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26.03.2008

Echt männlich!

ScheibeWann ist ein Mann ein Mann? Ja, wer weiß das schon. Ich für meinen Teil ma­che mir da manchmal Sorgen. Früher in der Steinzeit war es noch einfacher, ein echter Kerl zu sein. Man(n) stank zehn Meilen gegen den Wind, wusch sich nie, erlegte das Mammut und zerrte seine Angebetete an den Haaren in die Höhle.

Heute gelten da schon andere Krite­rien. Und ich, ich erfülle viele davon nicht. Handwerklich bin ich eine echte Niete. Ich kriege keinen Nagel gerade in die Wand, kann an meinem Auto im Bestfall den Ben­zin­deckel aufschrauben und weiß nicht, wie ich einen Staubsauger wieder in Gang kriege, wenn er streikt. Ich kann kei­nen VW von einem BMW unterscheiden und höre definitiv nicht am Motorenge­räusch, was für ein Auto da an mir vorbei fährt. Handys interessieren mich über­haupt nicht, Hauptsache, es bimmelt. Und ist das wohl schlimm? Ich koche gern für die ganze Familie, schaue Pilcher-Fil­­me und das Traumschiff, bin Weltmeis­ter im Ketten-Entwirren und unternehme im Urlaub gerne Ausflüge mit der ganzen Familie.

Ich weiß, das wiegt schwer und lässt mich auf der Harte-Kerle-Skala ein gan­zes Stück abrutschen. Zum Glück gibt es auch eine Menge Pros. Ich bin ein echter Messy und kann wunderbar im unordent­lichen Chaos leben. Mit den Kumpels spie­le ich gern nächtelang Poker und schaue mir brutale Action-Filme im Kino an, in denen nicht geküsst werden darf und in denen der Held spätestens dann unsterblich wird, sobald er sich im Koh­lenträger-T-Shirt dem Kugelhagel stellt. Ich sammle Hulk-Comics, habe alle Ro­ma­ne von Stephen King gelesen und liebe alle Science-Fiction- und Horror-Schoc­ker mit einer Freigabe ab 18 Jah­ren. Nichts ist schöner als Schweigen mit den Freunden, ganz kurze Telefonate und das Einschlafen auf dem Sofa vor dem Fernsehen. Ich bin egoistisch, faul, unso­zial und eine Schan­de für die Menschheit – manchmal, sagt meine Frau.

Gegen mich als echter Kerl spricht aber auf der anderen Seite noch mehr. Ich trinke gerne Baileys auf Eis, liebe den Cir­que du Soleil, fliege am liebsten nach Ha­waii und war schon zwei Mal in der Las-Vegas-Show von Siegfried und Roy. Ich kann bei Spielen aller Art gut verlieren, has­se lautes Rülpsen in der Öffentlichkeit und besaufe mich nicht regelmäßig, bis es peinlich wird. Ich schaue auch gern das Promi-Dinner auf VOX und Heidis Ger­many’s Next Top Model. Kochsen­dungen mag ich auch und ab und an darf es auf DVD auch einmal eine echte Rührschnulze sein. Und ich gebe es zu: Ich höre mit Begeisterung Vaya con Dios.

Zum Glück gibt es Hoffnung. Ich lehne Feng Shui und Homöopathie als völligen Blödsinn ab, mag exzessive Silvester-Böl­le­reien, sammle Ferrari-Autos von der Tankstelle, höre für mein Leben gern Ramm­stein und Fehlfarben, kann schnar­chen wie ein Profi und mag gern schar­fes Essen vom Thailänder. Außer­dem ist Botanik die Lehre vom Tierfutter und besser als jedes Gemüse ist ein ordentliches Steak vom Grill.

Alles im Lot? Na gut, dann habe ich ja noch Glück und darf mich gerade noch so als waschechten Kerl bezeichnen. Im­merhin habe ich eine kniehohe Figur von Lara Croft auf meinem Schreibtisch zu ste­hen. Das sagt doch eigentlich alles, oder? (Carsten Scheibe)

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