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29.10.2017

Groß-Behnitz: Führung über das Landgut Stober

Geschichte zum Anfassen – und das gleich um die Ecke. Ein Ausflug lohnt sich auf jeden Fall, um das Landgut Stober (www.landgut-stober.de) einmal in Augenschein zu nehmen. Es liegt zentral im kleinen Ort Groß-Behnitz, das zu Nauen gehört und über die B5 schnell zu erreichen ist.

Michael Stober, der aus Süddeutschland stammt und in seiner Vergangenheit bereits als Philosoph, Fotograf, Bronzegießer und Altbausanierer gearbeitet hat, kaufte das alte Landgut der Industriellenfamilie Borsig vor 17 Jahren, als es in Schutt und Asche lag: „Man muss Visionen haben, um so ein Projekt zu stemmen. Damals wuchsen Bäume aus den Dächern, waren Zwischendecken eingestürzt und stapelte sich der Müll meterhoch. Der ganze Hof hatte sich in einen kleinen Wald verwandelt. Erst wollte ich aus dem Gelände einen Ort machen, an dem sich Künstler verwirklichen können. Aber je intensiver ich mich mit der Geschichte des Anwesens beschäftigt habe, umso klarer wurde mir, dass ich es im Geiste der Borsigs weiter bewirtschaften muss.“

Albert Borsig war einer der ersten Industriellen Deutschlands. Sein Unternehmen hat zahllose Erfindungen getätigt. Berühmt geworden ist Albert Borsig mit seinen Dampf-getriebenen Lokomotiven, seinen Stahlkonstruktionen im Hausbau und seinem ganz eigenen Stahl, der aufgrund eines extrem hohen Kohlenstoffanteils nicht rostet, dafür aber schon bei niedrigen Temperaturen zu brennen beginnt.

Michael Stober, der immer am ersten Sonntag im Monat zu einer spannenden historischen Führung über das Gut einlädt – verbunden mit einem 2-Gang-Mittagessen für 29,50 Euro: „1866 hat Albert Borsig das Landgut in Groß-Behnitz gekauft, um hier nach neuzeitlichen Methoden und mit hohem Erfindergeist Gemüse und Kartoffeln für die Werkskantine anzubauen. Die Essensbestellung kam damals noch per Brieftaube aus dem nahen Berlin. Was viele nicht wissen: Die Borsigs waren trotz ihrer industriellen Tätigkeit sehr sozial eingestellt. Sie haben ihren Mitarbeitern nicht nur ein Essen angeboten, sondern auch eine Kinderbetreuung und ein fabrikeigenes Sozialsystem organisiert. Das führte zu einem sehr starken Zusammengehörigkeitsgefühl.“

Von 2000 an hat Michael Stober inzwischen gute 18 Millionen Euro investiert – Fördermittel und private Gelder. Längst ist aus dem verfallenen Gut ein Leuchtturm-Projekt für die ganze Region geworden. Der Kornspeicher, die Weinstube, die alte Brennerei, der Kälberstall und der Rinderstall wurden aufwändig restauriert und zeigen nun wieder ihre schöne, rote Ziegelsteinfassade. In den denkmalgeschützten Gebäuden gibt es inzwischen ein hochwertiges Restaurant, ein hauseigenes Standesamt und 25 Tagungs- und Veranstaltungsräume. Viele Firmen nutzen das einzigartige Ambiente, um hier ihre Tagungen abzuhalten. Bei Paaren ist das Landgut Stober hingegen sehr beliebt, um hier zu heiraten und auch zu feiern – direkt am Groß-Behnitzer See.

Übernachten können die Tagungsgäste und Hochzeitsgesellschaften im Biohotel, das als „Deutschlands nachhaltigstes Hotel“ ausgezeichnet wurde. Michael Stober: „Unsere Photovoltaic-Anlage auf dem Dach produziert mehr Strom, als das gesamte Landgut verbraucht. Im Hotel ist alles bio. Sogar die Teppiche können wir am Ende an die Ziegen verfüttern, die bestehen nämlich hauptsächlich aus Mais. Wir benutzen Regenwasser zum Spülen der Toiletten und verwenden Holzhackschnitzel aus dem gutseigenen Wald zum Heizen.“

Und er ergänzt: „Unsere Mitarbeiter – wir haben 60 Arbeitsplätze geschaffen und beschäftigen 150 saisonale Kräfte – können nach einer langen Feier vor Ort übernachten oder eins unserer Shuttle-Autos verwenden. Die Borsigs haben gern gefeiert, haben aber auch soziale Verantwortung übernommen. Diesem Ideal wollen wir nacheifern. Seit drei Jahren erwirtschaften wir ein Plus, das aber sofort reinvestiert wird.“

Da inzwischen zu 75 Prozent Tagungsgäste ins Landgut kommen, das Biohotel aber nur Doppelbett-Zimmer aufweist, ist als nächstes eine Hotelerweiterung geplant, die zusätzliche Einzelbett-Zimmer bereitstellt, um so die Nachfrage stillen zu können. (Text/Fotos: CS)

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