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01.02.2008

Schwanenkrug: Eine historische Geschichte

schwanaltDer Schwanenkrug liegt heute an der Fehrbelliner Straße zwischen Spandau und Schönwalde und gehörte von jeher zum Rittergut Schönwalde. Der heutige Gasthof und Veranstaltungsort atmet lebendige Geschichte. Heike Rattunde hat recherchiert.

Schon wenn man auf dem Weg nach Schönwalde auf der kurvigen, mit alten Bäumen gesäumten Landstraße ent­langfährt und das historische Gebäude des Schwanenkrugs entdeckt, fühlt man sich sofort zurückversetzt in eine Zeit, in der der Schwanenkrug noch als ei­ne Station in Richtung Hennigsdorf und Bötzow zur alten Poststraße nach Hamburg führte. Eine sol­che Reise war damals beschwerlich und nicht eben ungefährlich. Damals wur­den immer wie­der Kutschen von ge­meinen Strol­chen und Strauchdieben überfallen.

Gegenüber der über 1.000 Jahre al­ten Hirschkopf-Eiche war es damals für den Kutscher gut möglich, mit sei­nem Gefährt samt Passagieren und Equipage im Halbkreis vor dem histori­schen Gasthof vorzufahren.

Das historische Gebäude mit den niedrigen Zimmern erhält durch den auf gemauerten Säulen ruhenden Er­ker­vorbau eine besondere Prägung. Dieser Vorbau, der auch als Unterfahrt für Fuhrwerke diente, ist übrigens cha­rakteristisch für alle Dorfkrüge in der Mittelmark. Unter diesem Erkervorbau konnte nun der Kutscher die vor der Kut­sche angespannten Pferde mit ei­nem sanften „Brrrrr“ zum Halten brin­gen. Den Passagieren war es dadurch möglich, ohne Gefahr auszusteigen und trockenen Fußes den Gasthof zu er­reichen. Innen mochten sie sich dann von der langen Fahrt erholen und am prasselnden Kaminfeuer aufwär­men, sich später mit Speis‘ und Trank tüchtig stärken, bevor sie ihr müdes Haupt dann in den Gastzimmern des his­torischen Gasthofs Schwanenkurg zur Ruhe betteten.

Bis zum Jahre 1782 stand der Schön­walder Dorfkrug noch auf einem Grundstück am Ende des Dorfes – in Richtung Spandau. Ein Feuer jedoch, das aus Unvorsichtigkeit entstanden war, verwandelte den Krug damals un­glücklicherweise in einen Asche­hau­fen.

Da die Verdienstmöglichkeiten im Ort damals gering waren, bat 1783 der da­malige Erb-, Lehens-, und Gerichts­herr des Dorfes, Herr Canonikus v. Risselmann, den König Friederich den Großen, „den Krug 2.000 Schritte vom Dorf näher nach Spandau in seiner ihm eigentümlichen Heide an der großen Landstraße, die von Spandau nach Fehr­bellin und Ruppin führt, mit Be­willigung seiner Untertanen“ neu auf­bauen zu dürfen.

In der noch heute bestehenden Bau­art wurde das Gasthaus in den Jahren 1784 und 85 erbaut. Die neuen Anbau­ten erfolgten jedoch später. Das Ge­bäu­de ist 52 Fuß lang, 36 Fuß tief, 8 Fuß im Stiel hoch, wie man im heute noch vorhandenen Bauanschlag gut nach­lesen kann. Es hat eine Erker­stube auf vier Pfeilern. Diese wurde damals Laube oder Läwinge genannt. Interessant sind auch die weiteren Zahlen: 562 Goldtaler, 4 Groschen und 4 Pfennige betrugen damals die Bau­kosten. Da reichlich Kutschen und Wa­gen auf der Landstraße unterwegs wa­ren, wurde auch ein Pferdestall für 36 bis 40 Pferde errichtet, dazu eine Scheu­ne und ein Backofen, um die hungrigen Reisenden immer mit frisch gebackenem Brot versorgen zu können. Naturgemäß wurde der neu erbaute Gasthof der „Neue Krug“ genannt, doch erhielt er ein Schild mit weißem Schwan im Bild, wonach er 1790 zum ersten Male „Krug zum weißen Schwan“ genannt wurde.

Selbstgebrautes Bier konnte im Schwa­nenkrug allerdings nicht ausge­schenkt werden. Der Gasthof war ei­ner von 29 Schenkkrügen der Stadt Span­dau – und nur das dortige Gebräu durfte der Krüger verzapfen. Erst die Ge­­werbeordnung von 1869 machte dem „Bierzwang“ ein Ende.

Theodor Fontane nimmt die Fal­ken­seer Leser nicht nur auf seinen Wan­derungen durch die Mark Bran­den­burg mit. Auch er hätte sich zu sei­ner Zeit – als möglicher Zeitzeuge – be­stimmt sehr wohl gefühlt, wäre er auf seiner Reise um 1870 nicht in den Fin­kenkrug nach Brieselang, sondern zum historischen Gasthof Schwanen­krug gelangt. Ihm wurde vom Schwa­nenkrug jedoch einiges berichtet: „Auf dem Schwanen-Kruge versammelten sich im Juni allerlei Gestalten, jung und alt, die Jagd auf wilde Rosenstämme, auf „Hagebutten-Sträucher“ machten, während andere, etwas früher schon, … dem jungen Faulbaum nachstellen.“ Das Faulbaumholz eignete sich damals besonders gut, um Kohle für die Pulver­fabriken in Spandau und Kirchmöser herzustellen.

Ein Wilhelm Luther, Nachkomme des Bruders des berühmten Refor­ma­tors, war etwa von 1884 bis 1891 Päch­ter des Kruges. Nach seinem To­de verheiratete sich die Witwe Luther mit dem Oberkellner Gustav Brusch­witz. Nach dem Tode seiner Frau er­gab sich Bruschwitz leider immer mehr dem Trunke. Im November 1908 fiel er in die­sem Zustand mit einem brennen­den Licht im Hausflur auf einen Haufen Rei­sig – und das hintere Gastzimmer mit­samt den Möbeln ging in Flammen auf.

Der Wirt Wilhelm Mahnkopf tätigte 1932 wieder einen Anbau, da der Sonn- und Feststagsverkehr stetig anstieg. In dem neu erbauten Saal, der etwa 250 Personen Platz bietet, wurden damals wie heute viele Feste gefeiert. 1974 wurde das Gebäude in die Denkmal­schutzliste der DDR aufgenommen. 1984 wird der Gasthof, zuerst unter staatlicher Leitung und ab 1990 privat, durch die Familie Schuknecht bewirt­schaftet. Viele Umbauten wie z.B. die des früheren Gastraumes in das heu­tige Kaminzimmer und Moderni­sie­run­gen u. a. von Küche und den sanitären Anlagen wurden dann nach dem Fall der Mauer notwendig.

So können auch heute noch rau­schende Feste im historischen Schwa­nenkrug gefeiert werden – wie z.B. Sil­vester, der Neujahrsempfang des Bür­germeisters, der Frühlingsball, der Som­mernachtsball und natürlich auch das gro­ße Schlachtefest.

Der Wind rauscht jedoch immer noch durch die über 200-jährigen Ei­chen, die dort stehen, seit der Schwa­nenkrug 1784 neu erbaut wurde. (H.R.)

Kontakt: Gasthof Schwanenkrug, Berliner Allee 9, 14621 Schönwalde, Tel.: 03322-24810

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