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28.12.2009

Story: Weihnachtsdetektive

scheibeVor den vier Spürnasen öffnete sich die Tür und ein junges Mädchen schaute ein wenig verärgert heraus: „Da seid ihr ja endlich!“ Lulu drückte die Klassenkameradin beiseite, schleuderte ihre Schuhe in die Diele und pellte sich aus ihrer Jacke: „Du musst wissen, die vier Spürnasen lösen jeden Fall, aber am ersten Weihnachtsfeiertag haben wir eigentlich nicht schon wieder mit einem Verbrechen gerechnet.“

Hinter Lulu drängten Sonnyboy Gerret und die beiden Zwillinge Eddi und Freddi in das weihnachtlich geschmückte Haus. Und der schwarze Labrador Sky durfte natürlich auch nicht fehlen. „Wo ist denn der Tatort?“ fragte Computerfreak Eddi und zückte bereits sein iPhone, um erste Notizen einzugeben.

Alexandra, die die Spürnasen gerufen hatte, winkte sie die Treppe hoch in ihr Kinderzimmer. Aufgeregt deutete sie auf einen großen Stapel Geschenke, die zum großen Teil noch gar nicht ausgepackt waren. „Hier fehlt eins. Ein etwa armlanges Geschenk, eingewickelt in grünes Weihnachtspapier. Von meinem Onkel Ulf.“

Die vier Spürnasen handelten sofort. Freddy, der der Sportlichste der vier war, warf sich auf den Boden und untersuchte den Tatort mit den Augen direkt über den Teppich. „Da, ich habe etwas!“ Er hielt einen Fetzen Geschenkpapier hoch. Er war grün. „Kombiniere: Das stammt von dem verschollenen Geschenk. Mein Verdacht: Der Bruder war‘s!“

Alexandra winkte ab: „Der hat ein Alibi. Der hat den ganzen Tag an seinem doofen Computer gespielt. Außerdem habe ich sein Zimmer schon durchsucht.“

Eddi nahm den Fetzen Papier in die Hand: „Er fühlt sich glitschig an. Da ist eine undefinierbare Flüssigkeit drauf. Geschmolzener Schnee? Es könnte sein, dass du nicht artig genug gewesen bist und der Weihnachtsmann das Geschenk wieder mitgenommen hat. Was meint ihr, Spürnasen?“

Alexandra schaute Eddi aus großen Kulleraugen an: „Ich bin immer soooooo artig. Meint ihr, der Weihnachtsmann könnte einem soooooo lieben Mädchen ein Geschenk wegnehmen?“

Während die drei Jungs dahinschmolzen, schüttelte Lulu verärgert den Kopf: „Ach, quackeldiquak. Wir haben eine Spur, der müssen wir folgen. Los, sucht nach weiteren Papierschnippseln.“

Vor allem der Labrador Sky war beim Suchen ganz vorne mit dabei. Er versenkte seine dicke, schwarze Nase direkt im Teppich, streckte den haarigen Hintern in die Höh und marschierte auf vier Beinen los. Raus aus Alexandras Zimmer, hin zur Treppe. Gerret schrie: „Da, da ist noch ein Schnippsel.“

Eddi war zuerst am neuen Beweis­stück. Es war größer als das erste und nicht etwa sauber abgeschnitten. Eddi hielt es in die Luft: „Es wurde brutal zerfetzt, abgerissen, vernichtet. Eine gewaltige Kraft hat hier gewirkt. Ich befürchte sehr, dass wir das Geschenk in keinem besonders guten Zustand wiederfinden werden. Wahrscheinlich haben es Außerirdische entführt.“

Lulu stemmte die Arme in die Hüften: „Egal, wie ramponiert es ist, die vier Spürnasen werden das Geschenk schon finden.“

Gerret nahm das neue Indiz in die Hand: „Seht mal, das ist auch wieder ganz nass. Eine schleimige Substanz klebt hier an der Seite.“

„Das heißt: Fühl mal“, korrigierte Lulu und holte sich eine Probe der Flüssigkeit auf die Kuppe des rechten Zeigefingers. Sie verrieb die Flüssigkeit zwischen den Fingern und roch dran: „Riecht wie alte Socken mit einem Schuss Mundgeruch. Und es ist eindeutig zähflüssiger als Wasser.“

Eddi schüttelte sich: „Ektoplasma einer Geistererscheinung. Hier hat sich ein Geist materialisiert und das Geschenk gestohlen. Der Geist eines kleinen Mädchens, das früher in diesem Haus gewohnt hat. Kombiniere: Fall gelöst.“ Eddi sprach dabei in das Mikrofon seines iPhones.

„Seid ihr bekloppt?“, wunderte sich Alexandra. „Findet lieber heraus, wer mein Geschenk gestohlen hat. Wofür bezahle ich euch denn?“

Lulu wedelte mit dem erhobenen Zeigefinger: „Du bezahlst uns gar nicht. Denn die vier Spürnasen arbeiten eh-ren-amt-lich. Wir haben den Grafitti-Fall von Seegefeld gelöst, den Müll-in-den-Wald-Werfer von Finkenkrug gestellt und die verlorene Brieftasche vom Bürgermeister Müller wiedergefunden.“

„Ist ja schon gut“, winkte Alexandra ab. „Aber soo gut seid ihr auch nicht. Denn ich sehe da unten an der Treppe einen weiteren Schnippsel, den ihr locker übersehen habt.“

„Haben wir nicht“, sagte Freddi. „Wir müssen erst einmal dieses Fundstück sichern.“ Und er stellte ein selbstgebasteltes Fähnchen mit einer aufgemalten 2 an den Fundort des zweiten Schnippsel. „Solide Detektivarbeit kostet eben Zeit.“

Alexandra nörgelte: „Aber in einer halben Stunde kommt meine Familie von ihrem Spaziergang zurück. Bis dahin muss der Fall gelöst sein.“

Gerret schaute ihr unter seinem langen blonden Pony tief in die Augen: „Baby, wir haben den Fall geknackt, bevor du ‚Papp‘ sagen kannst.“

Alexandra sagte: „Papp.“

Gerret winkte ab: „Plus fünf Minuten.“ Und er grinste seine Auftraggeberin frech an.

Kaum stand das Fähnchen, polterten die Kinder auch schon die Treppe herunter.

„Halt, niemand fässt etwas an“, schrie Eddi. „Wir müssen geplanter vorgehen.“ Er warf sich auf die Knie und nahm nicht nur den neuen Fetzen Geschenkpapier unter die Lupe, sondern auch die direkte Umgebung. „Hier, weiße Haare. Ein ganzes Büschel. Der Yeti? Kalt genug wär‘s draußen ja dafür.“

Alexandra schüttelte den Kopf: „So ein Blödsinn. Geister, Außerirdische, Yetis. Wie bekloppt seid ihr denn? Das sind Haare von unserem Hund Bonnie. Jetzt verdächtigt ihr schon arme Hunde!“

Lulu entschuldigte sich: „Als Spürnase darf man nichts, aber auch gar nichts außer acht lassen.“

Eddi machte weiter: „Hier sehe ich noch Bonbonpapier. Vielleicht hat es der Täter am Tatort hinterlassen?“

Alexandra winkte ab: „Das ist von mir, ich war nur zu faul, um das aufzuheben.“
Eddi schüttelte missbilligend den Kopf. „Das einzige, was ich jetzt noch finden kann, ist ein winziger Rest von einem Bleistift. Wahrscheinlich hat sich der Täter Notizen gemacht. Wenn ich nur eine Schriftprobe hätte. Ich habe da so eine Theorie. Ich glaube, ich kann an der Schrift erkennen, ob es sich bei dem Schreiber um ein Kind oder um einen Erwachsenen handelt.“

Freddi guckte genervt: „Eddi, das kann JEDER erkennen. Vor allem bei deiner eigenen Sauklaue.“

Eddi nahm vorsichtig das dritte Stück Geschenkpapier vom Boden auf. Ein langer Faden gallertartige Flüssigkeit zog sich vom Fußboden zum Papier hoch. Er wurde länger und länger – riss ab und flog Eddi um die Ohren. Der schüttelte sich: „Igitt, Alienschleim.“

Lulu sah sich um, sie suchte Sky. Und sie fand ihn. „Hey, seht mal da. Sky hat etwas gefunden.“

Tatsächlich stand der Labrador direkt vor der Kellertreppe -inmitten mehrerer Papierschnippsel, die alle auf dem Treppenabsatz verstreut waren. Ein rotes Geschenkeband schlang sich um seine Pfoten. Sky kläffte laut.

Alle liefen schnell zur Kellertreppe. Nur Eddi schlurfte versonnen hinterher. Er bastelte gerade ein viertes Fähnchen. Bislang hatten die vier Spürnasen noch nie einen Fall gelöst, bei dem mehr als drei Fähnchen benötigt wurden.

Die Kinder ließen sich dieses Mal nicht besonders viel Zeit, um die Indizien zu untersuchen. Denn weitere Papierschnippsel lagen überall auf der Kellertreppe – sie mussten der Spur alle nur noch folgen.

Alexandra nahm im Gehen das Geschenkeband auf: „Hier hängt noch der Rest vom abgerissenen Geschenkkärtchen dran. Schade, dass das Kärtchen weg ist. Sonst könnte ich auch noch beweisen, dass es mein Geschenk war.“

Gerret merkte auf: „Aha, ein ganz neuer Aspekt. Vielleicht war es ja gar nicht dein Geschenk. Jeder ist verdächtig. Das zeigt sich immer wieder. Wir dürfen niemanden vertrauen.“

Alexandra schubste die Spürnase: „Du bist doof.“ Gerret fiel fast die Treppe herunter.
Unten angekommen fanden die fünf noch mehr Papier. Es war nass, es war glitschig, es war ekelhaft. Sky bellte wieder laut und schlug vor der Tür zur Waschküche an. Hinter der halb angelehnten Tür drangen beängstigende Geräusche hervor. Es knackte, knirschte, schabte, schmatzte.

Freddi schüttelte sich: „Vielleicht müssen die vier Spürnasen ja auch nicht JEDEN Fall lösen. Vielleicht wäre es an dieser Stelle besser, Alexandras Geschenk zu opfern und einfach schnell das Weite nicht nur zu suchen, sondern auch zu finden. Tante Jeanine und Onkel Mario kommen heute zu Besuch, die würde ich in diesem meinen Leben gern noch einmal wiedersehen.“

Lulu schaute verächtlich: „Schau hinter die Tür und stirb wie ein Mann.“
Eddi grummelte: „Ich bin noch kein Mann. Und wenn du so mutig bist, dann mach du das doch.“

Die Überraschung für Eddi war: Lulu WAR tatsächlich so mutig. Ganz langsam schlich sie sich zur Tür, schaute um das Türblatt herum – und fing an zu lachen.

Schnell stürmten Alexandra und die anderen Spürnasen heran und rissen die Tür auf. „Bonnie!“ schrie Alexandra laut. Und tatsächlich lag der Hund inmitten der Dreckwäsche auf einem riesigen Haufen zerrissenem und vollgesabberten Geschenkpapier. Was immer in dem Geschenk eingewickelt gewesen war: Der Hund kaute gerade hingebungsvoll darauf herum.

„Oh weh, mein schönes Geschenk“, jammerte Alexandra und schlug die Hände vors Gesicht.

„Was fehlt dir denn eigentlich?“, fragte Gerret. Alexandra schaute ihn verwirrt an: „Daran habe ich noch gar nicht gedacht. Wenn ich es so recht überlege, dann habe ich alle meine Geschenke. Trotzdem bin ich mir ganz sicher, dass dieses zerstörte Etwas heute morgen noch auf meinem Geschenkeberg gelegen hat. Böser Hund. Bonnie, du bist ein BÖSER Hund.“

„Ist er nicht“, meinte Eddi, der die Ermittlungen noch nicht eingestellt hatte. „Schaut doch einmal. Beweisstück 4: Der Hund hat einen Knochen im Maul. Darauf kaut er herum, deswegen hat es eben so laut durch die Tür geschmatzt. Und deswegen ist unser Sky auch so wild am Bellen. Der hat den Knochen schon längst gerochen.“

Eddi hob eins der nassen Papierschnippsel des Geschenkpapiers in die Luft. „Wir hätten gleich darauf kommen können. Das nasse Papier: Hundesabber. Richtig viel Hundesabber. Von einem Hund, der einen Knochen riecht.“

Alexandra schüttelte sich: „Wer schenkt mir denn einen Knochen?“

Eddi schwenkte die Weihnachtskarte, die er eben gefunden hatte. „Niemand. Onkel Ulf hat den Knochen für den Hund eingepackt. Hier steht: Für Bonnie. Du, Alexandra, hast dir das Paket widerrechtlich angeeignet. Es gehört dem Hund. Und der Hund hat sich‘s geholt. Wieder haben wir einen Fall gelöst.“ (Text-(C) by Carsten Scheibe)

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