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31.08.2009

Tangerine Dream in der Zitadelle

tan6Wir schreiben den 30. August 2009: Das diesjährige Citadel Music Festival geht zu Ende. Die Berliner Elektronik-Musikpioniere Tangerine Dream verkünden das Motto des Abends in der Spandauer Zitadelle: „Rocking Out The Bats“. Zweieinhalb Stunden gibt es Sphärenklänge ohne auch nur ein gesprochenes Wort.

Tangerine wer? Die Berliner Band Tangerine Dream ist anscheinend bei den jüngeren Generationen nicht mehr sehr bekannt. So verwundert es nicht, dass deutlich weniger Fans in der Zitadelle aufschlagen als noch am Abend zuvor bei Silbermond. So ist es wenigstens kein Problem, vor der Zitadelle noch in letzter Minute vor dem Anfang des Konzerts einen Parkplatz zu finden. Die Veranstalter haben es erwartet: Der Innenhof der Zitadelle ist komplett bestuhlt. So können die zahlenden Gäste sitzen. Was sicherlich nicht schlecht ist, da drei Viertel aller Besucher Männer etwa um die Fünfzig sind.

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Tangerine Dream wurde Anfang der Siebziger von Edgar Froese in Berlin gegründet – und soll den ersten Auftritt in der Mensa der Technischen Universität hingelegt haben. Die Band spielte als eine der allerersten elektronische Musik – in einem Stil zwischen Kraftwerk und New Age. Die Personen in der Band wechselten von Jahr zu Jahr, während sich Tangerine Dream immer mehr an neuen elektronischen Rhythmen und Experimenten versuchte. Die Band kassierte Emmy-Nominierungen, beeindruckte die Fans in fernen Ländern und trat sogar in der Londoner Royal Albert Hall auf (übrigens auch 2010, der Termin steht schon). Zuletzt wurde Tangerine Dream deutlich rockiger und holte Gitarren und Drums mit auf die Bühne.

Insofern versprach der 30. August ein interessanter Abend zu werden. Punkt halb acht fiel ein riesiger, schwarzer Vorhang von der Bühne und offenbarte die fünf Musiker, die bereits an ihren Instrumenten saßen und ohne ein weiteres Wort zu spielen begannen. Edgar Froese verkroch sich in seinen Keyboards und Rechnern, rechts ackerte ein weiterer Mitspieler an zwei Keyboards und in der Mitte stand ein dauergrinsender Gitarrist, der – wann immer er nicht gebraucht wurde – die Hände wie zum Gebet über seinem Instrument faltete und einfach abwartete. Einzig und alleine eine junge Frau an mehreren verschiedenen Schlagzeug-Installationen gab richtig Vollgas und sorgte bei den schnelleren Stücken für ordentlich Stimmung: Sie verausgabte sich nach Kräften und bot auch optisch Action satt auf der Bühne.

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Das Problem mit Tangerine Dream: Die Musiker sprachen kein Wort mit ihrem Publikum, rauschten von einer Nummer in die andere und ließen ausgerechnet die wenigen weiblichen Vocals deutlich erkennbar vom Band laufen – wo doch zwei Frauen mit auf der Bühne standen.

Aber: Die schnellen Stücke mit reichlich Gitarre und vor allem den schnell gespielten Drums brachten die Zitadelle zum Kochen und die Fans zum Mitrocken. Leider sackte die Stimmung zwischendurch immer wieder deutlich ab, wenn sphärische Klänge passend zum grünen Laserlicht über den mit Kunstnebel angereicherten Zitadellen-Innenhof waberten. Das war Chill-out-Musik für den Strand, die Zitadelle hätte aber noch ein bisschen mehr Tempo vertragen.

Das Publikum passte perfekt zur Band. Völlig still saßen die Gäste auf ihren Stühlen, ließen Feuerzeuge und Digitalkameras in den Taschen und applaudierten höflich nur kurz zwischen den Stücken. Erst zum Ende hin, als eine Zugabe einzufordern war, stand das Publikum auf, um laut nach Mehr zu rufen. Die Tangerine Dreams ließen sich erweichen, spielten noch ein wenig aus ihrem Portfolio, um dann ohne ein einziges Wort die Bühne zu verlassen.

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Wohlgemerkt: Das ganze Konzert über gab es weder ein gesprochenes noch ein gesungenes Wort, sieht man von einem bisschen Background-Trallala aus der Retorte ab. Als die meisten Zuschauer schon Richtung Ausgang unterwegs waren, kamen die Musiker doch noch einmal auf die Bühne, um in einem launigen Vortrag zu erklären, dass der Tierschutz in der Zitadelle die zweite und dritte Zugabe verhindern würde: Punkt 22 Uhr muss ja Schluss sein vor Ort. Und Edgar Froese meinte, dass man gern wieder in Berlin spielen würde, dann aber mehr Richtung Zentrum, wo es keine Probleme mit den Tieren geben sollte. Nun denn – nur zu! Die Zitadelle verdient mehr Bands wie Madness und Silbermond, die wissen, wie man an diesem geilen Ort eine Party feiert.

Schade: Das Citadel Music Festival ist nun schon wieder vorbei für dieses Jahr. 2009 haben wir ebenso wie 2006, 2007 und 2008 viele tolle Bands gesehen – etwa ZZ Top, Madness oder Silbermond. Für 2010 hat sich Schiller bereits fest angemeldet. Da die Zukunft des Festivals dank Anwohnerbeschwerden leider auf dem Spiel steht, sollte jeder die Gelegenheit nutzen, um online (http://www.citadel-music-festival.de/) für eine Fortsetzung zu stimmen. Eine entsprechende E-Petition liegt aus. (Carsten Scheibe)

(Fotos: Carsten Scheibe, nur für diese Site freigegeben)

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