsplänen vorlegen kann. Im nächsten halben Jahr besteht jedenfalls für alle die Möglichkeit, an der Gestaltung einer vielver­sprechen­den Zukunft für die Gartenstadt mitzu­wirken.
(Marc Oliver Wille)

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